Frage zur Kürzung der Honorare um 4,5% bei amb. Psychotherapeut*innen mit Verfahrensvielfalt?
Hallo sehr geehrte Frau Strauss-Köster, Ich bin angehender systemischer Psychotherapeut und frage mich, warum gerade jetzt eine Kürzung der Honorare im ambulanten Bereich durchgesetzt wird? Für die Verfahrensvielfalt in der ambulanten Versorgung wäre es doch gerade ratsam dieses Angebot zu stärken, zu versuchen mehr systemisch arbeitende Menschen, die ja vorrangig auch in Mehrpersonen-Settings tätig sein wollen (also mit der Familie, mit Kindern, mit Angehörigen oder Freunden), sodass viel schneller auch mehr Veränderung in größeren Bereichen passieren können. Ist es da nicht kontraproduktiv so ein politisches Zeichen zu setzen? Ganz zu schweige von der strukturellen Diskriminierung die ich darin verortet sehe in einem überaus weiblich dominierten Berufszweig die Sparschere anzusetzen, wo Maximaleinnahmen beschrieben werden, die faktisch ja kaum eine Psychotherapeutin einnehmen kann, weil dann keine Kinder nebenher großgezogen werden können etc.
Lieben Gruß!
Nuri Sait L.
Sehr geehrter Herr L.,
vielen Dank für Ihre ausführliche und engagierte Nachricht sowie für Ihre wichtigen Hinweise zur Situation in der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung.
Ich kann gut nachvollziehen, dass die angekündigten Anpassungen der Honorare bei vielen angehenden und bereits tätigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten auf große Sorge stoßen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Bedarfe im Bereich der psychischen Gesundheit ist es ein zentrales Anliegen, eine qualitativ hochwertige und zugleich vielfältige Versorgung langfristig zu sichern.
Die aktuellen Debatten stehen im Zusammenhang mit übergeordneten finanzpolitischen Rahmenbedingungen innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei geht es unter anderem darum, Ausgabenentwicklungen zu steuern und das System insgesamt stabil zu halten. Das ändert jedoch nichts daran, dass die Versorgung im Bereich der Psychotherapie weiterhin als besonders wichtig angesehen wird.
Ihr Hinweis auf die Bedeutung der Verfahrensvielfalt, insbesondere auch der systemischen Therapie, ist sehr berechtigt. Unterschiedliche therapeutische Ansätze leisten einen wichtigen Beitrag dazu, den individuellen Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten gerecht zu werden. Gerade Mehrpersonensettings, wie Sie sie beschreiben, können in vielen Fällen sehr wirksam sein und sollten daher auch künftig ihren Platz in der Versorgung behalten.
Auch den von Ihnen angesprochenen Aspekt der strukturellen Rahmenbedingungen nehme ich sehr ernst. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie faire Einkommensbedingungen sind wichtige Themen, die in politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden müssen. Ziel muss es sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine nachhaltige und attraktive Berufsausübung ermöglichen.
Ich danke Ihnen nochmals für Ihre differenzierte Darstellung und Ihren Einsatz für die Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Katja Strauss-Köster

