Braindrain in den Geisteswissenschaften: Was will die AfD tun, um teuer ausgebildete Geisteswissenschaftler in der Republik zu halten?
Sehr geehrter Herr Frömming,
48 % aller Promovierten in den Bereichen Kunst und Kunstwissenschaften gehen ins Ausland. Zum Vergleich: In der Medizin und den Gesundheitswissenschaften liegt diese Quote bei gerade einmal 12 %. Geistes- und Kunstwissenschaftler sind wesentlich mobiler als ihre Kollegen in anderen Fachbereichen. Sie kehren dem deutschen Wissenschaftssystem also fast viermal so häufig den Rücken wie z.B. Mediziner. Jedes Jahr verliert die deutsche Geistes- und Kunstwissenschaft schätzungsweise 300 bis 400 Spitzenforscher pro Jahr dauerhaft an das Ausland. Die Investitionskosten in diesem Bereich sind durchaus erheblich (Schaden wohl um die 200-300 Millionen Euro), von der familiären Reproduktion des Bildungsbürgertums ganz zu schweigen. Was will die AfD tun, um teuer ausgebildete Geisteswissenschaftler in der Republik zu halten? Mit freundlichen Grüßen Oswald M.
Siehe u.a.: https://www.wissenschaft-weltoffen.de/content/uploads/2024/11/WWO_2024_DT_aktualisiert_BF.pdf
Sehr geehrter Herr M.,
vielen Dank für Ihre Frage, die Sie mit einigen Zahlen untermauern, für die Sie aber leider keine Quelle angegeben haben. Nach meinen Recherchen findet man zwar Studien, in denen diese Zahlen vorkommen (https://www.nacaps-datenportal.de/ oder https://www.wissenschaft-weltoffen.de/content/uploads/2023/09/wiwe_2023_web_de.pdf?utm_source=openai), jedoch belegen sie nicht unmittelbar Ihre Schlussfolgerungen. Bei 2500 – 3000 Promotionen im Jahr bei Geistes- und Kunstwissenschaftlern würden die von Ihnen benannten 300-400 abwandernden max. 15 % aber nicht 48 % ausmachen. Auf 48 % kann man nur kommen, wenn man temporäre Abwanderung, zumeist als Bestandteil der Promotion, hinzurechnet. Auslandserfahrungen werden wiederum in den Kunstwissenschaften häufig als Einstellungsvoraussetzungen genannt, was die Absolventen zu Auslandstätigkeiten zwingt, selbst wenn sie in Deutschland arbeiten wollen.
Die zentrale Frage ist zunächst, ob alle promovierten Geistes- und Kunstwissenschaftler vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden können. Diese Frage muss aktuell mit „nein“ beantwortet werden. Die Anschlussfrage lautet, ob es viele zusätzliche Aufgaben gibt, die nur durch neu zu schaffende Stellen zu bearbeiten sind. Das wäre im Einzelnen konkret zu prüfen.
Einerseits die Überakademisierung, andererseits die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Spitzenforschung der deutschen Wissenschaft sind kontinuierlicher Gegenstand verschiedener parlamentarischer Initiativen der AfD-Bundestagsfraktion, z.B.:https://dip.bundestag.de/vorgang/.../256988
Ein (Wieder-) Erblühen der Deutschen Geistes- und Kunstwissenschaft wird jedenfalls nicht durch Ausweitung staatlich finanzierter Stellen gelingen, sondern nur durch die Stärkung der wirtschaftlichen Kraft Deutschland, wodurch auch der Arbeitsmarkt bei Geistes- und Kunstwissenschaften aufnahmefähiger werden kann.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Götz Frömming

