Mehr als 150 WissenschaftlerInnen aus ganz Europa fordern den Erhalt des SEZ – warum nimmt Berlin das nicht ernst?
Sehr geehrte Herr Stettner,
ich bin für den Erhalt des sozial und erinnerungskulturell wichtigen SEZ.
Mit freundlichen Grüßen
Dass sich über 150 Fachleute aus ganz Europa zu Wort melden, zeigt, dass das Gebäude auch aus architektonischer und zeitgeschichtlicher Perspektive als bedeutend wahrgenommen wird. Dieses Engagement wird keineswegs „nicht ernst genommen“.
Gleichzeitig muss Politik am Ende eine Gesamtverantwortung für die Stadt übernehmen – und dabei mehrere Aspekte sorgfältig gegeneinander abwägen: den baulichen Zustand, die Schadstoffbelastung, die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung, den Bedarf an Wohnraum, an Schulplätzen und an moderner Sportinfrastruktur.
Unabhängige Gutachten haben bestätigt, dass der bauliche Zustand des SEZ sowie die erhebliche Schadstoffbelastung einen wirtschaftlich und technisch vertretbaren Erhalt ausschließen. Auf dieser Grundlage wurde der Bebauungsplan bereits 2018 vom damaligen Senat und vom Abgeordnetenhaus beschlossen. Es handelt sich also nicht um eine kurzfristige politische Entscheidung, sondern um ein seit Jahren rechtlich vorbereitetes und geprüftes Verfahren.
Architektonische oder historische Bedeutung ersetzt nicht die Verantwortung, mit öffentlichen Mitteln sorgsam umzugehen und die dringendsten Bedarfe der wachsenden Stadt zu berücksichtigen. Berlin braucht bezahlbaren Wohnraum, zusätzliche Schulplätze und funktionierende, zeitgemäße Sportangebote.
Das neue Quartier wird Wohnen – zu einem erheblichen Anteil gefördert –, eine Schule sowie Sport- und Freizeitangebote verbinden. Ziel ist es, an diesem Ort eine Lösung zu schaffen, die langfristig vielen Menschen zugutekommt.
Ich danke Ihnen für Ihr kritisches Nachfragen und Ihr Engagement. Eine sachliche Debatte über Stadtentwicklung ist wichtig – auch wenn am Ende nicht alle die getroffene Entscheidung teilen.

