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Anna Aeikens
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Frage von Jan R. •

Das Interesse der Händler Pfandflaschen zurückzunehmen sinkt? Was sind politsche Lösungen um das Mehrwegsystem zu verbessern?

Ich kenne das Pfandflaschen-Mehrwegsystem noch von meinen Grosseltern. Und bin davon überzeugt. Nur durch die Miteinbeziehung der Pfandflaschen in die Statistik, kann die Gelbe Tonne die Recyclingquote erfüllen.

Leider muss ich immer grössere Finanzelle Nachteile beim Kauf von Pfandflaschen hinnehmen, teilweise den doppelten Preis. Sollten in einer Sozialen Marktwirtschaft nicht die Umweltverschmutzer den höheren Preis zahlen?

Grosse Supermärkte lehnen es ab Pfandflaschen zurückzunehmen, obwohl sie diese von einem anderen Abfüller im Sortiment haben. Wie können ressourcenschonende Verbraucher politisch besser gefördert werden? Sollte ein Standastsortiment von allen grösseren Supermärkten zurückgenommen werden?

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Antwort von CDU

Sehr geehrter Herr R.

haben Sie vielen Dank für Ihre Frage zum Thema Pfandflaschen und Mehrwegsystem.

Für mich sind Mehrwegverpackungen (nicht nur bei Pfandflaschen) ein richtiges und notwendiges Instrument, um Abfälle zu vermeiden und Ressourcen zu schonen. Glas-Mehrwegflaschen können bis zu 50-mal genutzt werden, PET-Mehrwegflaschen etwa 15-25 Mal. Bei Bierflaschen liegt der Mehrweganteil bei rund 80%, bei Mineralwasser immerhin noch bei 35%. Aktuell sind ca. 1 Milliarde Mehrwegflaschen im Umlauf. Die Rückgabequote bei Pfandverpackungen liegt bei weit über 90%, was unser Rücknahmesystem zu einem der effizientesten macht. 

Gleichwohl gibt es aber einige strukturelle Schwächen. Mehrweg verliert Marktanteile, da Hersteller auf Einweg setzen, weil das logistisch oft einfacher ist. Auch ist der Preisunterschied zwischen Einweg (meist 25 Cent) und Mehrweg (8-15 Cent) oft zu klein, um mehr Konsumenten für die Nutzung von Mehrweg zu bewegen. Die Pfandhöhe wird dabei vom Hersteller bzw. der Branche festgelegt. Um den Anteil von Mehrweggetränkeverpackungen zu erhöhen hat der Gesetzgeber die Pfandpflicht in den letzten Jahren auf fast alle Einweggetränkeverpackungen ausgeweitet und eine entsprechende Hinweispflicht im Handel verankert. 

Ihr Hinweis auf die teils schwierige Pfandrückgabe ist richtig. Märkte ab einer bestimmten Verkaufsfläche müssen nur die Pfandprodukte zurücknehmen, die sich selbst führen. Gleichzeitig nutzten viele Hersteller individuelle Flaschenformen, die eine aufwendige Sortierung und Rücktransport zum Hersteller/Abfüller verursachen. Hier wären mehr einheitliche Flaschenformen (wie z.B. beim Bier) wünschenswert. Beispielsweise gibt es bereits Wein in 0,75-Liter-Mehrwegflaschen mit 25 Cent Pfand. Wichtig ist auch, dass Kunden selbst aktiv werden und z.B. Getränke aus regionaler Produktion kaufen, damit keine langen Lieferwege für Hin- und Rücktransport entstehen. Eine allgemeine Rücknahmepflicht für alle pfandpflichtigen Flaschen ist natürlich diskutierbar.

Deutschland hat sich bei den Verhandlungen über die europäische Verpackungsverordnung für eine Stärkung von Mehrwegverpackungen eingesetzt. Ab 2030 gibt es verbindliche Mehrwegquoten für Getränke (sowie Essens- und Transportverpackungen). Ab 2030 müssen dann mindestens 10% der Produkte in Mehrwegverpackungen bereitgestellt sein; die Quote soll bis 2040 auf 40% steigen.  

Mit freundlichen Grüßen 

Anna Aeikens, MdB 

   

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