FREIE WÄHLER

Frage an Astrid Helbig von Zneyva Sevpxrafpuzvqg bezüglich Bildung, Kultur, Forschung und Technologie

05. Mai 2009 - 17:05

Mit großer Sorge beobachte ich, wie der Lobbyismus der Unterhaltungsindustrie das Urheberrecht immer weiter missbraucht. Eine Verlängerung der Schutzfristen von Tonaufnahmen von 50 auf 70 Jahre wurde vor wenigen Tagen im EU-Parlament beschlossen, die Kommission wollte sogar 95 Jahre haben.

Dies halte ich für eine Enteignung am Volk. Die Musikfirmen und Künstler wussten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung genau, auf welche Schutzfristen sie sich einlassen. Dem Volk wurde hier einmal ein Recht zugesprochen: nach 50 Jahren werden diese Aufnahmen gemeinfrei. Dieses Recht wurde dem Volk nun einfach entrissen!

Ich kritisiere scharf, dass insbesondere das EU-Parlament keine Vertretung der Bürger der EU zu sein scheint. Es ist ja offensichtlich, wie die Entscheidung im Falle einer direkten Demokratie ausgesehen hätte. Entsprechend ist festzustellen, dass die Entscheidung des EU-Parlaments nicht die Interessen derjenigen vertreten hat, die es gewählt haben.

Wieso kommt niemand mal auf die Idee zu sagen: hey Leute, ihr habt damit 50 Jahre lang Geld verdient, wenn ihr jetzt noch darauf angewiesen seid, seid ihr selbst Schuld!

Da verwundert es nicht, dass ein Großteil das geltende Recht nicht akzeptiert und stattdessen eben illegal kopiert. Der Grund für die Akzeptanz von illegalen Kopien ist somit auch als ein Widerstand gegen die Repression zu verstehen, der die Bürger ausgesetzt sind. Oder würden Sie noch eine Industrie finanziell unterstützen, der Sie gerade eben erst über das EU-Parlament enteignet hat?

Warum entscheidet das EU-Parlament also dermaßen gegen die Interessen des Volkes? Und warum werden private Kopien, die es schon immer gegeben hat und auch immer geben wird, fortlaufend kriminalisiert? Warum wählt überhaupt das Volk noch das EU-Parlament, wenn es sich offensichtlich gegen dessen Interessen einsetzt? Wie soll man so noch an die Demokratie glauben?

Frage von Zneyva Sevpxrafpuzvqg
Antwort von Astrid Helbig
10. Mai 2009 - 18:49
Zeit bis zur Antwort: 5 Tage 1 Stunde

Sehr geehrter Marlin Frickenschmidt,

entschuldigen Sie, dass die Antwort erst heute kommt, über dieses Thema musste ich mir erst Gedanken machen.

Wir brauchen einen Urheberschutz, damit ein Künstler von seiner Kunst überhaupt leben kann. Sonst hätte er keine Zeit zu komponieren, zu schreiben, zu malen. Sondern er müsste anderweitig arbeiten, um leben zu können. Ohne Urheberrecht also keine Kunst!

Mein erster Gedanke war, den Urheberschutz an die Lebenszeit des Künstlers zu koppeln.

Jetzt lebt so ein Künstler aber nicht alleine, sondern hat eine Familie, die auch von den Einkünften lebt. Und ein zweites Einkommen ist vielleicht wegen vieler Reisen, oder wegen des Künstlermanagements nicht möglich. Und der/die Partner(in) ist eventuell einiges jünger und hat kein eigenes Einkommen und keine Alterssicherung.

Mein zweiter Gedanke war, den Urheberschutz an die Lebenszeit beider zu koppeln.

Aber auch Kinder in Ausbildung müssen versorgt werden...

Fazit: ich würde Urheberschutz an Lebenszeiten von Künstler und Partner(in), sowie an Ausbildungszeiten der Kinder koppeln.

Dann würde man dem Interesse der Künstler (die ja auch Bürger sind) und dem Interesse der Allgemeinheit ganz gut entsprechen.

Über die Aufgabenverteilung von Parlament und Kommission, die Sie in Ihrer Frage ja vermischen, können Sie sich sehr gut bei www.europarl.de informieren.

Viele Grüße
Astrid Helbig