Was bedeutet Ihnen der heutige Gedenktag, der 27. Januar, und wie können Sie diesen würdigen?
Sehr geehrter Herr Grimm,
heute, am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz, gedenken wir der über eine Million Menschen, die dort von Deutschen und ihren Kollaborateuren ermordet wurden – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, politische Gefangene, Widerstandskämpfer, kranke und behinderte Menschen sowie Millionen verschleppte Slawen und Zwangsarbeiter.
Vor diesem historischen Hintergrund möchte ich Sie fragen:
Wie gehen Sie als Repräsentantinnen und Repräsentanten einer Partei, deren Rhetorik und Geschichtsverständnis immer wieder in der Nähe von Relativierungen der Nazi-Verbrechen zu verorten ist, mit der Verantwortung um, an diesen Tag würdevoll und glaubwürdig zu erinnern?
Halten Sie es angesichts der von Ihrer Partei angeführten „Schuldkult“ und „erinnerungspolitische Wende“ ein ehrliches Gedenken an die Opfer des Holocaust für möglich? Wie halten Sie es persönlich?
Lieber Herr M.
dieser Gedenktag ist exemplarisch für einen Teil unserer Geschichte und damit wichtig. Bedauerlicherweise ist die offizielle Gedenkkultur, vor allem in Politik und Medien, sehr einseitig und zudem erstarrt, insbesondere die vielen Leiden und Opfer der Deutschen werden kaum erinnert, wie man exemplarisch am Schicksal der Wilhelm Gustloff am 30. Januar 1945 sehen kann. Ich hoffe sehr, dass sich dies ändert, ich werde versuchen, meinen Teil dazu beizutragen.
Ihnen alles Gute!
Gruß Christoph Grimm

