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Frage von Stefan M. •

Frage an Patrick Schiffer von Stefan M. bezüglich Soziale Sicherung

Sehr geehrter Herr Schiffer,

ich wohne nun seit fast 3 Jahren im Düsseldorfer Süden - in Holthausen - und bin jeden Tag aufs neue ernüchtert über die Situation rund um den Holthausener Marktplatz / ÖPNV Station. Hier lungern täglich vom frühen Morgen bis in den späten Abend eine große Gruppe aus der Drogenszene rum. Sie trinken und konsumieren Drogen in aller Öffentlichkeit. Es wird gedealt, es gibt regelmäßig Schlägerein. Nun ist allen Bekannt das es dieses Problem gibt - resultieren tut es aus der Tatsache heraus, das es auf der Itterstraße (direkt an einer Schule) eine Ärztin gibt, die die komplette Gruppe betreut und täglich Methadon verabreicht. Grundsätzlich gehören auch diese Menschen zur Gesellschaft, nachvollziehen kann ich aber nicht, warum so ein Großteil dieser Szene in Holthausen zentralisiert wird. Es ärgert mich, dass hier morgens Kinder die zur Schule gehen nach Geld angebettelt werden. Ich sehe täglich auf dem Weg Zur Arbeit, dass Eltern Ihre Kinder morgens bis auf den Schulhof bringen damit eine gewisse Sicherheit gewährleistet ist. Es muss doch möglich sein diese Situation im Sinne der Holthausener Nachbarschaft zu entschärfen. Ich würde mich freuen, wenn Sie diesbezüglich Stellung nehmen würden.

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Antwort von PIRATEN

Sehr geehrter Herr Müler,

Ich gebe Ihnen Recht, dass diese Situation insbesondere für ansässige Kinder und ihre Eltern untragbar ist. Ich habe selbst Kinder und würde mich ebenso wie Sie darüber ärgern.

Nun zu dem Versuch der Analyse: Eine Gemeinsamkeit dieser Menschen ist, daß sie keinen Aufenthaltsraum haben und ihre Sucht sie aufgrund der dort ansässigen Ärztin zusammenbringt. Sie müssen sich treffen, es ist eine soziale Grundhaltung, sich zu treffen, das tun wir alle. Also müssen sie sich öffentlich treffen.

Hier fehlt ein niedrigschwelliges Angebot! Ein Angebot, das auch im Winter, zu Weihnachten oder an Wochenenden bereitsteht. Denn natürlich sind sie dann auch da, man kann ihnen zu dieser Zeit doch nicht nur eine Antwort auf einem Anrufbeantworter anbieten und eine postalische Adresse zum Empfang des Methadons haben sie auch nicht.

Hier wäre ein städtisches Konzept attraktiv, welches sagt: "Wir lassen in unseren betreuten Räumen einen Aufenthalt so und in der Zeit zu, wie er von der betreffenden Klientel gewünscht wird." Es stellt sich in Düsseldorf und auch in allen anderen Grossstädten in der Tat die Frage: Müssen wir "Druckräume" haben? Räume, in denen die Hartdrogenabhängigen die Mittel zum Desinfizieren etc. und die Ruhe haben, die sie nach einem "Schuß" brauchen. Denn dann erleben sie alle Sinneseindrücke verstärkt, ein leises Geräusch kommt ihnen wie eine Explosion vor. Es ist am besten, wenn sie dann von der Umgebung abgeschirmt sind. Es muß die Frage beantwortet werden: Wo sollen sie hin?

Also, ERSTENS inventarisieren wir das bestehende Angebot, ZWEITENS beschreiben wir, was ein niedrigschwelliges Angebot ausmachen würde, DRITTENS fragen wir, was die Stadt tun müßte und wie sie ihre Mittel am besten einsetzen könnte.

Ein Projekt in Düsseldorf ist das Drogenhilfe Zentrum in der Erkratherstraße 18 in Stadtmitte. Ich denke, es wäre ratsam, die dort vorhandene Erfahrung auch in andere Stadtteile wie Holthausen mit dieser Problematik zu bringen, und die dortigen Behörden damit zu konfrontieren.

http://www.drogenhilfe.eu/deutsch/angebote/dienstleistungen/konsum_d.html

Klar ist, daß es Defizite im niedrigschwelligen Versorgungsangebot für die Hartdrogenabhängigen, Alkoholabhängigen und die übrige Szene gibt. Diese Gruppe ist heterogen, entsprechend flexibel muß das Angebot sein. Man denke nur an die Substituierten, welche ein anderes Betreuungsangebot als die Hartdrogenkonsumenten brauchen. Ein Bündel von Maßnahmen ist notwendig, den EINEN Weg gibt es nicht. Die Stadt muss hier politisch entscheiden, was zu bezahlen ist und was getan wird.

Bezogen auf die aktuelle Vertreibungspolitik heißt das, daß Drogenpolitik neben der Repression immer auch ein Hilfsangebot beinhalten muß. Jedes Land wird immer einen Teil von Menschen haben, der auffällig ist. Doch wenn sich ein Mensch nicht organisieren und integrieren kann, heißt das nicht, daß er aussätzig ist!

Folgende Massnahmen schlage ich vor:

- - Erweiterung der Straßensozialarbeit,
- - Erweiterung des Betreuungs- und Beratungsangebots durch Selbsthilfe und professionelle Hilfe (Schaffung von geschlossenen und offenen Räumen),
- - Verkürzung der Wartezeiten,
- - Ausweitung der Massnahmen auf die ganze Stadt,
- - in der Öffentlichkeit ein Bewußtsein für die sichtbar gewordene Abhängigkeitsproblematik zu schaffen; die Menschen sollen HIN- und nicht wegsehen!
- - eine Redebereitschaft zwischen AnliegerInnen und Szene herzustellen und darüber gegenseitige Vorurteile abzubauen und BEIDE Interessenseiten verstehen und akzeptieren zu lernen,
- - eine Stigmatisierung der Szeneangehörigen zu verhindern bzw. abzubauen,
- - aufzuzeigen, daß das Drogenproblem keine Sommererscheinung, sondern ein dauerhaftes ernstzunehmendes Problem ist.

Vor diesem Hintergrund zunächst versuchen, gesellschaftlich und politisch relevante Kräfte anzusprechen und zu mobilisieren.

Ich würde gerne nach der Bundestagswahl das Gespräch mit Ihnen (nur falls gewünscht), der Ärztin und den zuständigen Behörden vor Ort suchen, um eine Lösung zu dieser Problematik zu thematisieren. Ich denke, hier sind alle Beteiligten gefordert, neue Wege zu gehen. Bitte kontaktieren Sie mich unter folgender Email-Adresse:
patrick.schiffer@piratenpartei-nrw.de

Wir werden sicher eine Lösung finden!

Mit freundlichen Grüssen,

Patrick Schiffer

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