Was wollen Sie mithilfe von "Agentic AI" an Regierung und Verwaltung verändern?
Sehr geehrte Frau Vogtschmidt,
als Mitglied des Ausschußes für Digitalisierung möchte ich Sie fragen, ob Sie diesen Artikel kennen?
https://agenticstate.org/paper.html
Wenn nicht, mögen Sie den mal lesen?
Was denken Sie dazu? Wie werden Deutschlands Regierung und Verwaltung digital(er)? Was tun Sie dafür?
Summary:
AI agents [..] are already operating at commercial scale. Unlike previous waves of digitisation [..], these systems can pursue outcomes, adapt through feedback, and coordinate across organisational boundaries.
Governments worldwide have consistently lagged in technology adoption, creating efficiency gaps and mounting citizen frustration. This pattern has left public institutions operating with outdated tools while citizens experience government as slower and less responsive than virtually every other service in their lives. Agentic AI, which is being adopted by industry leaders at unprecedented pace, stands to further widen this gap unless governments up their game.
Sehr geehrter Norbert B., vielen Dank für die Anfrage und den Lesehinweis. Es ist zunächst einmal richtig, dass die digitale Verwaltung nur sehr schleppend in Gang kommt. Die Ursache ist, und das kritisieren wir als Linksfraktion vehement seit vielen Jahren, dass Standards für technische Schnittstellen, Datenformate und Prozesse nicht verbindlich festgelegt wurden. Das führt insbesondere in einem stark föderal strukturierten Staat zu enormen Hürden der Digitalisierung und zu einer unnötigen Komplexität. Das Problem wäre leicht lösbar, wenn Bund und Länder endlich in eigenem Interesse agieren und diese Standards festlegen würden, anstatt sich immer wieder von Drittanbietern zu abweichenden Varianten und zum blockieren politischer Einigung verleiten zu lassen. Es ist als naiver Wunsch zu interpretieren, dass mit der angekündigten Deutschland-App nun agentische KI die Lösung dafür sein soll. Dabei kann auch eine KI nur mit der Datenqualität arbeiten, die eben verfügbar ist, und gerade beim Umgang mit wichtigen persönlichen Daten wären das Agieren auf Basis von Wahrscheinlichkeiten oder gar Halluzinationen schlicht nicht akzeptabel. Künstliche Intelligenz hat zahlreiche sozial-ökologische Implikationen, und es erscheint abwegig, diese nun in Kauf zu nehmen, anstatt mit einheitlichen Standards und regelbasierter Software eine funktionale digitale Verwaltung voranzutreiben, gerne auch durch Umsetzung des Once-Onlys-Prinzips, also dass Daten nur einmal eingegeben werden müssen und Formulare automatisiert ausgefüllt und bearbeitet werden können. Dafür braucht es keine KI, sondern Standards und geeignete Schnittstellen. Bei Ermessensentscheidungen durch KI ist eine rote Linie überschritten. Aber auch die Vorbereitung von Entscheidungen durch KI kann problematisch sein, wenn die Person, die die Entscheidung am Ende trifft, nicht mehr begreift, auf welcher Grundlage die Informationen basieren. Eine demokratisch organisierte Verwaltung setzt voraus, dass Menschen auf beiden Seiten wirklich begreifen und nachvollziehen können, wie Entscheidungen zustande kommen. Hier kommt künstliche Intelligenz als statistisches Modell prinzipiell an ihre Grenzen, egal wie leistungsfähig sie ist. Jede Bürger*in sollte Anspruch auf eine menschliche Kontaktperson und menschliche Beratung in der Verwaltung haben.

