Aus welchem Grund wurde in den Reaktionen der AfD nach dem Anschlag auf den CSD Berlin die Queerfeindlichkeit als Tatmotiv bzw. die queere Community als Ziel nicht ausdrücklich benannt?
Nach dem Anschlag auf den CSD Berlin war in Reaktionen der AfD unter anderem von „Staatsversagen“, „Islamismus“, „in Gedanken bei den Opfern“ und einem „Anschlag beim CSD Berlin“ die Rede. Eine ausdrückliche Benennung der queeren Community als Ziel des Anschlags habe ich dabei nicht wahrgenommen.
Aus welchem Grund wurde die queere Community in Ihren Stellungnahmen nicht ausdrücklich als Ziel des Anschlags benannt?
Welche Bedeutung messen Sie dem Umstand bei, dass sich die Tat gegen eine queere Veranstaltung richtete und Hasskriminalität gegen queere Menschen laut den polizeilichen Statistiken in den vergangenen Jahren zugenommen hat?
Sehr geehrter Herr F.,
islamistische Attentäter haben sich in der Vergangenheit recht „flexibel“ bei der Auswahl ihrer Opfer und der Gelegenheiten gezeigt, wobei Weihnachtsmärkte als das Fest der Christen mehrfach vorkamen. Es ist offensichtlich, dass der CSD und die „queere Lebensart“ eine Provokation für strenggläubige Moslems darstellen, dennoch soll das vorliegende Bekennervideo – obwohl es am Tag des Anschlages aufgenommen worden ist – zwar einen Treuschwur zum IS, aber keinen Bezug zur queeren Community, Homosexualität oder den CSD als Feindbild enthalten haben.
https://www.tagesschau.de/inland/csd-anschlag-bekennervideo-100.html
Eine ausdrückliche Benennung von „Queerfeindlichkeit“ wäre somit zwar plausibel, dennoch spekulativ.
Ich kann auch nicht Ihre Wahrnehmung nachvollziehen, wonach die Reaktion prominenter Parteimitglieder sich in diesem Falle wesentlich von den Reaktionen anlässlich der Weihnachtmarktanschläge unterschieden hätten. So hat der stellvertretende AfD-Bundessprecher Sven Tritschler erklärt:
„Für die Alternative für Deutschland (AfD) steht die Freiheit des Einzelnen im Mittelpunkt.“ Und: „Es ist völlig zweitrangig, ob ich oder meine Partei den Christopher Street Day in seiner aktuellen Form gut finden oder nicht.“
Es geht eben gerade nicht darum, Opferhierarchien zu schaffen, was Sie mit Ihrer Frage möglicherweise subtil unterstellen wollten.
Unabhängig davon ist es unsere Überzeugung, dass alle diese Opfer der Politik der offenen Grenzen und des Scheiterns der Migrations- und Integrationspolitik geschuldet sind.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Götz Frömming

