Die AfD steht doch für den freien (Arbeits-)Markt? Oder: Wie Niveauverlust vom Staat gefördert wird
Sehr geehrter Herr Dr. Frömming,
erlauben Sie eine genuine Sachfrage: Wie positionieren Sie sich persönlich zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG)? Als promoviertem Mediävisten ist Ihnen das Grundproblem der Geschichtswissenschaft bestens geläufig: Die Studierendenzahlen sanken dort in zwei Dekaden um fast 40 %. Zudem verlassen 85 % der Postdoktoranden das akademische System. Nach sechs Jahren droht trotz geringer Teilzeitquote die manifeste Arbeitslosigkeit (trotz 0,5, 0,75-Noten!). Die Erosion des deutschen Geisteslebens agiert schleichend, langfristig jedoch fatal. Ist es vermittelbar, dass Forschende, welche Drittmittel eigenständig akquirieren, infolge der rigiden Befristungshöchstgrenze exkludiert werden müssen? Erfordert dieses Arbeitsrecht nicht eine dringliche Novellierung bzw. Sonderklauseln? Viele junge, hochtalentierte Akademiker „fliehen“. Der Niveauverlust in den Geisteswissenschaften lässt sich nicht mehr leugnen.
Mit bestem Dank
Dr. K. M.

