Hans-Ulrich Pfaffmann
SPD
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Frage von Wbunaarf Fntzrvfgre an Hans-Ulrich Pfaffmann bezüglich Schulen

# Schulen 07. März. 2011 - 09:25

Ein Leben ohne Eltern

Meiner Meinung nach sind Ganztagsschulen nicht im Interesse der Gesellschaft, weil zu viele Argumente dagegen sprechen:

Ganz abgesehen von den hohen Kosten, die der Freistaat längerfristig nur schwerlich aufbringen kann, wird die persönliche Freiheit von den betroffenen Schülern, sowie die der Lehrer, erheblich begrenzt. Wenn wir Schüler täglich um 18 Uhr nach Hause kommen (der Heimweg ist hier noch nicht berücksichtigt) haben wir keine Zeit mehr, unseren Hobbys, unseren außerschulischen Freundschaften, oder unseren familiären Verpflichtungen nachzugehen. Nachdem wir den ganzen Tag in der Schule verbracht haben, kommen wir trotz Pausen erschöpft nach Hause, um uns dann für den nächsten Tag vorzubereiten.

Es haben allerdings nicht nur die Schüler weniger Freizeit, sondern auch deren Lehrer: sie führen ebenso ein Privatleben, mit Freunden, einem Partner, einer Familie und Kindern. Diesen könnten durch die Ganztagsschulen ebenso Nachteile entstehen. Auch derentwegen sollte man die Ganztagsschule vermeiden und qualitativ hochwertige Erziehung im bisherigen Rahmen gewährleisten.

Hinzu kommt: selbst wenn manche Eltern oberflächliche Vorteile aus einer ganztägigen Beaufsichtigung ihrer Kinder ziehen mögen, die individuelle Beziehung zu ihren Kindern wird dennoch beeinträchtigt, ihre erzieherische Hoheit untergraben. So verlernen sie langfristig den Umgang mit ihren eigenen Kindern und verlieren den Status als deren wichtigste Bezugsperson. Sie haben kaum noch die Möglichkeit, ihren Kindern selbst etwas beizubringen oder etwas mit ihnen zu unternehmen. Wenn man Nachwuchs bekommt, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man dadurch Verantwortung für eine bestmögliche Erziehung seiner Kinder übernimmt, um ihnen eine schönen Kindheit zu ermöglichen.

Ist dies umsetzbar, wenn Eltern ihre Sprösslinge kaum mehr zu Gesicht bekommen?

Klasse 10b
Johannes

Von: Wbunaarf Fntzrvfgre

Antwort von Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD) 16. März. 2011 - 06:59
Dauer bis zur Antwort: 1 Woche 1 Tag

Sehr geehrter Herr Sagmeister,

Ganztagsschulen sollen m.E. immer ein ANGEBOT sein für diejenigen, die das möchten und/oder auch brauchen, z.B. weil beide Eltern ganztägig berufstätig sind. Niemand soll zum Besuch einer Ganztagsschule gezwungen werden, sondern einfach nur die Wahl haben. Allerdings bin ich davon überzeugt - und viele anderen Länder zeigen das - dass die Ganztagsschule trotz der von Dir aufgelisteten Gegenargumente eine gute Schulform ist. Denn es gibt auch viele Vorteile:

Das Wissen in unserer globalen Welt, das den SchülerInnen vermittelt werden muss (z.B. Medientechnologie) nimmt exponentiell zu. In GT-Schulen kann der Unterricht sinnvoll auf den ganzen Tag verteilt, also entzerrt werden mit entsprechenden Erholungsphasen dazwischen. Das verbessert die Wissensvermittlung nachgewiesenermaßen.

"Richtige" Ganztagsschulen bieten Musik, Sport und andere "Hobbys" wie Computer, Theater-AGs, Bands, Sprachkurse usw. an. D.h. es können auch Schüler/innen teilnehmen, deren Eltern sich privaten Musikunterricht, Schauspielkurse etc. nicht leisten können.

Hausaufgabenbetreuung und bei Bedarf Nachhilfe müssen nicht zu Hause organisiert bzw. von den Eltern bezahlt werden (wenn sie das überhaupt können!), sondern das Lernen findet in der Schule statt mit Hilfe der LehreInnen.

LehrerInnen müssen deshalb nicht mehr arbeiten, sondern mehr Lehrer bekommen eine Stelle. Allein in diesem Jahr wurden mehrere Tausend frisch ausgebildete LehrerInnen in Bayern trotz Bestnoten nicht in den Schuldienst übernommen.

Viele SchülerInnen in "Halbtagsschulen" haben mehrmals in der Woche Nachmittagsunterricht! Aber leider keine sinnvollen Aufenthalts- und Beschäftigungsangebote in der Zwischenzeit. Kein bezahltes Mittagessen, keine Hausaufgabenbetreuung, keine "Hobby"-Kurse usw.

Wie gesagt, soll unserer Auffassung nach niemand in eine GT-Schule gezwungen werden, aber nicht alle Eltern haben die Zeit, die Muse oder auch die Fähigkeit, sich am Nachmittag intensiv mit ihren Kindern zu beschäftigen, sie beim Lernen/bei den Hausaufgaben zu unterstützen und/oder ihnen ein tolles Freizeitprogramm zu bezahlen. Für diese Familien ist das ANGEBOT einer GT-Schule ein echter und wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität.

Den erzieherischen Auftrag der Eltern und die Qualität und Intensität der Beziehung zwischen Eltern und Kindern sehe ich jedenfalls nicht beeinträchtigt, wenn SchülerInnen statt um 13.30 Uhr vielleicht um 17.00 Uhr heimkommen. Im Gegenteil: Wenn Schule und Hausaufgaben dann wirklich erledigt sind, trägt das erfahrungsgemäß häufig auch zum "Familienfrieden" und zu einer unbelasteten und entspannten Beziehung zwischen Eltern und Kindern bei. Qualität ist m.E. wichtiger als Quantität. Auch in Beziehungen.

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Ulrich Pfaffmann