Setzen Sie sich persönlich und Ihre Partei für die Einführung eines Wassercents in Hessen ein, damit auch bei uns Grundwasserentnahmen einen Preis bekommen?
Guten Tag Herr Bauer,
anbei meine Begründung
Hessen und Thüringen sind die letzten beiden Bundesländer ohne Wasserentnahmeentgelt: Zum 1. Juli 2026 hat auch Bayern als 14. von 16 Bundesländern einen Wassercent eingeführt. Angesichts sinkender Grundwasserspiegel in weiten Teilen Deutschlands halte ich diesen Sonderweg für nicht mehr zeitgemäß. Dass Bürger:innen in Trockenperioden zum Wassersparen aufgerufen werden oder sogar Gartenbewässerung einschränken müssen, finde ich grundsätzlich richtig. Was ich aber nicht nachvollziehen kann: Während ich meinen eigenen Garten nicht wässern darf, wird landwirtschaftlich oft sorglos tagsüber statt effizient in den kühlen, verdunstungsärmeren Morgenstunden per Zeitschaltuhr bewässert. Wie rechtfertigen Sie dieses Ungleichgewicht, und welchen Zeitplan verfolgt Ihre Partei?
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre Frage. Ihre Sorge um einen verantwortungsvollen Umgang mit unserem Grundwasser teile ich ausdrücklich.
Ich bin offen für eine Wiedereinführung eines Wassercents in Hessen. Für mich ist aber entscheidend, wie ein solches Instrument konkret ausgestaltet wird.
Hessen hat mit einer solchen Abgabe bereits Erfahrungen. Die 1992 eingeführte Grundwasserabgabe wurde zunächst reduziert und Ende 2002 vollständig abgeschafft. Ausschlaggebend waren damals insbesondere zusätzliche Belastungen für Bürger und Unternehmen, mögliche Wettbewerbsnachteile für wasserintensive Betriebe sowie Verwaltungs- und Erhebungskosten. Diese Erfahrungen müssen in eine heutige Neubewertung einfließen.
Gleichzeitig haben sich die wasserwirtschaftlichen Herausforderungen deutlich verändert. Gerade als Wahlkreisabgeordneter aus dem Hessischen Ried kenne ich die Konflikte um Grundwasserentnahmen sehr konkret. Unsere Region trägt seit Jahrzehnten erheblich zur Wasserversorgung des Rhein-Main-Gebiets bei.
Dabei erfolgt die Förderung nicht ungesteuert. Über Infiltrationsanlagen wird aufbereitetes Rheinwasser dem Grundwasser zugeführt, um die Grundwasserstände zu stabilisieren und die Folgen hoher Entnahmen auszugleichen. Wie sensibel dieses Gleichgewicht ist, zeigt gerade der Raum Bürstadt, wo Veränderungen des Grundwasserstandes in der Vergangenheit sowohl zu Vernässungen als auch zu Setzrissschäden geführt haben.
Zugleich steigt der Wasserbedarf in Frankfurt und im Frankfurter Umland. Damit wächst auch der Druck auf Fördergebiete wie den Jägersburger Wald. Für mich ist deshalb klar: Ein dauerhaft steigender Wasserbedarf in den Ballungsräumen kann nicht allein durch zusätzliche Entnahmen aus dem Hessischen Ried beantwortet werden. Wassersparen und intelligentes Wassermanagement müssen auch dort ansetzen, wo der Verbrauch entsteht.
Dazu gehören geringere Leitungsverluste, wassersparende Technologien sowie eine stärkere Nutzung von Regen-, Betriebs- und aufbereitetem Wasser.
Auch Ihren Hinweis auf die landwirtschaftliche Bewässerung nehme ich ernst. Wenn Bürgerinnen und Bürger in Trockenperioden ihren Verbrauch einschränken sollen, müssen vergleichbare Maßstäbe auch für andere große Wassernutzer gelten. Landwirtschaftliche Bewässerung ist für unsere regionale Lebensmittelproduktion vielfach notwendig, sollte aber möglichst effizient, verlustarm und zu geeigneten Tageszeiten erfolgen.
Ein Wassercent kann dabei durchaus ein sinnvoller Baustein sein. Er kann große Entnahmen stärker bepreisen, Sparanreize setzen und zusätzliche Mittel für Grundwasser- und Ressourcenschutz bereitstellen. Voraussetzung wäre für mich allerdings, dass die Einnahmen klar zweckgebunden werden, die Lenkungswirkung nachvollziehbar ist und Bürger, Kommunen, Landwirtschaft und mittelständische Betriebe nicht unverhältnismäßig belastet werden.
Ich bin deshalb offen für eine Wiedereinführung, wenn sie ökologisch wirksam, sozial ausgewogen und wirtschaftlich vertretbar ausgestaltet wird.
Mein Maßstab ist: Wer viel Wasser entnimmt, trägt besondere Verantwortung. Gleichzeitig brauchen wir für das Hessische Ried ein ausgewogenes Grundwassermanagement aus Förderung, Infiltration, Verbrauchsreduzierung und langfristiger Vorsorge.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Bauer, MdL

