Warum sprechen Sie bei Fußballthemen fast nur über Fan-Gewalt, aber kaum über problematische Polizeieinsätze?
Sehr geehrter Herr Rudolph,
ich verurteile Gewalt im Fußball klar. Was mich an Ihren Aussagen stört, ist aber die Einseitigkeit. Nach Vorfällen rund um Spiele werden schnell harte Maßnahmen gegen Fans, Kurven und Vereine gefordert. Diese Rhetorik hätte ich eher von der CDU als vom BSW erwartet.
Was dabei regelmäßig zu kurz kommt, sind problematische Polizeieinsätze und mögliche Polizeigewalt. Viele Fans haben den Eindruck, dass gegen Fans schnell ermittelt, sanktioniert und bestraft wird, während Fehlverhalten auf Polizeiseite deutlich seltener konsequent aufgearbeitet wird. Fehlende Kennzeichnungspflichten verschärfen dieses Problem zusätzlich.
Ich gehe seit über 20 Jahren zum Fußball. Aus meiner Sicht hat sich die Sicherheit in Stadien eher verbessert als verschlechtert. Wenn das nicht nur Ihre persönliche Haltung, sondern die Linie des BSW ist, werde ich Ihre Partei wohl nicht erneut wählen.
Lieber Herr M.,
haben Sie vielen Dank für Ihre Fragen und Ihr Statement.
Zunächst möchte ich festhalten, dass es in unserer Partei dazu durchaus unterschiedliche Auffassungen gibt und meine Stellungnahme auf meiner innenpolitischen Sicht basiert. Diese entspringt auch unserer Partei-Programmatik, nach der wir dafür einstehen, dass die Menschen in unserem Land in Sicherheit leben sollen. Dies gilt auch in Fußballstadien.
Aus meiner Sicht heraus stelle ich fest, dass es in den letzten Jahren keinesfalls zu einer signifikanten Entspannung der Sicherheitslage in deutschen Fußballstadien kam. Die Zahlen sprechen für sich: in jeder Saison der 1. bis 3. Liga vierstellige Zahlen an Verletzten, darunter nicht unerheblich viele Polizeibeamte. Dazu mehrere tausend Strafverfahren. Mag sein, dass sie subjektiv ein anderes Bild haben. Mag auch sein, dass wir im Vergleich zu den 2000-er Jahren oder davor heute eine wesentlich bessere Sicherheitslage haben, was nicht zuletzt den Fanprojekten und der Arbeit der Vereine zu danken ist. Das will ich ausdrücklich betonen. Staatlicherseits muss man aber trotzdem diese Gewalt im Blick behalten und weiter Maßnahmen zur Reduzierung einleiten. Da sind weiterhin in erster Linie die Vereine in der Pflicht. Schließlich sollen Sie auch noch in Zukunft sicher den Spielen folgen können.
Was die von Ihnen angeführte Polizeigewalt angeht, können Sie sich jederzeit an die unabhängige Beschwerdestelle wenden und Fehlverhalten melden. Selbstverständlich können Sie dies auch anzeigen. In Sachsen gibt es übrigens in geschlossenen Einheiten eine Kennzeichnungspflicht. Die Videoüberwachung in Stadien dürfte Befugnisüberschreitungen, die ich keinesfalls in Abrede stellen will, sichtbar und verfolgbar machen.
Uns eint die Auffassung, dass Gewalt in Stadien keinen Platz hat. Lassen Sie uns das als Auftrag an Vereine und Staat stehenlassen. Falls Sie weiter mit mir dazu diskutieren möchten, melden Sie sich bitte per Mail.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Rudolph

