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Frage von Anne P. •

Frage an Anja Domres von Anne P. bezüglich Bildung und Erziehung

Sehr geehrte Frau Domres,

da eine gut gebildete Gesellschaft der Volkswirtschaft gut tut, interessieren mich folgende Bildungsthemen brennend, auch wenn ich selbst nicht mehr studiere. (Allerdings studiert mein Freund noch und erhält BAföG.)

- Wie stehen Sie persönlich zum Thema Studiengebühren?
a) für Bachelor-/Master-Studierende
b) für Langzeitstudierende
c) für Studierende mit Zweitstudium

- Wie stehen Sie zum Thema "Hochschulrat" mit Wirtschaftsvertretern, die über die Belange der Uni mitentscheiden?

- Wie sehen Sie die Zukunft der Gesamtschule, bzw. wie stehen Sie zur Gemeinschaftsschule?

- Was halten Sie vom Abitur in 12 Jahren?

Mir reichen knappe Antworten.
Vielen Dank und schöne Grüße

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Antwort von
SPD

Hallo Frau Pohl,

ich trete für die Abschaffung von Studiengebühren für das Erststudium ein. Es kann nicht sein, dass der Zugang zu einem Studium nur denjenigen ermöglicht wird, die über das ausreichende Geld für Studiengebühren verfügen. Erststudium ist dabei ein Bachelor- und darauf aufbauend ein Masterstudiengang.

Die Abschaffung von Studiengebühren heißt für mich aber nicht, dass Studenten bis zum 20. Semester gefördert werden. Hier muss analog zur Höchstudiendauer des BaföG eine Lösung gefunden werden, die eine durchschnittliche Studiendauer unterstützt, aber nicht zu einer unendlichen Förderung führt.

Bei einem Zweitstudium sehe ich das Thema Studiengebühren etwas anders. Während ein Erststudium der Berufsausbildung dient und der Student mit dem Abschluss zur Ausübung eines Berufs befähigt wird, hat jemand, der ein Zweitstudium aufnimmt, ja bereits einen Abschluss. Das bedeutet für mich aber auch, dass es nicht Aufgabe der Gesellschaft ist, Zweit- oder Drittstudien zu finanzieren.

Das Thema Hochschulrat ist schon ein sehr spezielles Thema. Insgesamt finde es bedauerlich, dass im neu eingeführten Hochschulrat einzelne Gruppen der Universität wie z. B. die Studenten nicht mehr repräsentiert sind. Außerdem nimmt dieser Hochschurat den gewählten Gremien der Universität die Chance, über die Zukunft der Universität entscheiden zu können. Warum es nun Sinn machen soll, dass der Senat Wirtschaftsvertreter in den Hochschulrat entsandt hat (ich weiß nicht ob Sie speziell auf die Mitgliedschaft des Haspa-Vorstandes anspielen), kann ich auch nicht sagen. Ich finde, dass Wirtschaftsvertreter oft nur einen sehr einseitigen Focus haben und die Belange einer Universität nur sehr unzureichend vertreten können. Eine Universität kann man nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten führen.

Ich stehe voll und ganz hinter dem Konzept der Gemeinschaftsschule. Für mich ist diese Gemeinschaftschule oder auch Stadtteilschule mehr als eine Gesamtschule. Sie ist vernetzt mit verschiedenen Einrichtungen des Stadtteils und bietet neben der Durchlässigkeit zwischen den vormals einzelnen Schulformen auch die Chance einer intensiveren Betreuung und Unterstützung der Lernschwächeren. Eine Hauptschule als "Resteschule" gibt es dann nicht mehr. Zurzeit gehen jährlich 2.000 Jugendliche ohne Abschluss von der Schule ab. Eine Zahl, die wir uns - wie ich finde - nicht leisten können. Übrigens wollen wir die Gymnasien nur einbeziehen, wenn dies dem Elternwillen entspricht.

Das Abitur nach 12 Jahren finde ich gut, wir sind damit im europäischen Durchschnitt. Das Abitur nach 12 Jahren ist ein interessanter Schritt. In der vom Senat eingeführten Form ist es aber ein Versuch zu Lasten der betroffenen Jugendlichen. Dieses Konzept muss überarbeitet werden.

Ich hoffe, ich habe alle Ihre Fragen beantwortet,

viele Grüße,

Anja Domres.