Wie bewertet die AfD die US-Interessen in Grönland?
Sehr geehrter Herr Kaufmann,
die Bundesregierung betont regelmäßig die Einhaltung der staatlichen Souveränität als zentrale Leitlinie ihrer Außenpolitik. Aktuell berichten Medien über US-Sicherheitsansprüche gegenüber Grönland, die eine stärkere Kontrolle der Insel vorsehen (Quelle: https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-07/68945300-us-beamter-uebernahme-von-groenland-derzeit-einzige-loesung-016).
Wie bewertet Ihre Fraktion diese US-Sicherheitsansprüche im Vergleich zu anderen Fällen, in denen die Bundesregierung Verstöße gegen die Souveränität von Staaten moniert? Halten Sie das derzeitige Agieren der Bundesregierung in dieser Frage für konsistent mit ihrem völkerrechtlichen Anspruch, oder sehen Sie hier eine Ungleichbehandlung der betroffenen Akteure? Erwartet Ihre Fraktion eine explizite Stellungnahme der Bundesregierung zu diesem Vorstoß?
Sehr geehrter Herr M.,
Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich gerne beantworte.
Grönland ist zunehmend zu einem Schauplatz geopolitischer und geoökonomischer Rivalitäten zwischen den Welt- und Großmächten USA, China und Russland geworden. Die Gründe hierfür liegen insbesondere in den strategisch bedeutsamen Schifffahrtsrouten, den Rohstoffvorkommen – vor allem Seltenen Erden – sowie dem Zugang zum Atlantischen Ozean.
Die Zukunft Grönlands darf nicht durch militärische Machtpolitik bestimmt werden. Sie muss vielmehr auf internationalem Recht, multilateraler Zusammenarbeit und der Achtung der Rechte der angestammten Bevölkerung beruhen. Die staatliche Souveränität des Königreichs Dänemark sowie die Selbstverwaltungsrechte Grönlands sind uneingeschränkt zu achten. Jede Form einer gewaltsamen Veränderung des Status von Grönland lehnen wir entschieden ab.
Wir würden es begrüßen, wenn die Bundesregierung ihr diplomatisches Engagement in der Arktis verstärken und hierzu einen deutschen Beauftragten im Rang eines Botschafters ernennen würde. Deutschland sollte zudem darauf hinwirken, dass der Arktische Rat seine Handlungsfähigkeit wiedererlangt und künftig auch sicherheitspolitische Fragen im Dialog mit allen Mitgliedstaaten behandelt. Unser deutsches Interesse liegt in einer friedlichen Konfliktbeilegung, freien und sicheren Schifffahrtswegen sowie der langfristigen Sicherung von Rohstoffen für unsere Industrie.
Von der Bundesregierung erwarten wir, dass sie eine neue, integrierte Arktisstrategie entwickelt, die die Interessen Deutschlands – einschließlich energiepolitischer und wirtschaftlicher Aspekte – klar definiert, priorisiert und strategisch ausrichtet. Nach dem Vorbild der US-Regierung sollte die Bundesregierung zudem eine Untersuchung in Auftrag geben, die deutsche Interessen bei internationalen maritimen Zugängen zur Arktis berücksichtigt. Außerdem soll sie Möglichkeiten für den Schutz sowie die friedliche und nachhaltige Nutzung der arktischen Bodenschätze unter deutscher Beteiligung analysieren.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Malte Kaufmann MdB

