Portrait von Eva Goldbach
Eva Goldbach
Bündnis 90/Die Grünen
75 %
/ 4 Fragen beantwortet

Frage an Eva Goldbach von Franca M. bezüglich Landwirtschaft und Ernährung

Frau Goldbach,
wie viele Tiere sind für Sie eine Massentierhaltung?

Von der Haltung wievieler Tieren kann ein Landwirt (Hauptberuflich) seine Familie ernähren?

Frage von Franca M. am
Portrait von Eva Goldbach
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 16 Stunden

Der Begriff Massentierhaltung ist irreführend. Ob Tiere artgerecht gehalten werden oder nicht, kann man nicht an einer Zahl festmachen. Die industrielle Intensiv-Tierhaltung meint vielmehr die konzentrierte Haltung von Tieren auf engstem Raum. Sie ist gekennzeichnet durch das Bestreben von Investoren, bei der Tierhaltung unter Einsatz von Kapital ein Höchstmaß an Rendite zu erzielen. Ziel der industriellen Tierhaltung ist eine möglichst effiziente Verwertung des Viehfutters zu Fleisch, Eiern oder Milch. Dieses Ziel soll mit wenig Beschäftigten und enger Haltung der Nutztiere erreicht werden. Das Tierwohl spielt dabei nur eine untergeordnete oder gar keine Rolle. Die industrielle Intensiv-Tierhaltung braucht keine landwirtschaftlichen Flächen, sondern Standorte für Tierfabriken. Sie betreibt keinen Ackerbau, sondern kauft Kraftfutter auf dem Weltmarkt. Die auf Hochleistung gezüchteten Nutztiere werden in den industriellen Prozess eingebunden wie leblose Produktionsmittel.

Ihre Frage, von der Haltung wie vieler Tiere ein haupterwerblicher Landwirt seine Familie ernähren kann, lässt sich ebenfalls nicht pauschal mit einer Zahl beantworten. Ob ein landwirtschaftlicher Betrieb auskömmlich wirtschaftet, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Wirtschaftet der Betrieb konventionell oder ökologisch? Wo steht der Betrieb? Welche Tierarten werden gehalten und wird zusätzlich Ackerbau betrieben?
Am Beispiel der Milchviehhaltung lässt sich gut verdeutlichen, dass nicht unbedingt die Zahl der Tiere für die Wirtschaftlichkeit entscheidend ist, sondern vielmehr die Preise, die die landwirtschaftlichen Produkte erzielen. Bei einem Milchpreis von unter 20 Cent pro Liter kann kein Betrieb auskömmlich wirtschaften, egal, wie viele Tiere dort gehalten werden. Erforderlich wären mindesten 43 Cent pro Liter.

Was möchten Sie gerne wissen von:
Portrait von Eva Goldbach
Eva Goldbach
Bündnis 90/Die Grünen