Eine Reise nach Kanada. Auftritte gegen die EU. Fehlende Teilnahme an EU-Ausschusssitzungen. All das ist politisch umstritten, aber erlaubt. Den Finanzier dieser Reise zu verschweigen, ist es nicht.
Genau das hat die AfD-Europaabgeordnete Christine Anderson jedoch offenbar getan. Wie sich Anderson in der kanadischen Querdenker-Szene inszenierte, wer daran verdiente und wie sie damit die Transparenzpflichten verletzt, haben wir gemeinsam mit t-online recherchiert.
Außerdem in diesem Newsletter:
> Großspenden-Ticker
> Armut, Verteidigung, Asyl: Beschlüsse aus Straßburg
> Fragen & Antworten aus dem Baden-Württemberger Wahlkampf
“Querdenker”- Reisen nach Kanada

| © | Fotos: picture alliance / Panama Pictures | Dwi Anoraganingrum (links), Jeremy Appel (rechts) |
Auf Firmenkosten durch Kanada reisen, im 4-Sterne-Hotel nächtigen und vor Publikum gegen die EU, gegen Migration und die Rechte von trans Personen hetzen: Ob es für die AfD-Europaabgeordnete Christine Anderson eine Traumreise war, die sie im letzten Sommer durch Kanada unternahm, wissen wir nicht. Sicher ist jedoch, dass sie verschwieg, dass die Firma Trinity Productions aus der kanadischen „Querdenker“-Szene ihr diese Reise bezahlt hat.
CDU: Bereits zehn Großspenden in 2026
Politische Einflussnahme ist nicht nur durch die Finanzierung von Reisen, sondern auch durch Parteispenden möglich. Für das Jahr 2026 wurden bisher Spenden in Gesamthöhe von 1.083.388,30 Euro an die Bundestagsverwaltung gemeldet. Statistisch gesehen ging mehr als jede zweite Großspende an die CDU. Dazu zählt eine Spende in Höhe von 100.000 Euro von Carl Rudolf Thies Knauf. Die Familie Knauf gilt als eine der vermögendsten Deutschlands. Die Knauf-Gruppe produziert Gips- und Deckenplattensysteme für den Weltmarkt. Auch „Nius“-Finanzier Frank Gotthardt überwies der CDU Mitte Februar 50.000 Euro. Im vergangenen Jahr spendete er jeweils 100.000 Euro an die CDU und die FDP. Auch Die Linke und die CSU wurden von Großspendern im Februar mit jeweils 50.000 Euro bedacht.
Großspenden gefährden die Unabhängigkeit politischer Entscheidungen und öffnen ein Einfallstor für einseitigen Lobbyeinfluss durch Superreiche. Wir fordern deshalb: Unternehmensspenden an Parteien müssen verboten und Privatspenden gedeckelt werden. Zur Petition
Armut, Verteidigung, Asyl: Beschlüsse aus Straßburg
In der vergangenen Woche hat das Europäische Parlament über drei für die Zukunft der EU zentrale Themen abgestimmt:
Armutsbekämpfung
2024 waren rund 93,3 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, darunter etwa 20 Millionen Kinder. Armut, so das Parlament, verletzt die Menschenwürde. Bis spätestens 2035 soll Armut in der EU überwunden werden. Das Parlament hat einen Initiativbericht zur geplanten EU-Strategie der Kommission angenommen. Zur Abstimmung
Verteidigung
Angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und weiterer geopolitischer Spannungen hat sich das Parlament für eine stärkere europäische Verteidigungsfähigkeit ausgesprochen. Russland wird als größte Bedrohung eingestuft, China als strategischer Wettbewerber bezeichnet. Zur Abstimmung
Asyl
Das EU-Parlament hat neue Regelungen im EU-Asylrecht angenommen. Erstmals wird eine gemeinsame Liste sicherer Herkunftsländer eingeführt. Sie umfasst Bangladesch, Kolumbien, Ägypten, Indien, den Kosovo, Marokko und Tunesien. Asylanträge aus diesen Staaten sollen beschleunigt geprüft werden. Zur Abstimmung
Demokratie. Besser machen.
Verschwiegene Reisefinanziers, Großspenden an Parteien und namentliche Abstimmungen: Wir machen sichtbar, wer Einfluss nimmt und wie Entscheidungen getroffen werden. abgeordnetenwatch ist unabhängig und wird vollständig von Spenden finanziert. Ohne Konzern- oder Parteigelder, damit Lobbyinteressen keine Chance haben. Mit deiner Spende stärkst du transparente Kontrolle und eine lebendige Demokratie. Deine Spende ist steuerlich absetzbar.
Wahlkampf in Baden-Württemberg: Was sagen die Spitzenkandidatierenden
Noch zwei Wochen bis zur Landtagswahl in Baden-Württemberg. Folgende Fragen beschäftigen die Baden-Württemberger:innen aktuell:
Palantir-Vertrag: Verlängern oder beenden? | „Werden Sie 2030 verlängern oder beenden – und wie stellen Sie sicher, dass Ihre Ankündigung kein Wahlversprechen bleibt?“ will Herbert Z. mit Blick auf den bis März 2030 laufenden Palantir-Vertrag wissen. Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir stellt klar: „Es gibt keinen Grund, einen weiteren Vertrag mit Palantir abzuschließen. Ich werde sicherstellen, dass die nächste Software aus Europa kommt.” Vollständige Frage & Antwort lesen
Videoüberwachung: Stärkt sie das Sicherheitsgefühl? | Marvin H. fragt: „Inwieweit stimmen Sie der Aussage zu, dass Videoüberwachung im öffentlichen Raum das subjektive Sicherheitsgefühl nachhaltig stärkt?” CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (CDU) antwortet, dass Videoschutz an Kriminalitätsschwerpunkten, im ÖPNV und in Angsträumen sowohl die objektive Sicherheit als auch das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhe. Deshalb wolle die CDU mehr Videoüberwachung und Beleuchtung einsetzen. Vollständige Frage & Antwort lesen
Homöopathie und Heilpraktiker: Wie weiter nach der Wahl? | „Wie positionieren Sie sich zur künftigen Rolle von Homöopathie und Heilpraktikern und auf welcher wissenschaftlichen Grundlage?“ fragt Christian B. auf abgeordnetenwatch. Andreas Stoch, Spitzenkandidat der SPD betont, dass Homöopathie und Heilpraktikerleistungen weiterhin möglich sein sollen, Leistungen, die aus Beitragsmitteln finanziert würden, müssten jedoch “einem wissenschaftlich nachvollziehbaren Nutzenkriterium” genügen. Vollständige Frage & Antwort lesen
Wie die anderen Spitzenkandidierenden sowie alle Direktkandidierenden zu verschiedenen Themen stehen, erfährst du im kandidierendencheck sowie auf dem Frageportal zur Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Hast du Fragen an Abgeordnete im Bundestag, den Landtagen oder dem EU-Parlament? Hier geht es zur Fragemöglichkeit auf abgeordnetenwatch:
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