Wie will die AfD verhindern, dass eine Lockerung der Schulpflicht zu stärkerer gesellschaftlicher Abschottung und damit zu weniger demokratischem Zusammenhalt führt?
Die allgemeine Schulpflicht wird von vielen Pädagogen und Sozialwissenschaftlern nicht nur als Bildungsinstrument, sondern auch als wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt angesehen. Sie sorgt dafür, dass Kinder unterschiedlicher sozialer, kultureller und religiöser Herkunft gemeinsame Erfahrungen machen und lernen, mit anderen Sichtweisen umzugehen.
Kritiker einer Lockerung der Schulpflicht befürchten dagegen, dass sich soziale und weltanschauliche Gruppen stärker voneinander abschotten könnten. Insbesondere Familien mit größeren finanziellen Möglichkeiten hätten deutlich mehr Optionen, eigene Bildungswege zu organisieren. Dadurch könnte die gesellschaftliche Durchmischung abnehmen und die Entstehung voneinander getrennter Bildungs- und Lebenswelten begünstigt werden.
Da die AfD häufig gesellschaftliche Spaltung und den Verlust des Zusammenhalts kritisiert, interessiert mich, wie sie verhindern will, dass eine Lockerung der Schulpflicht langfristig genau diese Entwickl
Sehr geehrter Herr F.,
die Geschichte der Schulpflicht in Deutschland ist die Geschichte ihrer mehrstufigen Verschärfung. Preußen kannte nur eine Unterrichtspflicht. Die allgemeine Schulpflicht wurde erstmalig 1919 in die Weimarer Verfassung aufgenommen. Erst mit dem NS-Reichsschulpflichtgesetz 1938 wurde die Schulpflicht radikal durchgesetzt, incl. polizeilicher Zwangsmittel. Weitere Ausweitungen gab es 1978 als auch schwerstbehinderte Menschen unter die Schulpflicht fielen und im Zuge der Asyleinwanderung fielen auch die Kinder von Asylbewerbern unter die Schulpflicht, die bisher nur für deutsche Staatsbürger galt. Gleichzeitig wurden in einigen Bundesländern die Sanktionen verschärft: In Hessen, Hamburg und im Saarland gilt Schulschwänzen mittlerweile als Straftat, nicht mehr als Ordnungswidrigkeit.
Im internationalen Vergleich ist die Schulpflicht in Deutschland deutlich strenger als in den meisten anderen europäischen Ländern, z.B. in der Schweiz, Italien, Frankreich, Belgien, Ungarn und Polen. Auch international gibt es mit den USA und Neuseeland Länder, in denen homeschooling weit verbreitet ist und in denen die Elternrechte mehr Beachtung finden. Mir ist nicht bekannt, dass dies dort Ursache gesellschaftlicher Abschottung geworden ist oder zu weniger "demokratischen Zusammenhalt" geführt hätte. Ich sehe diese Gefahr auch nicht

