Im Koalitionsvertrag beschloss Ihre Partei zusammen mit der CDU/ CSU Maßnahmen für eine bessere Psychotherapeutische Versorgung. Jetzt sparen Sie genau dort, wie geht das für Sie zusammen?
Sehr geehrte Frau Eichwede,
ich habe nie gedacht einmal psychisch schwer krank werde, doch mit einer Tat (Vergewaltigung) war nichts mehr wie vorher.
Ich studiere Medizin und wurde gleichzeitig Patientin, eine PTBS war Folge. Über ein Jahr wartete ich am Anfang auf einen Psychotherapieplatz, doch damit hatte das Warten kein Ende. Wissen Sie das die Wartezeiten auf einen Klinikplatz auf einer Traumastation bei ca. 14-18/24 Monate liegen? Das ambulant deutlich längere Wartezeiten bei Traumatherapeuten hat als normaler Psychotherapie? Die Stundenkontigente kaum reichen? Meine Prognose ist sehr gut, mit Glück kann ich nach der Therapie ein normales Leben führen. Doch diese geht z.Z. nicht weiter, einen neuen ambulanten Platz finde ich zur Zeit nicht, ein teurer Klinikaufenthalt wäre eine Option, mit Ihrer aktuellen Politik verschlechtert sich dies weiter. Die Folgen sind bei mir das es um meine Erwerbstätigkeit geht, in einen Beruf mit Fachkräftemangel. Wie kann sich das D. leisten?
Sehr geehrte Frau H.,
vielen Dank für Ihre Frage und, dass Sie Ihre Situation hier teilen. Ich wünsche Ihnen persönlich gute Besserung!
Mir ist die von Ihnen beschriebene Situation bewusst. Genau aus diesem Grund haben wir uns auch im Koalitionsvertrag darauf geeinigt die psychotherapeutische Versorgung mittels diverser Maßnahmen in der Fläche zu stärken. Bereits im Jahr 2020 haben wir die Zuschläge für Kurzzeittherapien in der ambulanten Psychotherapie eingeführt. Ziel war es, die Wartezeiten auf einen Therapiebeginn zu verkürzen.
Aktuell stellt sich die Situation wie folgt dar: Die Finanzkommission empfiehlt, die Zuschläge für Kurzzeittherapien zu streichen, weil sie keinen messbaren Effekt auf die Versorgung psychisch Erkrankter haben. Das beschlossene GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz der Bundesregierung folgt dieser Empfehlung.
Uns ist bewusst, dass die Situation angespannt ist. Daher enthält das Gesetz auch bürokratische Entlastungen, die eine Überweisung von Patientinnen und Patienten an Psychotherapeutinnen und -therapeuten einfacher machen.
Die SPD-Fraktion hat bereits angekündigt, dass im September ein Entschließungsantrag folgen soll, der die Versorgungskontinuität in der Psychotherapie sicherstellen soll.
Mit freundlichen Grüßen
Sonja Eichwede

