Welchen Stellenwert haben für Volt Berlin Baukultur, historisches Stadtbild und Denkmalschutz – und warum finden sich zu Rekonstruktionen und diesen Themen kaum konkrete Positionen im Wahlprogramm?
Sehr geehrte Frau Auerbach,
für meine Wahlentscheidung sind neben Klima, Verkehrswende und Innovation auch Baukultur und Berlins historisches Stadtbild wichtig. Im Volt-Wahlprogramm finde ich dazu kaum Positionen. Mich interessieren daher besonders:
1. Befürwortet Volt die Rekonstruktion der historischen Fassaden von Schinkels Bauakademie?
2. Wie steht Volt am Molkenmarkt zu historischem Stadtgrundriss, einzelnen Rekonstruktionen und traditioneller Architektur?
3. Befürwortet Volt grundsätzlich Rekonstruktionen bedeutender verlorener Berliner Gebäude?
4. Sollte Berlin bei Neubauten stärker gestalterische Qualität, Fassadengliederung, Materialien, Kleinteiligkeit und Schönheit einfordern?
5. Welchen Stellenwert hat Denkmalschutz bei Konflikten mit Klimaschutz?
6. Sollen die historischen Berliner Gaslaternen erhalten werden?
7. Unterstützt Volt die Wiederherstellung historischer Brunnen, Plätze und anderer Stadtbildelemente?
Vielen Dank!
Danke für Ihre Fragen! 1. Ja. Bei einem Gebäude von herausragender architekturgeschichtlicher Bedeutung, wie der Bauakademie, halte ich die Rekonstruktion der historischen Schinkel-Fassaden für sinnvoll.
2. Den historischen Stadtgrundriss als Ausgangspunkt zu nutzen, ist ein sinnvoller Ansatz. Auch einzelne historische Rekonstruktionen können positiv zum Gesamtbild beitragen. Insgesamt sollte es aber nicht nur um die Entscheidung „historisch oder modern“ gehen, sondern darum, ob ein durchdachtes städtebauliches Konzept und ein lebendiger öffentlicher Raum entstehen.
3. Grundsätzlich ja – insbesondere bei bedeutenden oder identitätsstiftenden Gebäuden.
4. Ja, insbesondere bei wichtigen öffentlichen Grundstücken und prägenden Standorten. Unser Programm sieht bereits vor, öffentliche Grundstücke nach Konzeptqualität statt Höchstpreis zu vergeben.
5. Denkmalschutz hat einen wichtigen Stellenwert, die Abwägung muss im Einzelfall erfolgen. Auch unser Programm sieht beispielsweise vor, bei der Solaroffensive auf öffentlichen Gebäuden auch dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen.
6. Historische Leuchtentypen sollen grundsätzlich erhalten bleiben. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass sie dauerhaft mit Gas betrieben werden müssen. Wenn das historische Erscheinungsbild mit moderner Technik erhalten werden kann, ist das der sinnvollste Kompromiss.
7. Grundsätzlich ja, insbesondere wenn solche Elemente das historische Stadtbild prägen, Identität schaffen und gleichzeitig zu einem lebendigen öffentlichen Raum beitragen.

