Bernhard Suttner
ÖDP

Frage an Bernhard Suttner von Yhxnf Jrore bezüglich Europapolitik und Europäische Union

Sehr geehrter Herr Suttner,

Sie fordern persönlich die Abschaltung der Atomkraftwerke. Warum?

Gruß,

Lukas Weber

Frage von Yhxnf Jrore
Antwort von Bernhard Suttner
21. Mai 2009 - 19:13
Zeit bis zur Antwort: 4 Stunden 53 Minuten

Sehr geehrter Herr Weber,

vorab die beste Botschaft: Wir brauchen die Atomkraftwerke nicht, weil sie weltweit nur 2 bis 3 % der insgesamt verbrauchten (und oft genug verschwendeten) Energie bereit stellen. Diese geringe Menge kann durch effiziente Technik leicht eingespart werden.

Ich trete aber vor allem aus ethischen Gründen für die schnellstmögliche Abschaltung ein. Hier meine Gründe:

1. Schon beim Abbau des Urans bricht schlimmstes Elend über die im Uranabbaugebiet lebenden Menschen (sehr oft indigene Völker!) herein. Gerade eben ist eine erschütternde Darstellung dieses verdrängten Problems in der Juni-Nummer der Zeitschrift "natur&kosmos" erschienen. Man kann sagen: Bevor ein Brennstab in ein angeblich so sicheres deutsches Atomkraftwerk eingebracht wurde, sind bereits Menschen durch die Herstellung des radioaktiven Brennstoffs schwer zu Schaden gekommen. Atomkraft geht nicht "friedlich"; sie ist von Anfang an mörderisch.

2. Beim Betrieb des AKW kann jeden Tag ein schwerer Unfall geschehen - mit unabsehbaren Folgen. Wenn in einem mittel- oder osteuropäischen AKW ein solcher Groß-Unfall passiert, kann je nach Windrichtung auch Deutschland auf lange Zeit unbewohnbar werden. Außerdem gibt es ernsthafte Hinweise auf erhöhte Kinderkrebszahlen durch den "Normalbetrieb" von AKWs - ganz ohne große Unfälle...

3. Schließlich weiß niemand, wo der in großen Mengen anfallende radioaktive Müll einigermaßen sicher für die nächsten 100 000 Jahre verwahrt werden soll. Angesichts dieses Wahnsinns, hätte niemals eihn AKW in Betrieb gehen dürfen. Die einzige logische Folge ist für mich: Sofort mit der Produktion von weiteren Müllmengen aufhören! Übrigens wurde seinerzeit von Rot-Grün beim sog. "Atomausstieg" mit der Stromindustrie vereinbart, dass genau die gleiche Menge an Atomstrom und Atommüll noch einmal erzeugt werden darf, bis endlich Schluss ist. Kein Wunder, dass die Atomkonzerne diesen Vertrag unterschrieben haben.

Die Zukunft der Energieversorgung heißt dreimal E: Einsparung, Effizienzsteigerung und Erneuerbare Energie. Für das gefährliche A (wie Atomkraft) und das klimazerstörende C (wie Carbon = Kohlenstoff) darf es keine Zukunft geben.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Suttner