Michael Fuchs
CDU

Frage an Michael Fuchs von Qe. Jbystnat Xöua bezüglich Wirtschaft

26. Juli 2009 - 11:39

Sehr geehrter Herr Dr. Fuchs,

am 23.07.09 fand sich im "Spiegel" folgender Artikel. - http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,637681,00.html .

Dabei geht es um Atomstrom in Deutschland, der bislang als besonders kostengünsrig für den Verbraucher angesehen wurde.
Das stimmt offensichtlich nicht mehr!

Lassen wir die Fragen nach C02-Freiheit und ungesichterte bzw. nicht vorhandene Endlager für den Atommüll einmal außen vor, so erscheint mir Atomstrom auch wirtschftlich nicht mehr sinnvoll, da lt. Spiegel der Ökostrom schon jetzt i.a. preisgünstiger angeboten wird. Das kann er nur, wenn auch genug davon vorhanden ist, sonst wäre er aufgrund der hohen Nachfrage nicht zu beziehen. Dabei ist sicherlich das enorme Wasserkraftpotential aus Norwegen mit eingerechnet.

Es böte sich nun an, dass alte AKWs, wie Krümmel, Phillipsburg und Emsland, die bis gestern nach Havarien vom Netz gehen mussten, ein für allemal abgeschaltet zu lassen, da der dort erzeugte Strom breits heute zu teuer ist, von weiteren möglichen Havarien, wie Trafobränden ganz zu schweigen. Zumindest diese drei AKWs sind für den Verbraucher wirtschaftlich wie ein Klotz am Bein.

Als Ersatz bietet sich großflächig Windkraft auf See und Fotovoltaik überall dezentral in Deutschland an; denn die Preise für die Module sind innerlanb von 18 Monaten um 50% gesunken, weiter fallende Tendenz. Nach auslaufen der EEG-Einspeisevergütung in 2014 rechne ich mit Spottpreisen für Module auf dem "Grabbeltisch" bei ALDI. Dann werden sich die meisten Haushalte größtenteils dezentral mit Strom versorgen können. Zur Speicherung wird es preiswerte Batterietechnologie geben.

Meine Frage an Sie: Halten Sie es nicht auch für das beste, wenn diese o.g. alten AKWs (Krümmel, Phillipsburg und Emsland) endgültig abgeschaltet blieben?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Wolfgang Köhn

Frage von Qe. Jbystnat Xöua
Antwort von Michael Fuchs
28. Juli 2009 - 12:40
Zeit bis zur Antwort: 2 Tage 1 Stunde

Sehr geehrter Herr Dr. Köhn,

vielen Dank Ihren Beitrag vom 25. Juli, den ich aufmerksam gelesen habe. Ihre Besorgnis über aktuelle Störfälle wie beispielsweise im Kraftwerk in Lingen/Emsland kann ich nachvollziehen. Der Betreiber des niedersächsischen Werks, RWE Power, teilte in der vergangenen Woche mit, dass eine Überwachungseinrichtung am Schalter eines Maschinentrafos das Kraftwerk vom Netz getrennt habe. Dadurch sei eine Reaktorschnellabschaltung ausgelöst worden. RWE Power hat daraufhin – gemäß den deutschen Meldekriterien – den Vorfall der Stufe 0 (keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung) der internationalen Störfallskala INES (internationale Skala zur Bewertung von Vorkommnissen) zugeordnet. Eine Gefährdung der Bevölkerung war mit dem Störfall zu keiner Zeit verbunden.

Es darf in der Diskussion über Kernenergie nicht der Eindruck entstehen, dass die Kraftwerksbetreiber aus Profitgier zulassen würden, dass die Technik nicht auf dem neusten Stand ist oder die Beschäftigen Fehler machen würden. Das Gegenteil ist der Fall. Alle Zwischenfälle in der letzten Zeit sind von Experten der Atomaufsicht letztendlich als völlig harmlos sowohl für die Bevölkerung als auch die Umwelt eingestuft worden. Grund dafür ist auch, dass das Thema Sicherheit bei deutschen Kernkraftwerken stets im Vordergrund steht und stehen muss. Die Sicherheitstechnik der deutschen Reaktoren entspricht im internationalen Vergleich den strengsten und höchsten Anforderungen. Um ein Kraftwerk überhaupt betreiben zu dürfen, müssen zahlreiche Auflagen erfüllt werden. Zudem müssen zahlreiche Kontrollen und Tests (auch während des Betriebs) erfolgreich bestanden werden, ehe ein Reaktor ans Netz angeschlossen und Strom produzieren darf. Selbst nach der Stilllegung eines Reaktors unterliegt der Kraftwerksabbau ständigen Sicherheitskontrollen. Die Kernkraftwerke sind hierzulande mit modernsten Sicherheitssystemen ausgestattet. Für den Fall, dass ein System ausfällt, gibt es mehrfache, voneinander getrennte Ersatz-Systeme, die die Sicherheit des Reaktors gewährleisten. Dazu trägt auch die druck- und gasdichte Stahl- und Betonhülle, das so genannte „Containment“, bei, die auch im unwahrscheinlichsten Fall menschlichen oder technischen Versagens den Austritt radioaktiver Stoffe verhindert. Eine Katastrophe wie in Tschernobyl ist in Deutschland daher unmöglich.

Dennoch müssen die momentanen Störfälle in den kommenden Wochen behoben und genauestens analysiert werden. Durch die daraus gewonnenen Erfahrungen wird es den Betreibern möglich sein, beispielsweise bei Kraftwerken gleicher Bauart, die bestehende Technik weiter zu verbessern und weitere Störfälle zu vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Michael Fuchs MdB