Wird geprüft, wie Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft zur schnellen Skalierung moderner Verteidigungssysteme im Ernstfall beitragen können?
Hallo Frau Lugk,
der Ukrainekrieg zeigt eindrücklich, wie stark moderne Kriegsführung von schnellen, kostengünstigen und skalierbaren Systemen geprägt ist. Neben westlicher Unterstützung war insbesondere der Innovationsgeist der ukrainischen Zivilgesellschaft entscheidend: Aus der Makerszene entstanden in kurzer Zeit funktionierende Drohnensysteme und Start-ups.
Ich sehe die Gefahr, dass unsere klassische Rüstungsproduktion mit dieser Entwicklung nicht Schritt hält – insbesondere bei der schnellen und kosteneffizienten Skalierung.
Daher meine Frage: Wäre es sinnvoll, unkritische Komponenten von Waffensystemen (ohne Sprengstoff und sensible Software) frühzeitig zu standardisieren und regulatorisch so vorzudenken, dass Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft im Ernstfall unter klar definierten Ausnahmeregelungen schnell und unbürokratisch Produktionskapazitäten aufbauen können?
Sehrt geehrter Herr B.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Engagement für eine schnellen Ausrüstung unserer Bundeswehr.
Die aktuelle Bedrohungslage schafft in der Tat eine Dringlichkeit, die eine schnelle Skalierung in der Produktion von Rüstungsgütern nötig macht. Der Manufakturbetrieb wie er in der Vergangenheit bei Panzern und anderem schweren Gerät stattgefunden hat, muss daher in einen Serienbetrieb umgestaltet werden. Bei Besuchen bei Rüstungsunternehmen konnte ich mir ein Bild von diesem Skalierungsprozesse machen und sehen, dass die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten ausweiten – das beginnt bei dem Erschließen neuer Lieferketten, geht über die Standardisierung und Automatisierung von Produktionsstraßen bis hin zur Einstellung und Ausbildung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
In Ihrer Nachricht gehen Sie insbesondere auf die Drohnenproduktion ein und verweisen in diesem Zusammenhang auf die wichtige Rolle der ukrainischen Zivilgesellschaft. Die große Resilienz der ukrainischen Gesellschaft ebenso wie die Fähigkeiten und Einsatzbereitschaft der dortigen Makerszene sind in der Tat beeindruckend.
Mit Blick auf die Produktion von Drohnen und Loitering Munition Systems (LMS) setzt Deutschland auch auf Start-ups, deren Systeme bereits im Verteidigungskampf der Ukraine zum Einsatz kommen. Dabei fließt das Feedback der ukrainischen Soldatinnen und Soldaten in die stetige Anpassung des Produktdesigns ein. Ein wichtiger Aspekt ist schon jetzt der Fokus auf einfache und damit kostengünstige und schnell zu produzierende Komponenten.
Die Bundeswehr setzt zudem auf einen neuen und unbürokratischen Beschaffungs-Ansatz für Loitering Munition. So wurden erst kürzlich mehrere Rahmenvereinbarungen mit verschiedenen Herstellern geschlossen. Nach einer ersten Bestellung können weitere Stückzahlen bestellt werden – wenn die Produkte festgelegte Qualifikationsnachweise und damit die Bedarfe der Streitkräfte erfüllen. So machen wir uns unabhängig von einzelnen Anbietern und ermöglichen zugleich, den Aufbau einer vielfältigen und resilienten Unternehmenslandschaft, die bei Bedarf ihre Produktion weiter skalieren kann.
Im Sinne Ihrer Frage wird also schon jetzt dafür gesorgt, dass Produktkapazitäten ausgebaut werden und die Beschaffung schnell und unbürokratisch vorangetrieben wird. So sorgen wir dafür, dass Fähigkeitslücken der Bundeswehr möglichst bald geschlossen werden und eine nachhaltige Belieferung sichergestellt ist.
Mit freundlichen Grüßen
Bettina Lugk

