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Katrin Schleenbecker
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Frage von Susanne I. •

Vergütung für PsychotherapeutInnen: Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?

Sehr geehrte Frau Schleenbecker,

ich bin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit einem vollen Versorgungssitz in Gießen. Am 12.03. wurde auf Betreiben des GKV-SV beschlossen das Honorar für PsychotherapeutInnen um 4,5% zu kürzen ab Quartal 2/2026. Ich empfinde die Kürzung wie ein Schlag ins Gesicht und erlebe erneut wenig Wertschätzung von der Politik und den Krankenkassen. Zudem verschlechtert sich dadurch die Versorgung der psychisch erkrankten Menschen. Ich möchte Sie gerne noch darauf hinweisen, dass wir als PsychotherapeutInnen sehr viel leisten und wir deutlich weniger verdienen als unsere fachärztlichen und hausärztlichen KollegInnen in der Regel aber sehr hohe Kosten haben und wir vor allem unsere langwierige Ausbildung selbst bezahlt und dabei von Kliniken ausgebeutet wurden. Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?

Mit freundlichen Grüßen S. I. .(Dipl-Psych.)

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau I.

vielen Dank für Ihr engagiertes Schreiben, in dem Sie die Honorarkürzungen für psychotherapeutische Leistungen zum 1. April 2026 kritisieren. Ich möchte Ihnen zunächst sagen: Wir GRÜNE teilen Ihre Kritik und Ihre Sorgen in vollem Umfang. Gesundheitspolitisch ist die Absenkung der psychotherapeutischen Leistungen im Hinblick auf die schon derzeit bestehenden Versorgungslücken höchst problematisch. 

Sie beschreiben eindrücklich, welche Folgen diese Entscheidung haben kann: für die Patient:innen, die noch länger auf Hilfe warten müssen, für die Therapeut:innen, die unter immer prekäreren Bedingungen arbeiten, und für die nächste Generation von Fachkräften, deren Ausbildung nun zusätzlich gefährdet ist. Dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich danken – denn Ihre Worte machen deutlich, was auf dem Spiel steht.

Nach Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses am 11.03.2026 soll die Vergütung für psychotherapeutische Leistungen ab dem 1. April um 4,5 Prozent sinken. Es ist völlig unverständlich, dass ausgerechnet Psychotherapeutinnen und -therapeuten zukünftig weniger für die Behandlung von GKV-Versicherten erhalten sollen. Psychotherapeutische Arbeit muss adäquat finanziert werden.

Grundsätzlich sind Honorarvereinbarungen eine Angelegenheit der Selbstverwaltung und es ist richtig, dass diese nicht politisch getroffen werden. Aus diesem Grund ist eine direkte politische Einflussnahme weder möglich noch sinnvoll. Dennoch äußere ich mich in dieser Angelegenheit auch dezidiert politisch mit Kritik an dieser Entscheidung.

In einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung stetig steigt, Wartezeiten für viele Patientinnen und Patienten unzumutbar lang sind und Praxen zugleich unter erheblichem wirtschaftlichem Druck stehen, ist eine pauschale Honorarkürzung ein absolut verheerendes Signal. Wenn Praxen wirtschaftlich unter Druck geraten und Fehlanreize zu Ungunsten von GKV-Versicherten entstehen, gefährdet das die psychotherapeutische Versorgung und verursacht hohe Folgekosten.

Wir brauchen nachhaltige Reformen und strukturelle Verbesserungen, um die bestehende Fehlsteuerung und die finanzielle Schieflage innerhalb des Gesundheitssystems zu lösen – keine pauschalen Kürzungen.

Durch vielfältige gesellschaftliche Krisen erleben wir derzeit einen Anstieg psychischer Belastungen, besonders unter Kindern und Jugendlichen. Das Hilfesystem wird der steigenden Nachfrage nach Unterstützungs- und Behandlungsbedarfen zunehmend nicht mehr gerecht und stößt schon heute an seine Kapazitätsgrenzen. Es ist nicht hinzunehmen, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf passende Hilfe warten müssen und die Suizidzahlen weiter steigen. Alle Menschen mit Hilfebedarf sollen im Bedarfsfall niedrigschwellige Zugänge zu passgenauen psychosozialen und therapeutischen Angeboten haben. Eine neue Bedarfsplanung, die endlich die Realität psychischer Erkrankungen abbildet, ist überfällig. Unser Ziel sind mehr Hilfen und weniger Stigma. 

Als GRÜNE Fraktion im Hessischen Landtag werden wir – ebenso wie unsere Kolleg:innen auf Bundesebene – weiterhin für die Schaffung angemessener finanzieller Rahmenbedingungen für (angehende) Psychotherapeutinnen und -therapeuten sowie für eine Verbesserung der Versorgung einstehen. Psychische Gesundheit darf nicht vom Versicherungsstatus abhängen. Sie muss Priorität haben – in der Gesundheitspolitik, aber auch in der Arbeitswelt, der Bildung und der Sozialpolitik. 

Mit freundlichen Grüßen

Katrin Schleenbecker

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