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Daniel Gerber
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Warum wird nicht unmittelbar für ein abrupptes Ende der Gas Einfuhr aus Russland gesorgt?

Die unnötigen Millionen/Milliarden, die Russland aus unserer Tasche erhält, werden zu größten Teilen in deren Aufrüstung/Kriegskasse fließen. An dieser Stelle helfen auch die derzeit verhangenen Sanktionen nicht weiter. Darauf war Russland zu sehr vorbereitet. Was sie aber nicht erwartet haben ist, der erbitterte Widerstand der Ukraine und die dadurch laufenden Kosten. Der nächste Schock wäre das Ende der Einnahmen aus dem Gasgeschäft mit uns. Ich möchte mir nicht ausmalen wollen welche Kriege aus russischer Sicht noch geplant sind, mit unserem Geld.
Vielen Dank,
Mit freundlichen Grüßen
Philipp H.

Frage von Philipp H. am
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Antwort vom
Zeit bis zur Antwort: 3 Wochen

Sehr geehrter Herr H.,

es ist richtig, dass die Finanzierung von Putins Krieg durch europäische, auch deutsche, Energieimporte aus Russland moralisch unerträglich ist. Jedoch befinden wir uns in einer enormen Abhängigkeit, insbesondere im Bereich von Erdgas. Ein abruptes Ende der Gaslieferungen wäre daher, so wünschenswert es sowohl symbolisch als auch als weitere wirtschaftliche Sanktion wäre, mit erheblichen negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft verbunden. Die Energiepreise würden (noch weiter) steigen und spätestens im nächsten Winter hätten wir eine physische Gasknappheit, die zur Folge hätte, dass Notfallpläne mit Zuteilungen in Kraft treten müssten. Außerdem stünde meiner Meinung nach auch die Umsetzung der Pläne der Bundesregierung hinsichtlich Ausbau der Erneuerbaren Energien auf dem Spiel.

Durch die aktuelle Situation wird mit voller Härte sichtbar, dass die Energiepolitik der letzten 16 Jahre eine Sackgasse war. Die einzige Konsequenz muss daher lauten, die Energiewende massiv zu beschleunigen, um die Energieversorgung von Deutschland und Europa sowohl unabhängiger als auch klimaverträglicher zu gestalten. Energiepolitik, Sicherheitspolitik und Klimaschutz müssen endlich gemeinsam gedacht werden.

Die ersten kurzfristigen Maßnahmen zur Reduktion der Abhängigkeit von russischen Energieimporten sind bereits in die Wege geleitet (bspw. Diversifizierung der Bezugsquellen, bessere Ausnutzung der Gasspeicher, etc.). So ist dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in nur 3,5 Wochen das gelungen ist, was bisher als unmöglich galt. So wurde der Kohlebedarf aus Russland halbiert, der Ölimport von 35% auf 25% und der Gasimport von 55% auf 40% gesenkt. Die genaue Einschätzung ist hier zu finden. Der Bezug von Erdöl und Kohle aus Russland soll bis zum Jahresende weitestgehend ersetzt werden. Das vollständige und kurzfristige Energieembargo ist aktuell jedoch eine Maßnahme mit zu hohem eigenen Risiko. Die rote Linie wäre für mich der russische Einsatz von ABC-Waffen.

In meinem Blog finden Sie einige aktuelle Artikel zu dieser Thematik und auch meine Rede aus dem letzten Landtagsplenum.

 

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