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Frage von Lukas K. •

Sie fordern kostenlose Kulturangebote für alle, aber wäre das nicht ein eingreifen des Staates in den freien Kulturbetrieb?

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Um die Frage ordentlich beantworten zu können und meine Perspektive als Kulturwissenschaftlerin zu verstehen möchte ich sie zunächst gerne umdrehen: Ist der Kulturbetrieb heute wirklich „frei“?

In der Realität ist Kultur stark vom Markt abhängig. Und der regelt, dass große Konzerne, Streamingplattformen und private Geldgeber maßgeblich darüber entscheiden, wer was produziert und was anschließend beworben und sichtbar wird. Wer sich das durch Profitinteressen kuratierte Angebot nicht leisten kann, ist faktisch ausgeschlossen. Das heißt der Zugang zu Kultur hängt oft vom Geldbeutel ab, nicht vom Interesse oder Talent.

Die Forderung nach kostenlosen oder stark vergünstigten Kulturangeboten versteht sich daher nicht als Eingriff in eine angeblich neutrale Freiheit, sondern als Ausgleich sozialer Ungleichheit. Kultur ist kein Luxusgut, sondern ähnlich wie Bildung, Bibliotheken oder öffentliche Parks Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge. Der Staat sollte Rahmenbedingungen schaffen, in denen alle Zugang haben, nicht nur zahlungskräftige Gruppen.

Wichtig dabei ist auch zu erwähnen, dass es nicht darum geht, Inhalte staatlich zu kontrollieren. Im Gegenteil ist mir die Autonomie von Kulturschaffenden extrem wichtig. Öffentliche Finanzierung kann sogar mehr Freiheit ermöglichen, weil Kunst dann nicht ausschließlich marktwirtschaftlichen Verwertungslogiken folgen muss und Kulturschaffende nicht darauf angewiesen sind, sich selbst auszubeuten.

Kurz gesagt: Kostenlose Kultur würde nicht mehr staatliche Bevormundung bedeuten, sondern mehr demokratische Teilhabe. Der Staat greift nicht ein, um Kunst zu steuern, sondern um sicherzustellen, dass sie allen unabhängig vom Einkommen offensteht.

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