Alexander Salomon
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Bündnis 90/Die Grünen
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Frage an Alexander Salomon von Uwe R. bezüglich Bildung und Erziehung

Wie sehen Sie die Fairness beim aktuellen Halb lockdown zwischen dem Schließen von pedagogisch wichtigen und bildungsrelevanten Musikschulen und deren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen UND der nahezu uneingeschränkten Arbeitswelt von hunderten anderen Berufen? Musikschulen haben keine nachweisliche Ansteckungsgefahr. Sie machen Einzeltermine mit dem Schüler und können diese jederzeit nachverfolgen da sie offiziell angemeldet sind! Die Räume sind gross und Hygiene Konzepte machen den Unterricht sehr sicher! Tausenden von Musikern wird die Existenz immer mehr entzogen durch eine willkürlich scheinende Schließung! Wir sind schockiert über soviel Ignoranz! Andere sehr viel körpernähere Jobs werden erlaubt! Wir haben auch Kinder und Familie und leben von dieser kulturellen Arbeit! Bitte um Stellungnahme.

Frage von Uwe R. am
Alexander Salomon
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 7 Stunden

Sehr geehrter Herr Reitenauer,

haben Sie recht herzlichen Dank für Ihre Anfrage zum Thema Öffnung der Musikschulen im Land. Der Kultur und auch unseren Musik-, Kunst und Jugendkunstschulen wird im Moment viel zugemutet und die Einrichtungen befinden sich, wie das ganze Land, nun seit einem Jahr im Ausnahmezustand. Besonders die zahlreichen Kündigungen der Unterrichtsstunden sind ein harter Schlag für die Musikschulen und ich hoffe, dass spätestens nach der Pandemie viele Schüler*innen wieder den Weg zurück in Ihre Musikschule finden. Diesen Weg werden wir auch mit unserem neu gegründeten Kompetenzzentrum Kulturelle Bildung von Seiten des grün-geführten Wissenschafts- und Kunstministeriums unterstützen. Darüber hinaus befinde ich mich als Vorsitzender des Arbeitskreises Wissenschaft, Forschung und Kunst der Grünen Landtagsfraktion derzeit im Austausch mit dem Landesmusikrat und dessen Initiative "Neustart Musikland Baden-Württemberg". Es ist uns ein großes Anliegen, dass die Musik in unserem Land eine gangbare Öffnungsstrategie unter den Pandemiebedingungen und zugleich eine Perspektive für die Zeit danach erhält, die hoffentlich alsbald kommen wird.

Der Rückgang der täglichen Todesfälle zeigt, dass die Anstrengungen der vergangenen Monate Früchte tragen. Gleichzeitig sehen wir, dass der Anteil der Virusvariante B.1.1.7 stark ansteigt und inzwischen bei über 50 Prozent liegt. Leider treibt die ansteckendere britische Virusvariante die Infektionszahlen auch bei uns in Baden- Württemberg, und auch in Karlsruhe, wieder nach oben. Aber auch die Folgeschäden des Lockdowns nehmen immer mehr zu. Einzelhandel, Veranstalter*innen, Kulturschaffende und viele andere sind an ihrer  Belastungsgrenze.

Vor diesem Hintergrund sind auch die aktuellen Umsetzungen des Öffnungsplans zu sehen. Es wird versucht Öffnungsschritte durchzuführen, die den Menschen in kleinem Maße Erleichterungen bringen, die aber nicht die öffentliche Gesundheit gefährden. Musik und Musikunterricht leben vor allem von der Präsenz und vom Präsenzunterricht. Vor allem für Jüngere ist es wichtig den richtigen Umgang mit einem Instrument durch konkretes Zeigen am Instrument zu erlernen. Dabei ist vor allem die Hörerziehung und Gehörbildung von großer Relevanz, die nur bedingt über Online-Formate abgebildet werden kann. Daher wurde im Zuge der Öffnungsschritte beschlossen, zunächst Schüler*innen bis 14 Jahren den Präsenzunterricht bei einem Inzidenzwert unter 50 wieder zu ermöglichen (vgl. § 20 Abs.3 Nr. 4 Corono-VO Baden-Württemberg). Bei älteren Schüler*innen, die häufig auch keine Anfänger*innen mehr sind, soll zunächst einmal der Onlineunterricht weitergeführt werden, um Kontakte zu minimieren. In manchen Bundesländern wurde der Präsenzmusikunterricht wieder erlaubt. In wiederum anderen Bundesländern wird jedoch weiterhin komplett auf Onlineunterricht gesetzt. Mit der Regelung in Baden-Württemberg gehenwir also einen Mittelweg. Dieser Mittelweg ergibt sich aus der Abwägung zwischen der Umsetzbarkeit des Onlineunterrichts und der Kontaktvermeidung. Wir hätten uns aber auch eine Fortführung der „Corona-Verordnung Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen“ vorstellen können. Dieser Weg wurde von Seiten des zuständigen Kultusministeriums allerdings nicht unterstützt und gefordert.

Sehr geehrter Herr Reitenauer, ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Ihnen bei diesem Vorgehen die Perspektive für einen „normaleren“ Betrieb auch mit den älteren Schüler*innen fehlt. Daher werde ich Ihr berechtigtes Anliegen, für Musikschulen weitere Perspektiven zu entwickeln und weitere potenzielle Öffnungsschritte zeitnah zu überprüfen, auch nochmal dem Kultusministerium spiegeln und um eine schnelle und zügige Abhilfe bitten.

Der Kulturbereich ist durch die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie leider besonders hart betroffen. Das liegt vor allem daran, dass Kultur oft einen Ort des Zusammentreffens und des Austauschs schafft, was leider in Zeiten einer Pandemie sehr problematisch ist. In dieser besonders schwierigen Zeit für die Kulturschaffenden versuchen wir von Landesseite auch besonders große Unterstützungen zu leisten, mit Soforthilfeprogrammen, Notprogrammen und Sonderprogrammen. Uns ist aber bewusst, dass all diese Unterstützungsmaßnahmen für viele Kulturschaffende nur ein kleines Trostpflaster sind. Gleichwohl würden wir uns auch von Seiten des Kultusministeriums mehr Unterstützung wünschen, damit die Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen nicht noch stärker in die Krise kommen. Meine Unterstützung darf ich Ihnen auf jeden Fall noch einmal mit Nachdruck versichern.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie alles Gute, viel Erfolg und vor allem Gesundheit.

Mit freundlichen Grüßen
Alexander Salomon MdL

 

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