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Sarah Hagmann
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Frage von Sigrid M. •

Halten Sie es für sinnvoll, Gebühren für den gelben Sack einzuführen und so den Müll zu vermeiden?

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Sehr geehrte Frau M.

die Idee, Gebühren für den Gelben Sack einzuführen, wird immer wieder diskutiert, weil sie auf den ersten Blick als Anreiz zur Müllvermeidung erscheinen kann. Tatsächlich ist das System der Verpackungsentsorgung in Deutschland jedoch bewusst anders aufgebaut: Die Kosten für Sammlung und Recycling zahlen Hersteller über Lizenzgebühren, was die Verbraucherinnen und Verbraucher über den Produktpreis indirekt bezahlen. Gebühren für den Gelben Sack einzuführen würde bedeuten, die Verbraucher doppelt zahlen zu lassen.

Eine zusätzliche Gebühr für Bürgerinnen und Bürger würde außerdem nicht zwingend zu weniger Verpackungsmüll führen. Vielmehr besteht die Gefahr, dass Wertstoffe falsch entsorgt werden, etwa im Restmüll oder in der Natur, um Kosten zu vermeiden. Das würde das Recycling erschweren und ökologische Ziele konterkarieren.

Sinnvoller erscheint es aus meiner Sicht, an anderen Stellschrauben anzusetzen, wie der Verpackungsvermeidung, etwa über Mehrwegsysteme.

Beispielsweise gibt es in Freiburg seit dem 1.1.2026 eine Verpackungssteuer. Dafür hat sich die Gemeinderatsfraktion der Grünen eingesetzt. Die Verpackungssteuer macht Einweg teurer und Mehrweg attraktiver. Dadurch kann sie die Müllmenge reduzieren und die Mehrwegquote erhöhen. In Tübingen, wo eine ähnliche Steuer schon länger existiert, sieht man hier erste Erfolge: Während bundesweit die Mehrwegquote im To-Go-Bereich unter 5% liegt, liegt sie in Tübingen mittlerweile nahe 50%. Das Geld geht direkt an die Stadt – anders als die meisten anderen Steuern. Mit diesem Geld kann zum Beispiel der Service der Stadtreinigung weiter ausgebaut werden. Außerdem können Förderprogramme zur Umstellung auf Mehrwegangebote für die Händler und Gastronomen oder andere Umwelt- und Klimaschutzmaßnahmen bezahlt werden.

Zusammenfassend halte ich eine Gebühr auf den Gelben Sack daher nicht für das wirksamste Instrument zur Müllvermeidung. Effektiver sind Maßnahmen, die Verpackungen bereits bei Herstellung und Vertrieb reduzieren und nachhaltige Alternativen stärken.

Mit freundlichen Grüßen

Sarah Hagmann

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