Soll ambulante Psychotherapie erhalten bleiben, ohne Budgetierung und Honorarkürzungen?
Ich wende mich mit großer Sorge an Sie. Die ambulante psychotherapeutische Versorgung steht bereits jetzt unter erheblichem Druck. Viele Menschen warten monatelang auf einen Therapieplatz, Praxen arbeiten am Limit und psychische Erkrankungen nehmen weiter zu. Trotzdem wurde die Vergütung vieler psychotherapeutischer Leistungen zum 1. April 2026 um 4,5 �abgesenkt. Nun droht mit dem geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz der nächste massive Einschnitt: Psychotherapeutische Leistungen sollen nach den Empfehlungen der FinanzKommission Gesundheit wieder budgetiert werden. Zusätzlich wird die Streichung von Zuschlägen zur Kurzzeittherapie empfohlen. Das bedeutet: Psychotherapeutische Versorgung würde wieder einem gedeckelten Budget unterliegen. In der Praxis hieße das: Notwendige Behandlungen könnten nicht mehr verlässlich und vollständig vergütet werden — obwohl der Bedarf weiterhin besteht und Praxen weiterhin versorgen. Bitte stoppen Sie das! Freundliche Grüße, C. H.
Guten Tag C. H.,
vielen Dank für Ihre Nachricht und Ihr Engagement.
Die zum 1. April 2026 eingeführten Honorarkürzungen in der ambulanten Psychotherapie halten wir für einen gravierenden Fehler. Gerade in einer Situation, in der die Versorgung ohnehin stark angespannt ist, ist es aus unserer Sicht nicht vertretbar, ausgerechnet hier zu sparen.
Auch die Pläne, psychotherapeutische Leistungen künftig wieder zu budgetieren und zusätzliche Leistungen wie Zuschläge zur Kurzzeittherapie zu streichen, lehnen wir klar ab. Ich teile Ihre Einschätzung ausdrücklich: Einschnitte in diesem Bereich sind fachlich falsch, sozial ungerecht und auch ökonomisch kurzsichtig. Die Folgen tragen vor allem gesetzlich Versicherte – und sie verschärfen bestehende Ungleichheiten im Zugang zur Gesundheitsversorgung. Eine Budgetierung würde die Versorgung weiter verschlechtern und Wartezeiten zusätzlich verlängern.
Wir als Linke setzen uns daher klar für den Erhalt und Ausbau einer bedarfsgerechten, solidarisch finanzierten psychotherapeutischen Versorgung ein. Dazu gehört eine angemessene und verlässliche Vergütung ohne Budgetierung.
Auch meine Kollegin Evelyn Schötz, Sprecherin für Pflege und psychische Gesundheit unserer Fraktion, hat sich bereits deutlich gegen die Kürzungen positioniert und bringt das Thema parlamentarisch immer wieder ein – unter anderem durch Anfragen und im Austausch mit Fachverbänden.
Unser Ziel ist es, die Kürzungen zurückzunehmen und politischen Druck gegen weitere Einschnitte aufzubauen – im Parlament und gemeinsam mit Betroffenen, Verbänden und der Öffentlichkeit. Denn letztlich entscheiden politische Mehrheiten darüber, ob sich die Situation verbessert.
Vielen Dank nochmals für Ihre Nachricht.
Herzliche Grüße
Heidi Reichinnek

