Portrait von Ekkard Büdenbender
Ekkard Büdenbender
DIE LINKE
100 %
/ 3 Fragen beantwortet

Wie wollen Sie die Wirtschaft nachhaltiger machen? Wie stehen Sie zu einem Recht auf Reparatur? Wollen Sie nachhaltiges Leben günstiger machen?

Sehr geehrter Herr Büdenbender,

angesichts der Umwelt- und Klimakrise, wie kann die Wirtschaft ihren Beitrag zur Bewältigung leisten?

Frage von Aaron H. am
Thema
Portrait von Ekkard Büdenbender
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 3 Tage 10 Stunden

Sehr geehrter Herr Happel,

ich bin der festen Überzeugung, dass die wichtigsten Hebel zur Verminderung der Klimakatastrophe nicht in den einzelnen privaten Entscheidungen liegen, sondern in der Ausrichtung des Wirtschaftssystems. Von daher freue ich mich über Ihre Frage. Wie Sie wissen, beruht unser Wirtschaftssystem, und somit mittlerweile unser Gesellschaftssystem auf der Basis Wachstum durch Verbrauch. Jedes produzierende Unternehmen hat ein ureigenes Interesse daran, Produkte auf den Markt zu bringen, die regelmäßig ersetzt werden müssen. Wenn das verkaufte Produkt "ewig" halten würde, wäre der Markt für dieses Produkt irgendwann gesättigt, der Umsatz des Unternehmens würde wegbrechen. Wenn wir eine nachhaltige Wirtschaft aufbauen wollen, müssen wir dieses Prinzip verändern. Ein Unternehmen muss ein wirtschaftliches Interesse daran haben, dass seine Produkte sehr lange halten, bzw., repariert werden können. Dies könnte möglicherweise dadurch geschehen, dass Produkte nicht verkauft, sondern gemietet, bzw., geleast werden. (Selbstverständlich wären Produktionsanlagen, die der Gesellschaft gehören, die einfachste Lösung. Aber der Weg zu den einfachsten Lösungen ist oft der schwierigste.) Dies hätte unterschiedliche Begleiterscheinungen für die Gesellschaft und Natur. Wir würden sowohl den Ressourcenverbrauch drastisch reduzieren, als auch unsere Arbeitszeiten. Wir würden unsere Gesellschaft radikal entschleunigen. Werte, die wir geschaffen, bzw., erworben haben, hätten Bestand. Gerade in Krisen ist dies sehr wichtig. Selbstverständlich müssen wir in dem Zusammenhang dann auch neue Antworten auf die Frage der Verteilung der gesellschaftlichen Lasten und Erträge finden. Denn Arbeitsplätze  in der Industrie sind aktuell die Existenzgrundlage  von vielen Erwerbtätigen,  viele davon würden wegfallen. Die Pandemie hat allerdings gezeigt, dass die Schwachstellen unserer Gesellschaft ohnehin nicht im Bereich der industriellen Produktionskapazitäten liegen, sondern in den unterschiedlichen sozialen Bereichen. Hier könnten wir endlich für Entlastung der angespannten Situation sorgen. Insgesamt nenne ich diesen Systemwechsel: Vom Wachstum durch Verbrauch zum Wohlstand durch Bewahrung. Ich hoffe, Ihnen hiermit Ihre Fragen ausreichend beantwortet zu haben.

Was möchten Sie gerne wissen von:
Portrait von Ekkard Büdenbender
Ekkard Büdenbender
DIE LINKE