Frage an Christopher Bodirsky von Maja D. bezüglich Gesellschaftspolitik, soziale Gruppen
Sehr geehrter Herr Bodirsky,
meine Tochter geht in einen Kindergarten, in dem mittlerweile deutsch nur noch Zweitsprache ist, türkisch dominiert. Meine Tochter hat innerhalb weniger Wochen verlernt, richtiges deutsch zu sprechen.
Ich lebe in einem Mehrfamilienhaus, in dem mir, völlig grundlos, augenscheinlich nur, weil ich deutsch bin, offener Hass entgegenstößt, abends beherrschen hier türkische Jugendgangs das Straßenbild. Ich bin bestimmt nicht ausländerfeindlich, aber ist das alles noch normal? Warum wird dagegen nichts unternommen?
Ich bin auch für Minderheitenschutz, aber wer schützt eigentlich die Mehrheit?
Ich bin völlig verzweifelt, komme mir in meinem eigenen Land wie ein fremdes Element vor, das als eher störend betrachtet wird.
Mit freundlichem Gruß....
Sehr geehrte Frau Dortig,
sie sprechen ein sehr wichtiges Problem an - die Integration. Alle Parteien sprechen davon, in der Realität passiert aber viel zu wenig. Um ein Beispiel zu nennen: Die Bundesregierung hat ein Programm zur Sprachförderung von Kindern in der Vorschulzeit aufgelegt. Die direkte Wirkung war, dass die Landesregierung ihre Mittel daraufhin reduziert hat - schließlich zahlt ja jetzt der Bund. Ergebnis: In Summe weniger(!) Sprachförderung!
Nein, so kommen wir hier nicht voran. Spätestens im Kindergarten muß jedes Kind die deutsche Sprache lernen, es darf nicht sein, dass Kinder in die Schule kommen die unsere Sprache nicht sprechen. Das ist ein erster, elementarer Schritt zur Integration. Gerade wir Grünen arbeiten in Hannover schon seit Jahren mit türkischen Unternehmern zusammen, damit diese Unternehmen auch ausbilden (übrigens auch ein Ergebnis davon, dass Rot-Grün den Meisterzwang in vielen Bereichen reduziert hat und es somit auch möglich wurde, dass mehr Betriebe Jugendliche ausbilden können - gerade z.B. auch Jugendliche -egal welcher Nationalität!- in türkischen Betrieben). Denn nur wenn Jugendliche (egal welcher Nationalität!) eine Perspektive haben, können wir die Probleme, die Sie schildern, vernünftig lösen.
Vielleicht noch etwas Grundsätzliches zur Integration: Unsere Welt wird kleiner, verschiedene Nationalitäten rücken immer enger zusammen. Für die Zukunft bedeutet das: Die Volkswirtschaft, die es am schnellsten schafft, auf fremde Nationalitäten zuzugehen, fremde Menschen zu akzeptieren und zu integrieren, vernünftig mit fremden Meinungen und Lebensgewohnheiten umzugehen, hat im internationalen Wettbewerb die "Nase vorn!". Für uns, als Exportweltmeister (und das wollen wir doch bleiben - oder?) ist Integration, das zusammenleben mit fremden Kulturen also nicht nur etwas für "Gutmenschen", sondern eine elementare wirtschaftliche Investition in unsere Zukunft!
Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung,
mit freundlichen Grüßen,
Christopher Bodirsky

