Warum hält der Freistaat Bayern an dem 1.000 Kriterium bei der Reaktivierung von Nebenstrecken fest?
Sehr geehrter Herr Bernreiter,
Für Schüler, Studenten, Azubis, Rentner oder Pendler ist der ÖPNV ein garant für Mobilität. Jedoch ist der Freistaat Bayern sehr langsam mit Bahnreaktivierungen (letzte Reaktivierung 2024). Neben hohen Bürokratischen Auflagen, ist das sogenannte 1.000 Kriterium ein erhebliches Hindernis. Besonders deutlich wird diese Politik unter anderem in der Opferpfalz. Städte wie Berching, Beilngries, Greding, Greißelbach, Dietfurt und Freystadt hatten alle einmal einen Bahnanschluss. Meiner Meinung nach hätten alle diese Orte einen Bahnanschluss verdient oder zu beginn einen Regelmäßigen Busbetrieb. Und obwohl viele Menschen in diesen Städten wohnen, gibt es nicht einmal eine Untersuchung für eine Reaktivierung. Daher wollte ich von Ihnen wissen warum?
Sehr geehrter Herr B.,
vielen Dank für Ihre Frage.
Die Bayerische Staatsregierung steht der Reaktivierung stillgelegter Eisenbahnstrecken für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) grundsätzlich positiv gegenüber, sofern sie verkehrlich und wirtschaftlich sinnvoll ist und sofern die betroffenen Regionen diese Maßnahme unterstützen. Eine Reaktivierung ist häufig innerhalb einer Region durchaus nicht unumstritten.
Sobald die Region dem Freistaat einen Gremienbeschluss mit vorbehaltloser Anerkennung der vier bayerischen Reaktivierungskriterien vorlegt (siehe hierzu: Schienenpersonennahverkehr - Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr), darunter auch das sogenannte 1.000er-Kriterium, erstellt der Freistaat stets eine Potentialprognose, wie beispielsweise in der Oberpfalz für die Strecke Maxhütte – Haidhof – Burglengenfeld. Dort konnten die 1.000 Pkm/km-Streckenlänge erreicht werden; der Reaktivierungsprozess ist derzeit im Gange. Für die von Ihnen genannten Orte liegen uns derzeit keine entsprechenden Gremienbeschlüsse der Regionen vor.
Das 1.000er-Kriterium wurde ferner nicht vom Freistaat Bayern entwickelt. Es handelt sich dabei um einen unbürokratischen Indikator des Bundes, durch den die Wirtschaftlichkeit eines Bahnstreckenausbaus im Nahverkehr und die Verhältnismäßigkeit des Einsatzes öffentlicher Gelder belegt wird.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Christian Bernreiter

