Vergütung für PsychotherapeutInnen: Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?
Sehr geehrte Frau Reichinnek,
ich bin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin mit einem vollen Versorgungssitz in Gießen. Am 12.03. wurde auf Betreiben des GKV-SV beschlossen das Honorar für PsychotherapeutInnen um 4,5% zu kürzen ab Quartal 2/2026. Ich empfinde die Kürzung wie ein Schlag ins Gesicht und erlebe erneut wenig Wertschätzung von der Politik und den Krankenkassen. Zudem verschlechtert sich dadurch die Versorgung der psychisch erkrankten Menschen. Ich möchte Sie gerne noch darauf hinweisen, dass wir als PsychotherapeutInnen sehr viel leisten und wir deutlich weniger verdienen als unsere fachärztlichen und hausärztlichen KollegInnen in der Regel aber sehr hohe Kosten haben und wir vor allem unsere langwierige Ausbildung selbst bezahlt und dabei von Kliniken ausgebeutet wurden. Wie stehen Sie zu dem Beschluss vom 12.03. und unterstützen Sie uns PsychotherapeutInnen damit wir eine angemessene Vergütung bekommen?
Mit freundlichen Grüßen S. I. .(Dipl-Psych.)
Sehr geehrte Frau S. I.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und für Ihre wichtige Arbeit in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen.
Die Entscheidung des Bewertungsausschusses vom 12.03., die Vergütung für ambulante psychotherapeutische Leistungen ab April 2026 um 4,5 % zu senken, halte ich für falsch. Gerade in einer Situation, in der der Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung steigt und viele Menschen bereits lange auf einen Therapieplatz warten, setzt eine solche Kürzung ein völlig falsches Signal und schafft falsche Anreize, in Zukunft freie Termine noch stärker an Privatversicherte oder Selbstzahler:innen zu geben.
Als Linke setzen wir uns grundsätzlich für gute Arbeitsbedingungen und eine faire Entlohnung im Gesundheitswesen ein. Dazu gehört selbstverständlich auch eine angemessene Vergütung psychotherapeutischer Leistungen. Die Kritik aus der Fachpraxis an den geplanten Kürzungen kann ich daher sehr gut nachvollziehen und teile sie.
Wer ausgerechnet an der ambulanten Psychotherapie kürzt, handelt fachlich falsch, sozial blind und auch ökonomisch kurzsichtig. Aus unserer Sicht sollte die Entscheidung deshalb überprüft und zurückgenommen werden. Statt Kürzungen braucht es strukturelle Verbesserungen in der psychotherapeutischen Versorgung, damit Menschen unabhängig von ihrem Versicherungsstatus zeitnah die Hilfe bekommen, die sie benötigen.
Mit freundlichen Grüßen
Heidi Reichinnek

