Wie stehen Sie zur Kürzung der Vergütung der ambulanten Psychotherapie?
Am 12.03. wurde auf Betreiben des GKV-SV beschlossen das Honorar für PsychotherapeutInnen um 4,5% zu kürzen ab Quartal 2/2026. Die Versorgung der psychisch erkrankten Menschen droht sich dadurch zuverschlechtern, da Praxen aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein könnten, sich aus der Versorgung von gesetzlich Versicherten zurück zu ziehen. Ambulante Psychotherapeuten unterstützen maßgeblich die gesamtgesellschaftliche Resilienz und arbeiten damit (Folge-)Kosten senkend. Studien zeigen, dass jeder in Psychotherapie investierte Euro erhebliche Folgekosten einspart. Eine Analyse der Techniker Krankenkasse beziffert die Kosten-Nutzen-Relation auf etwa 3,26 : 1 – jeder investierte Euro führt also im Durchschnitt zu Einsparungen von mehr als drei Euro durch geringere Krankengeldzahlungen, weniger stationäre Behandlungen und reduzierte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen. Wie stehen Sie dazu und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekomm
Sehr geehrte Frau S.,
vielen Dank für Ihre engagierte Anfrage und die fundierten Hinweise zur aktuellen Entwicklung bei der Vergütung der ambulanten Psychotherapie.
Die Entscheidung zur Absenkung der Honorare um 4,5 Prozent, die auf Initiative des GKV-Spitzenverband im Erweiterten Bewertungsausschuss getroffen wurde, hat verständlicherweise große Verunsicherung ausgelöst. Viele Ihrer angesprochenen Punkte sind aus fachlicher und gesundheitspolitischer Sicht absolut nachvollziehbar.
Es steht außer Frage, dass die ambulante Psychotherapie eine tragende Säule unserer Gesundheitsversorgung ist. Gerade in Zeiten steigender psychischer Belastungen kommt ihr eine wachsende Bedeutung zu. Auch die von Ihnen angesprochenen gesundheitsökonomischen Effekte, wie sie unter anderem von der Techniker Krankenkasse aufgezeigt wurden, verdeutlichen, dass Investitionen in psychotherapeutische Versorgung nicht nur individuell helfen, sondern auch gesamtgesellschaftlich sinnvoll sind.
Gleichzeitig ist die Honorarentwicklung eingebettet in die finanziellen Rahmenbedingungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Ausgaben in vielen Leistungsbereichen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, sodass die Selbstverwaltung vor der Herausforderung steht, eine Balance zwischen angemessener Vergütung und langfristiger Finanzierbarkeit zu finden.
Unabhängig davon nehme ich die Sorge sehr ernst, dass wirtschaftlicher Druck zu einer Verschlechterung der Versorgung führen könnte, etwa wenn sich Praxen aus der Behandlung gesetzlich Versicherter zurückziehen. Ein solches Szenario gilt es unbedingt zu vermeiden. Ziel muss es sein, die ambulante psychotherapeutische Versorgung flächendeckend, qualitätsgesichert und für alle zugänglich zu erhalten.
Aus meiner Sicht ist es daher wichtig, die Auswirkungen der beschlossenen Maßnahmen genau zu beobachten und bei Bedarf nachzusteuern. Ebenso sollten strukturelle Fragen, etwa zur Ausgestaltung von Vergütungssystemen oder zur Förderung besonders wirksamer Versorgungsformen, weiterhin offen diskutiert werden.
Ich danke Ihnen für Ihren Einsatz und Ihre wichtige Arbeit im Bereich der psychischen Gesundheit.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Katja Strauss-Köster

