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Andreas Schwarz
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Frage von Natalie Z. •

Was tun Sie, damit unser Gesundheitssystem auch in den Wochen nach der Wahl die vulnerablen Gruppen weiter auffängt?

Sehr geehrter Herr Schwarz,
die gerade beschlossene Abwertung der ambulanten Psychotherapie um 4,5 % ab April 2026 ist angesichts der monate- bis jahrelangen Wartezeiten für Patienten wie wirtschaftlich ohnehin strapazierten Praxen schwer nachvollziehbar.
Psychische Erkrankungen verursachen jährlich 130 Milliarden Euro volkswirtschaftlichen Schaden. Ambulante Psychotherapie kostet 4 Milliarden Euro im Jahr - und stabilisiert nachweislich das Gesamtsystem.
In meiner Privatpraxis habe ich aufgrund der unzähligen Anfragen tatsächlich zur Hälfte Kassenpatienten in Behandlung und muss dennoch in jeder Woche viele neue Absagen schreiben.
Was tun Sie, damit das System der Grundversorgung nicht zusammenbricht?

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Antwort von BÜNDNIS 90/­DIE GRÜNEN

Sehr geehrte Frau Z.,

vielen Dank für Ihre wichtige Frage und für Ihre Arbeit in der psychotherapeutischen Versorgung.

Die langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz zeigen sehr deutlich: Unser Gesundheitssystem muss psychische Erkrankungen deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken. Dass ambulante Psychotherapie gerade in dieser Situation finanziell unter Druck gerät, sehe ich ebenfalls kritisch. Psychotherapie ist keine Randleistung, sondern ein zentraler Bestandteil der gesundheitlichen Grundversorgung – und sie entlastet zugleich Kliniken, Sozialversicherungssysteme und die gesamte Volkswirtschaft.

Wichtig ist zunächst: Die konkrete Vergütung für ambulante Psychotherapie wird auf Bundesebene durch die Selbstverwaltung im Gesundheitswesen – insbesondere die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den GKV-Spitzenverband – vereinbart. Auf Landesebene haben wir darauf nur begrenzten direkten Einfluss.

Trotzdem setzen wir uns politisch klar dafür ein, die Versorgung zu verbessern. Dazu gehören aus meiner Sicht vor allem drei Punkte:

  1. Mehr Therapieplätze und bessere Bedarfsplanung. Die Zahl der Kassensitze muss sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientieren. Gerade in vielen Regionen sind die bestehenden Strukturen zu knapp.
  2. Stärkung der ambulanten Versorgung. Gute ambulante Psychotherapie verhindert Chronifizierung und stationäre Aufenthalte. Deshalb muss sie verlässlich finanziert und strukturell gestärkt werden.
  3. Bessere Vernetzung im Versorgungssystem. Psychotherapie, Hausärztinnen und Hausärzte, psychiatrische Angebote und kommunale Unterstützungsstrukturen müssen enger zusammenarbeiten, damit Betroffene schneller Hilfe bekommen.

In Baden-Württemberg arbeiten wir zudem daran, Prävention, niedrigschwellige Beratungsangebote und psychosoziale Hilfen auszubauen. Denn je früher Menschen Unterstützung erhalten, desto besser sind die Chancen auf eine stabile gesundheitliche Entwicklung.

Mir ist wichtig: Menschen mit psychischen Erkrankungen dürfen weder im Alltag noch im Gesundheitssystem durchs Raster fallen. Eine starke ambulante Versorgung ist dafür unverzichtbar.

Vielen Dank nochmals für Ihren Hinweis und Ihr Engagement.

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Schwarz


 

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