Bündnis C

Frage an Ute Lehmann von Znegvan Urynaq-Tenrs bezüglich Gesundheit

05. April 2019 - 13:01

Zur Psychiatrie im speziellen hätte ich eine Frage. Warum wird es Psychiatrie Erfahrenen und auch anderen Behinderten so bürokratische schwer gemacht Anträge zum Partizipationsfond zu stellen. Die bürokratischen Hürden sind zu hoch und die gsub die damit beauftragt wurde ist so starr in ihren Ausführungen und nicht barrierefrei. Es werden Anforderungen gestellt die dem Sinn des Partizipationsfond widersprechen. Wenn ich einen Profi im Vorfeld bezahlen muss das er meinen Antrag schreibt, der nirgends abgerechnet werden kann ist das nicht barrierefrei.
Warum glauben sie das es Menschen mit Behinderung immer wieder so schwer gemacht wird Anträge zu stellen? Warum gibt es an die Firmen die beauftragt werden, diese Dinge durchzuführen, keine Handlungsanweisung die die Menschen mit Behinderung unterstützt? Ich würde gerne für meinen Verband einen Antrag stellen und scheitere schon an der Antragslage. Wie kann das sein?
Viele Ideen und Grüße
Znegvan Urynaq-Tenrs

Frage von Znegvan Urynaq-Tenrs
Antwort von Ute Lehmann
05. April 2019 - 20:32
Zeit bis zur Antwort: 7 Stunden 31 Minuten

Liebe Znegvan Urynaq-Tenrs,

als erstes möchte ich Ihnen mitteilen dass ich selbst 80 GdB behindert bin- ich habe Epilepsie durch einen Hirnschaden von Neuroleptika die ich in der Psychiatrie bekam. Ich war damals vor fast 25 Jahren mit Zwillingen schwanger und eines der Kinder starb mitten in der Schwangerschaft und ich hatte dann monatelang ein totes und ein lebendes Kind getragen, und ich war extrem depressiv und wollte wieder lernen glücklich zu sein. Was Mollath und Wallraff über Psychiatrie sagen das stimmt.
Ich habe die gleiche Erfahrung gemacht wie Sie: alles wurde abgelehnt, mein Mann spart ein wenig Steuern. keine Haushaltshilfe, keine Kur, nichts bekam ich, auch 2012 nicht als ich einen Schlaganfall hatte.Ich bin auch an den Anträgen verzweifelt, habe mich im Internet schlau gemacht: und ich bekam nichts. Inzwischen sind die Anfälle besser. Nicht die Krankenheiten behinderten mich, sondern die Arbeitgeber die mich ablehnten, ich habe dreieinhalbtausend Bewerbungen geschrieben für alles mögliche und ich wurde abgelehnt weil ich überqualitfiert oder nicht geeignet sei, Dann musste ich im Jobcenter als Akademikerin irgendwelche sinnfreien Maßnahmen für Behinderte machen z.B. lernen wie ich eine Computer einschalte, Word starte, eine Geschäftsbrief mit drei Zeilen schreibe und ausdrucke Wenn ich in der Maßnahme fehlen täte würde man mit die Rechnung über die monatlichen Kosten von 5000 Euro selbst tragen. Der Systemadmin vom Rechenzentrum des Amtes riet mir Informatik zu studieren, weil wer studiert gilt als inklusiert und muss nicht mehr zu den Maßnahmen kommen da er nicht mehr als arbeitslos gilt. Doch, eine Arbeit in einer Grünen Behindertenwerkstatt wurde mir angeboten, Fütterungsversuche an Kühen. Ich sagte erst zu, dann aber wieder ab: Ich sollte 67 Cents Lohn die Stunde bekommen und dazu nach Sozialbuch sonstwie NICHTS. Weil mein ebenfalls behinderter Ehemann unterhält mich ja mit einem eher mageren Gehalt. Es gelang mir nicht einen MIndestlohn rauszuhandeln, nein 67 Cents. Da hätte ich ja fürs Arbeiten noch draufgezahlt!

Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht warum behinderte Menschen aussortiert werden (quasi noch vor der Geburt ). Vielleicht weil gesunde Angst haben dass ihnen das gleiche passiert wie uns? Das Wort "besonders" ist mir lieber als "behindert". Mit besonderen Sachen können Besondere Menschen das was gesunde auch können. Der Rollstuhlfahrer kann sich so fortbewegen anstatt zu laufen. Der Blinde "sieht" mit einer Smartphone App "Sieh du für mich".

Die UN findet auch dass Deutschland sind total blamiert hat und die EU engagiert sich auch :
https://blog.zeit.de/stufenlos/2015/04/20/un-ausschuss-inklusion-deutsc…
https://fra.europa.eu/de/theme/menschen-mit-behinderungen

Aber ich weiss, dass in D viele Behinderte im Stich gelassen werden.

Bündnis C will ein bedingtes Grundeinkommen das dann Behinderte (oder Besondere) wenigsten vor Armut schützt: https://www.seniorenbedarf.info/interview-karin-heepen-buendnis-c

Ich werde jedenfalls kein Blatt vor den Mund nehmen, ich werde die Menschenrechte auf für Menschen mit Behinderung fordern, ganz praktisch. Vor allem darf es nicht sein, dass erst Haus und Hof verkauft sein müssen, um dann vielleicht Hilfe zu bekommen. Auch was die Menschen betrifft die als "geistig behinderte" aussortiert werden so wie es oft mit Menschen mit Downsyndrom passiert ist alles der Hammer! Man könnte sich so richtig in Rage schreiben...

Danke,Frau Martina Heland-Graefhttps://www.barrierefrei.bayern.de/magazin/im-gespraech-blank-heland-gr… Ehrenamt muss auch belohnt werden! (Und ich war nur abgrundtief traurig und erschüttert damals durch diese Situation für Monate ein lebendes und ein totes Kind im Bauch zu haben . Auch nach der Geburt noch Trauer, ich wollte ja auch wieder aus der Trauer rauskommen. ...Ist eine solche Reaktion nicht "normal" ? In der "Klinik" kümmerte ich mich nicht um die Trauer sondern nur noch darum dort wieder rauszukommen. Und ich werde es nie vergessen dass mich Mitpatienten gerettet hatten als ich im Krankenhaus bewusstlos war und die Patienten mich an einen Tropf anschlossen so dass ich nicht verdurstete.

Klar ich werde für die Menschenrechte dieser Menschen kämpfen, denn Menschenrechte sind unveräußerlich. Das muss aufgedeckt werden was in D los ist!

Ich finde Sie im Internet und schreibe Ihnen liebe Frau Martine Heland
-Graef, ich bin aus Südhessen..

Ganz ganz liebe Grüße Ute Lehmann