Wie stehen Sie zu der kommenden Handy Regelung in Rheinland-Pfalz an Schulen und zu unangekündigten Tests?
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage, die viele Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler in unserem Land bewegt.
Zur Handyregelung: Die Entscheidung unserer Bildungsministerin Ute Eiling-Hütig wird von mir persönlich und von der gesamten CDU-Landtagsfraktion getragen. Ab dem 2. Februar 2027 soll die private Nutzung von Smartphones und anderen digitalen Geräten für Schülerinnen und Schüler bis einschließlich Klasse 10 während der gesamten Schulzeit nicht mehr erlaubt sein, also auch in den Pausen und im Ganztag. Mitgebrachte Geräte bleiben ausgeschaltet und außer Sicht.
Viele Schulen in Rheinland-Pfalz haben bereits aus eigener Initiative Handyverbote eingeführt, etwa mit Handyfächern oder sogenannten Handygaragen, und damit gute Erfahrungen gemacht. Bisher hing es aber vom jeweiligen Schulstandort ab, welche Regeln gelten. Mit der neuen Regelung schaffen wir nun landesweit Einheitlichkeit und Klarheit, für Schülerinnen und Schüler, für Eltern und nicht zuletzt für die Lehrkräfte und Schulleitungen, die sich nicht mehr allein mit der Durchsetzung eigener Regeln behaupten müssen.
Es geht dabei nicht um ein Misstrauensvotum gegenüber jungen Menschen. Wir wollen sie vom Druck befreien, ständig online und erreichbar sein zu müssen. Aus meiner eigenen Zeit als Lehrerin weiß ich, wie wertvoll echte Begegnungen sind: das Gespräch auf dem Pausenhof, das Fußballspiel, das gemeinsame Lachen. Das ist gelebte soziale Teilhabe und sie fördert Konzentration und Freude am Lernen.
Wichtig ist mir: Die Regelung betrifft die private Nutzung, nicht die digitale Bildung. Digitale Geräte bleiben selbstverständlich Teil des Unterrichts und Medienkompetenz bleibt ein zentrales Bildungsziel. Die Einführung zum zweiten Halbjahr gibt den Schulen die nötige Zeit, sich gut vorzubereiten.
Zu unangekündigten Tests: Die Abschaffung durch die Vorgängerregierung bleibt vorerst bestehen. Wir setzen hier bewusst nicht auf einen Schnellschuss, sondern wollen die Prüfungskultur an unseren Schulen insgesamt sorgfältig und zügig überarbeiten.
Ich will offen sagen: In meiner eigenen Zeit als Lehrerin habe ich nie unangekündigte Tests geschrieben. Ich halte sie nicht für das Mittel der Wahl, um Schülerinnen und Schüler zu disziplinieren oder unter Druck zu setzen. Trotzdem halte ich es für falsch, sie pauschal zu verbieten. In manchen Fächern, etwa dort, wo Grundlagenwissen wie Vokabeln, Formeln oder Fachbegriffe kontinuierlich sitzen muss, können kurze, unangekündigte Lernstandskontrollen durchaus sinnvoll sein. Sie zeigen Lehrkräften und Schülern gleichermaßen, wo man wirklich steht, und belohnen regelmäßiges Lernen statt kurzfristigen Paukens.
Hinzu kommt eine neue Herausforderung: Durch Künstliche Intelligenz wird es für Lehrkräfte immer schwieriger zu erkennen, was Schülerinnen und Schüler tatsächlich selbst können und wissen. Kurze mündliche Abfragen oder spontane Überprüfungen im Unterricht können hier ein wichtiges Werkzeug sein.
Deshalb ist meine Haltung: Unangekündigte Tests sollten als mögliches Instrument wieder zur Verfügung stehen, und zwar in der Verantwortung der Lehrkräfte, die ihre Klassen am besten kennen. Ob und wie sie davon Gebrauch machen, sollen sie pädagogisch selbst entscheiden können. Diese Frage prüfen wir ernsthaft, im Austausch mit Lehrkräften, Eltern und Schülervertretungen.
Unser Leitbild lautet: Leistungsfreude statt Leistungsdruck. Schule soll fordern und fördern und Leistung soll wieder stärker im Mittelpunkt stehen, ohne Angst zu erzeugen.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Schuler

