Portrait von Eva Lettenbauer
Eva Lettenbauer
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN
83 %
/ 6 Fragen beantwortet
Zum Profil
Frage von Tobias H. •

Sehr geehrte Frau Lettenbauer, halten Sie klimaneutrales Heizen bis 2045 in ländlichen Regionen wie Schwaben für realistisch? Welche Rolle sollen hybride Übergangslösungen dabei spielen?

Portrait von Eva Lettenbauer
Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrter Herr H.
vielen Dank für Ihre Frage. 

Ja, ich halte klimaneutrales Heizen bis 2045 auch in ländlichen Regionen wie Schwaben für realistisch. Voraussetzung dafür ist aber dass wir in Bayern die Wärmewende jetzt konsequent, verlässlich und ohne ständiges Zurückrudern umsetzen. Dann ist eine klimaneutrale Wärmewende eine Chance für die Wertschöpfung in der Region und schafft Einnahmen für das Handwerk durch den Verkauf und die Installation von Solaranlagen und Heizungen, für Bürgerinnen und Bürger als Stromerzeuger oder Beteiligte an Bürgerenergie und Firmen als Stomerzeuger oder Abwärmeverkäufer. Die klimaneutrale Wärmewende ermöglicht sicheres, billiges Heizen. 

Ein zentraler Baustein dafür ist die kommunale Wärmeplanung, die wir GRÜNEN mit den Partnern der letzten Bundesregierung verbindlich eingeführt haben. Das Wärmeplanungsgesetz schafft erstmals eine verbindliche Grundlage, damit Einwohner*innen für ihre Stadt oder Gemeinden systematisch prüfen können, wo künftig Fern- und Nahwärmenetze mit Großwärmepumpen , Blockheizkraftwerken oder Biogasanlagen oder industrieller Wärme kommen oder ob private erneuerbare Lösungen notwendig sind. Gerade im ländlichen Raum ist diese Planung entscheidend, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und passgenaue Lösungen vor Ort zu ermöglichen. 

Nach aktuellen Stand der Technik ist die Wärmepumpe der zentrale Schlüssel für klimaneutrales Heizen, insbesondere im Gebäudebestand sowie in Ein- und Zweifamilienhäusern. Hybride Übergangslösungen können dort sinnvoll sein, wo eine vollständige Umstellung kurzfristig noch nicht möglich ist. Sie dürfen aber kein Dauerzustand werden und müssen auf erneuerbare Wärme ausgerichtet sein. 

Fernwärme kann ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, vor allem in dichter bebauten Ortskernen oder dort, wo Abwärme, Geothermie oder größere Biomasseanlagen genutzt werden können. Wichtig ist, dass auch die Fernwärme schrittweise klimaneutral betrieben wird und wir nicht weiter von fossilen Energien aus dem Ausland abhängig gemacht werden, sondern unsere Energien „homemade“ sind. 

Zentral für das Gelingen der Wärmewende ist grundsätzliche Planungs- und Investitionssicherheit. Sie funktioniert nur, wenn politische Rahmenbedingungen verlässlich bleiben. Ständige Kurswechsel oder das Infragestellen verunsichern Bürger*innen, Handwerk und Kommunen gleichermaßen. Sie gefährden zudem die wirtschaftliche Entwicklung unserer heimischen Wärmepumpen-Industrie, die stabile Nachfrage braucht, Arbeitsplätze und Produktionskapazitäten auszubauen und Innovationen voranzubringen.  

Genauso wichtig ist aber auch die soziale Absicherung der Wärmewende. Klimaneutrales Heizen darf kein Luxusprojekt für wenige sein, sondern muss für alle Menschen bezahlbar bleiben. Deshalb setzen wir GRÜNE auf sozial gestaffelte Förderprogramme, die insbesondere Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen gezielt unterstützen. Wer wenig finanziellen Spielraum hat, erhält Zuschüsse bis zu 70%, damit notwendige Investitionen nicht zur Überforderung werden. 

Zugleich wollen wir Mieter*innen vor dauerhaft hohen und weiter steigenden Kosten fossiler Energien schützen. Öl und Gas werden durch CO₂-Preise und internationale Krisen immer teurer. Die Wärmewende ist daher auch ein wirksamer Schutz vor Energiearmut. Die Modernisierungskosten dürfen darum auch nicht einseitig auf die Mieter*innen abgewälzt werden. Klimafreundliches Heizen muss sich auch auf die Warmmieten positiv auswirkt. 

 
Mein Fazit lautet daher, dass Klimaneutrales Heizen bis 2045 möglich ist, auch in Schwaben, mit der Voraussetzung einer starken kommunalen Wärmeplanung, pragmatischen Übergangslösungen, sozial gerechten Förderungen und vor allem politischer Verlässlichkeit. 

Mit besten Grüßen 
Eva Lettenbauer, MdL 

Was möchten Sie wissen von:
Portrait von Eva Lettenbauer
Eva Lettenbauer
BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Weitere Fragen an Eva Lettenbauer