Frage an Christoph de Vries von Oneonen Hqhjreryyn bezüglich Kinder und Jugend

09. Januar 2015 - 07:35

Sehr geehrter Herr de Vries
Vielen Dank für Ihre Antwort, aber sie beantwortet nicht alle Fragen:

Die in Jenfeld verhungerte Jessica ist auch durch mangelhafte Zusammenarbeit der behördlichen Institutionen verhungert. Frau Schnieber-Jastram ist damals nicht zurückgetreten, nur Herr von Beust hatte mit Kindern 1x in der Arche gezeigt.

Sollen jetzt Senatoren und Bezirksamtsleiter jede Akte in die Hand nehmen und die Arbeit aller Mitarbeiter kontrollieren?
2008 War die CDU auch noch in der Regierung. Chantal kam 2008 in die Pflegefamilie. Frau Schnieber-Jastram, immer noch Sozialsenatorin, hatte ihren 2. Todesfall eines vernachlässigten Kindes. Es gab wieder weder Rücktritt noch entsprechende Forderungen. Ich kenne nicht den genauen Zeitpunkt der Aufnahme in die Pflegefamilie, aber im Laufe von 2008 kam Wilhelmsburg zu Mitte, gehörte vorher zu Harburg. Weshalb trat nicht der Bezirksamtsleiter von Harburg zurück? Gilt Ihre Forderung nicht für die CDU?

In meiner Kindheit kannten wir unsere Familienfürsorgerin; denn sie kam ins Haus und, als wär älter waren, unternahm sie etwas mit uns. In heutiger Zeit muss man mühsam seine Ansprechpartner suchen, die kaum noch vor die Tür kommen und im Büro in den Akten "wühlen".

Man muss in diesem hoch sensiblen Bereich, in dem es zum Teil um Leib und Leben von Kindern geht, erwarten können, Politiker parteiübergreifend Konzepte entwickeln, die selbst bei einem Regierungswechsel nahtlos weiterlaufen und auch gemeinsam kontrolliert und/oder nachgebessert werden.
Warum werden so sensible Bereiche privatisiert?
Mich wundert die Wahlmüdigkeit vieler Bürger nicht. Wenn solch Schlagabtausch vor einer Wahl stattfindet und nach der Wahl die Kontrahenten eine Koalition bilden, so muss man sich nicht wundern, wenn sich mancher Bürger verschaukelt vorkommt, oder sehen Sie das anders.

Frage von Oneonen Hqhjreryyn
Antwort von Christoph de Vries
14. Januar 2015 - 21:05
Zeit bis zur Antwort: 5 Tage 13 Stunden

Sehr geehrte Frau Uduwerella,

die angeführten Vergleiche passen nicht wirklich. Beim Tod von Jessica hatte keine staatliche Institution zvor Kontakt mit dem Kind oder den Eltern. Und es gibt einen gewaltigen Unterschied. Nach den früheren Todesfällen von Kindern hat es umfassende Maßnahmenpakte der Senatoren in der CDU-Regierungszeit gegeben, die u.a. auch eine Aufstockung des Fachkräftepersonals in den Jugendämtern um rd. 90 Stellen beinhalteten, weil die Zahl der Fälle und Hilfen gestiegen war. Selbstverständlich muss ein Senator oder ein Bezirksamtsleiter nicht die Verantwortung tragen für individuelle Fehler seiner Mitarbeiter. Aber im Fall Yagmur ist deutlich geworden, dass Herr Scheele seit dem tragischen Todesfall des Mädchens Chantal keine einzige zusätzliche Stelle für den Kinderschutz in Hamburg geschaffen hat, obwohl ein Gutachten, das er selbst in Auftrag gegeben hatte, schon 2012 zum Ergebnis kam, dass mehrere ASD-Abteilungen in Hamburg nicht vollständig arbeitsfähig seien und die Sicherung des Kindeswohl nicht garantieren könnten. Zu diesen notleidenden ASD´s gehörten auch die beiden in Mitte und Eimsbüttel, die für Yagmur zuständig waren. Erst nach dem Tod eines weiteren Kindes ist Senator Scheele aktiv geworden und hat eine Personalaufstockung auf den Weg gebracht. Wer in diesem hochsensiblen Bereich, wo es zum Teil um Leib und Leben von Kindern geht, derart nachlässig agiert, kann nicht länger Verantwortung für den Kinderschutz in Hamburg tragen und muss in einer parlamentarischen Demokratie dann auch persönliche Konsequenzen ziehen.

Ähnliches gilt für Herrn Grote, in dessen Verantwortung die Dokumentationspflichten im für Yagmur zuständigen ASD gelockert wurden, so das die Fachkraft am Ende keine vernünftige Entschiedungsgrundlage mehr hatte. Dies hätte niemals passieren dürfen, nachdem bei den vorangegangenen Todesfällen von Kindern in der Zuständigkeit des Jugendamtes Hamburg-Mitte immer die schlechte Aktenführung und die unzureichende Falldokumentation festgestellt und bemängelt worden waren.

Besten Gruß

Christoph de Vries