Helmut Scholz
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Was halten Sie von Divers-Toiletten in Grundschulen?

Sehr geehrter Herr Scholz,

ich habe mir das Buch von Frau Wagenknecht 'die Selbstgerechten' durchgelesen und stimme ihr zu.

Was halten Sie von diesem Buch?

Grüße
Dirnaichner

Frage von Johannes D. am
Helmut Scholz
Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 2 Monate

Sehr geehrter Herr D.,
bisher habe ich das Buch meiner Genossin Sahra Wagenknecht nicht gelesen und kenne daher nur entsprechende Presseauszüge oder Kommentierungen. Deshalb werden Sie sicherlich verstehen, dass ich von Bewertungen Abstand nehme - zumal die Medien mit verschiedenen Sichten und Bemerkungen zu einzelnen Passagen - sehr gezielt im Vorfeld der Bundestagswahlen instrumentalisierend agierten. Und mehr generell - jeder Lesende zieht Schlüsse und bewertet Gelesenes entsprechend subjektiv.

Ihre Frage zu Divers-Toiletten in Grundschulen sehe ich folgendermaßen: die Einrichtung von solchen Toiletten kann durchaus angebracht sein. Alles steht und fällt mit dem Wohl des Kindes, darauf können wir uns sicher alle einigen. Die Wissenschaft ist sich weitgehend einig, dass Kinder bereits in der Vor-Pubertät eine Beziehung zum eigenen Körper haben, auch mit einer bewussten Wahrnehmung des Geschlechts verbunden. Sie kennen den Unterschied von Mann und Frau, ordnen zu, werden mit Rollenverständnissen konfrontiert. Das ist das Merkmal eines sozialen und m. E. hoffentlich auch ungezwungenen, unvoreingenommenen Umganges miteinander.

Es gibt aber auch Kinder, die sich in ihrem Körper nicht richtig fühlen, die sich dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen oder die sich gar nicht zuordnen können oder wollen. Ich kann nur erahnen, was dann in diesen kleinen Köpfen vorgeht, welche Fragen man sich stellt. Wenn es dann bei etwas so simplen wie der Wahl der Toilette ein Angebot zu divers gibt, halte ich das für keinen Weltuntergang. Die Wahl der Toilette sollte jede*r selbst entscheiden.

Natürlich ist es dabei wichtig, dass das Thema gerade in Schulen pädagogisch gut eingebettet ist, die Lehrkräfte/ Erzieher*innen gut damit umgehen. Und natürlich muss ein Zwangsouting von Kindern vermieden werden. Aber gerade, wenn ein Kind sich seines Geschlechtes nicht sicher ist, sich mit der Wahl nach männlich oder weiblich unwohl fühlt – warum wollen wir dies mit einem gesellschaftlichen Rollenverständnis erzwingen?

Ich finde, eine offene, tolerante Gesellschaft zeichnet sich nicht nur durch Worte aus, sondern auch durch Taten. Divers-Toiletten in Grundschulen können dazu ein Beitrag sein, ja.

Freundlich Grüße zu Ihnen

Helmut Scholz

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