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Frage an Thorsten Frei von Annette S. bezüglich Gesundheit

Bei der letzten Bundestagssitzung antworteten Sie auf die Frage einer Abgeordneten, dass es bei den gesetzlichen Anordnungen zur "Notbremse", aufgrund von festgestellten Inzidenzen, um die Summe aller Maßnahmen gehe, d.h. einzelne Anordnungen wie Ausgangssperren können von Ihnen nicht quantifiziert werden, welchen Einfluss sie auf den Infektionsverlauf haben.
Ich lebe für mehrere Monate im Jahr in Schweden und hier hat man die Menschen sehr umfangreich über das Virus aufgeklärt und was zu tun ist um eine Ansteckung zu vermeiden. Einen "Lock- oder Shutdown" gab es nie, ebenso Ausgangssperren, noch wurden Schulen, Einkaufsstätten oder Restaurants geschlossen. Es gab nie eine Spaltung in der Gesellschaft und Menschen wurden nicht wie in Deutschland als "Corona Leugner" diffamiert. Die Wirtschaft erlitt keinen Einbruch wie in Deutschland.
Ich habe mir für Deutschland die Corona Sterbefall Statistiken angeschaut und gesehen dass das Durchschnittsalter der "Corona Toten" bei über 82 Jahren liegt und ich erinnere mich an ein Interview mit einem Hamburger Pathologen, der sagte keinen Corona Toten obduziert zu haben, der nicht an erheblichen Vorerkrankungen litt. In Schweden liegt das durchschnittliche Todesalter der Corona Toten bei über 86 Jahren und die Regierung sagte zu wenig zum Schutz der älteren Bevölkerung getan zu haben. Dieses Eingeständnis ist sehr gut bei den Schweden angekommen.

Wird die Bundesregierung die Erfahrungen aus Schweden ebenfalls analysieren und ggfs. daraus Schlüsse ziehen eine andere Form der Kommunikation mit der Bevölkerung aufzunehmen? Weg von gesetzlichen Anordnungen zu eigenverantwortlichen Handeln?

Frage von Annette S. am
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Zeit bis zur Antwort: 1 Tag 3 Stunden

Sehr geehrte Frau Seliger,

vielen Dank für Ihre Mail, die ich mit großem Interesse gelesen habe. Wie Sie sich vorstellen können, haben mich in den letzten Wochen sehr viele Zuschriften zu den richtigen Maßnahmen in der Pandemie erreicht. Die Vorstellungen gingen insgesamt sehr weit auseinander. Dies vor allem deshalb, da es für diese Pandemie keine „Legaldefinition“ gibt. Besser gesagt: Diese Pandemie ist keine Maschine, bei der sich Ursache und Wirkung aufgrund der Veränderung einzelner Parameter ablesen lassen. Dafür ist das Geschehen zu vielschichtig, komplex, diffus. Das zeigt sich auch daran, dass selbst Fachleute aus ein und demselben Fachgebiet zu höchst unterschiedlichen Bewertungen kommen. Insofern ist es sehr schwierig, die genauen Auswirkungen beispielsweise von Ausgangssperren zu quantifizieren. Dort, wo diese zum Einsatz kamen, haben Sie einen nachweislich positiven Effekt. Vergleiche sind aber dennoch schwierig, da die jeweiligen Länder sehr unterschiedliche Gesellschaften, unterschiedliche Größen und Einwohnerdichten haben und in Summe einen unterschiedlichen Einschränkungsmix ergriffen haben. Natürlich gibt es viele berechtigte Hinweise von anerkannten Institutionen und Personen, die isoliert betrachtet alle auch ihre Berechtigung haben. In Summe ist es aber nicht so einfach. Dennoch legt die Bundesregierung selbstverständlich die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse den Entscheidungsprozessen zugrunde. Natürlich werden auch andere Länder als Benchmark herangezogen. Schweden galt ja sehr lange als Musterschüler

Dennoch zeigt uns ja auch der Blick in die Welt, dass es keine Ideallösung gibt, die man einfach kopieren könnte. Schließlich haben die meisten Länder der Welt mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen – sofern sie nicht von einer faktischen Insellage profitieren. Das zeigen auch die Einschränkungen dort. Uns hat gemeinsam mit der Bundesregierung immer das Ziel angetrieben, die Zahl der covid-bedingten Todesopfer so niedrig wie möglich zu halten. Und wenn ich mir die Todesraten je eine Millionen Einwohner anschaue, schneiden wir diesbezüglich deutlich besser als das von Ihnen angesprochene Schweden ab. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1111794/umfrage/todesfaelle-mit-coronavirus-covid-19-je-millionen-einwohner-in-ausgewaehlten-laendern/.

Umgekehrt ist Schweden 2020 mit einem geringeren Wirtschaftseinbruch ausgekommen. Insgesamt ist die Volkswirtschaftsstruktur in Deutschland und Schweden aber sehr unterschiedlich und die internationale Verflechtung dürfte bei uns deutlich höher sein, was sich gerade auch in globalen Krisen stärker auswirken dürfte. Vergleiche auch in diesem Bereich sind dennoch sehr schwierig, so dass ich mir nicht anmaße, hier ein abschließendes Urteil bilden zu können. Fest steht aber auch, dass wir 2020 einen geringeren BIP-Einbruch erlebten haben als der Durchschnitt in der EU und ganz besonders als Frankreich oder Großbritannien, die ich beide am ehesten mit Deutschland vergleichbar erachte.

Mit freundlichen Grüßen
Thorsten Frei

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