Wie rechtfertigt die FDP ihre Politik, wenn die Vermögensungleichheit wächst und viel zu viele Menschen trotz Arbeit kaum Vermögen aufbauen können?
Sehr geehrte Frau Hahn,
die FDP wirbt seit Jahren für Steuersenkungen, Deregulierung und den Schutz von Kapital und Vermögen. Gleichzeitig wächst die Vermögensungleichheit in Deutschland und Europa weiter, während viele Menschen trotz Vollzeitarbeit kaum Vermögen aufbauen können.
Mir ist bewusst, dass die FDP dies mit Wirtschaftswachstum, Eigenverantwortung und Chancengerechtigkeit begründet und darauf verweist, Wohlstand entstehe nicht durch Umverteilung. Nach Jahrzehnten entsprechender Politik stellt sich jedoch die Frage, warum sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet und die Vermögenskonzentration zunimmt.
Warum hält die FDP dennoch an ihrer wirtschafts- und steuerpolitischen Linie fest, obwohl diese nach Auffassung vieler Fachleute die Vermögenskonzentration eher begünstigt als begrenzt? Welche konkreten Belege sprechen für das Gegenteil?
Sehr geehrter Herr A.,
Vielen Dank für Ihre Frage.
Dass die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinandergeht, ist keinesfalls Konsens. Laut IW-Verteilungsreport 2025 beispielsweise, ist die Lohnungleichheit seit 20 Jahren nicht größer geworden, bei den Vermögen nimmt die Spreizung sogar ab.
Nichtsdestotrotz ist es in der Tat ein sehr großes Problem in Deutschland, dass Vermögensaufbau mit Arbeit so schwer möglich ist. Weder rechtfertigen, noch begrüßen wir als FDP diesen Fakt. Im Gegenteil, die FDP erkennt natürlich an, dass es in Deutschland noch immer zu schwer ist, unabhängig vom Elternhaus eigenes Vermögen aufzubauen. Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, setzt die FDP jedoch nicht auf Umverteilung. Nur weil andere weniger haben, bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass es anderen besser gehen muss.
Für die FDP ist gute Bildung der Schlüssel zu echter Chancengerechtigkeit. Wir brauchen Schulen, die modern, digital und auf das Leben vorbereitend sind. Dazu gehören für mich insbesondere eine bessere finanzielle Bildung, besser ausgebildete Lehrkräfte und insgesamt lernfreundlichere Rahmenbedingungen an unseren Schulen.
Außerdem möchte die FDP langfristig die negative Einkommensteuer etablieren. Arbeit soll sich immer mehr lohnen als Nicht-Arbeiten. Dabei möchte ich nicht behaupten, dass es in Deutschland für alle Menschen gleich leicht ist, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Ich bin aber überzeugt, dass wir die Startbedingungen so gestalten müssen, dass jeder Mensch, zumindest in den Bereichen, in denen Politik Einfluss nehmen kann, möglichst die gleichen Chancen erhält.
Ganz besonders wichtig, ist dass wir Vermögensaufbau nicht durch zu hohe Belastung von Einkommen verhindern. Eine signifikante Senkung von Steuern und Abgaben ist daher unbedingt notwendig. Hinzu müssen Hürden für den vermögensaufbau abgebaut werden. Dazu zählt die Abschaffung der Grunderwerbssteuer für die erste Immobilie genauso wie die Wiedereinführung der Spekulationsfrist für Aktiengeschäfte.
Nur wenn der Staat nicht ständig beim Vermögensaufbau abschöpft, kann es auch mit kleineren Einkommen gelingen, langfristigen Wohlstand für sich und seine Familie aufzubauen - etwa durch ETF-Sparpläne oder Immobilienerwerb. So kann die Schere zwischen Arm und Reich tatsächlich geschlossen werden und wir alle werden wohlhabender, ohne anderen etwas wegzunehmen.
Chancengerechtigkeit bedeutet für mich, dass Herkunft und Elternhaus möglichst wenig darüber entscheiden, welche Möglichkeiten jemand im Leben hat.
Wenn Sie unsere Forderungen für mehr privaten Vermögensaufbau teilen, freue ich mich über Ihre Unterstützung.
Mit freundlichen Grüßen, Ihre
Svenja Hahn

