Warum lehnen Sie es ab, Flüchtlinge weiterhin in Sammeltunterkünfte unterzubringen?
Sehr geehrte Frau Hagmann,
Sie lehnen es ab, dass Flüchtlinge weiterhin in Sammelunterkünfte untergebracht werden sollen. Ich finde die Situation in den Unterkünften auch nicht ideal, doch wo sollen wir so viele Wohnungen herzaubern, die es gar nicht gibt? Allein im Landkreis Lörrach fehlen ca. 5000 Wohnungen! Viele Menschen suchen seit zig Jahren eine bezahlbare Mietwohnung! Wenn jetzt auch noch die Menschen aus Sammelunterkünften in normalen Wohnungen untergebracht werden sollen, wie stellen Sie sich das vor? Zudem könnte es zu "Sozialneid" kommen. Danke für Ihre Stellungnahme.
Sehr geehrte Frau K.,
vielen Dank für Ihre Frage und die offenen Worte.
Sie sprechen ein reales Problem an: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum betrifft viele Menschen, Einheimische ebenso wie Geflüchtete. Gerade im Landkreis Lörrach ist die Lage besonders angespannt. Deshalb ist es wichtig, die Diskussion nicht als „Geflüchtete gegen Einheimische“ zu führen, sondern als gemeinsame Herausforderung.
Die Ablehnung dauerhafter Sammelunterkünfte bedeutet nicht, die Realität zu ignorieren. Kurzfristig und in akuten Situationen können sie notwendig sein. Problematisch wird es jedoch, wenn Menschen über Jahre dort leben müssen. Große Gemeinschaftsunterkünfte erschweren die Integration und führen langfristig häufig zu höheren sozialen Kosten, etwa durch schlechtere Bildungs-, Arbeits- und Gesundheitschancen.
Wir verfolgen einen breiten Ansatz mit mehreren Hebeln, um bezahlbaren Wohnraum für alle Wohnungssuchenden zu sichern.
Wir stärken den sozialen Wohnungsbau als Rückgrat bezahlbaren Wohnens für langfristig bezahlbare Wohnungen, statt nur kurzfristig Hilfsmaßnahmen.
Wir fördern Umbau, Aufstockung und Umnutzung leerstehender Gebäude, um schneller neuen Wohnraum zu schaffen als durch Neubau allein wäre.
Wir machen Kommunen handlungsfähig, etwa durch kommunale Wohnungsbaugesellschaften, Bodenfonds und Vorkaufsrechte. So können sie aktiv Wohnraum schaffen, statt dem Markt nur zuzuschauen.
Wir setzen uns für eine faire Mietenpolitik ein: Mietpreisbremsen, Mietspiegel und Maßnahmen gegen Zweckentfremdung sorgen dafür, dass vorhandener Wohnraum bezahlbar bleibt und nicht dem Markt entzogen wird.
Wir wollen Bau-, Umbau- und Modernisierungsvorschriften vereinfachen, damit Wohnungen schneller und kostengünstiger entstehen.
Kurz gesagt: Wir wollen die Unterbringung von Geflüchteten menschlich, integrationsfördernd und langfristig tragfähig gestalten. Gleichzeitig nutzen wir alle Hebel, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern – im Interesse aller, die eine Wohnung brauchen.
Mit freundlichen Grüßen
Sarah Hagmann


