Andreas Parr
SPD

Frage an Andreas Parr von Znexhf Uösyre bezüglich Gesundheit

26. August 2009 - 14:17

Sehr geehrter Kollege Parr!

Welche Vorstellungen hat Ihre Partei zur Prävention und Gesundheitsförderung entwickelt und in welcher Rolle sehen Sie die professionelle Pflege?

Wie will Ihre Partei die Personalsituation von Pflegenden und Mitarbeitern im Gesundheitswesen verbessern?

Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, dass sich die Personalbemessungen in allen Handlungsfeldern der Pflege zukünftig am realen Pflegebedarf der zu versorgenden
Klienten orientiert?

Mit welchen Maßnahmen will Ihre Partei dem absehbaren Pflegepersonalnotstand und der Unterversorgung der Pflegebedürftigen in Deutschland entgegenwirken?

Wird Ihre Partei die Errichtung von Pflegekammern in Deutschland unterstützen?

Mit freundlichen Grüßen
M.H.

Frage von Znexhf Uösyre
Antwort von Andreas Parr
01. September 2009 - 14:34
Zeit bis zur Antwort: 6 Tage

Sehr geehrter Herr Höfler,

vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Fragen.

Ich sehe die Prävention und die Gesundheitsförderung als einen der wichtigsten Bestandteile im Gesundheitswesen. Gesundheit ist ein hohes Gut und ich bin mir sicher, die Menschen sind lieber gesund als krank. Jede Präventionsmaßnahme ist rein wirtschaftlich gesehen billiger als die Behandlung einer aufgetretenen Krankheit. Die Rolle der professionellen Pflege sehe ich in pflegerischen Tätigkeiten und in einer beratenden Funktion. Leider ist es in der Praxis so, dass „die Pflege“ erst dann zum Zuge kommt, wenn ein Mensch krank ist und Behandlung benötigt. An diesem Punkt aber müsste eine zeitgemäße Pflege ansetzen. Hierbei muss neben Behandlung auch Beratung erfolgen um Krankheiten schneller zu heilen und weitere Krankheiten durch Präventionsmaßnahmen zu verhindern.

Über die Einführung der solidarischen Bürgerversicherung, in die alle einzahlen - auch Beamte und Selbständige - wären deutliche Mehreinnahmen im Gesundheitsfond zu verbuchen. Laut einer Studie könnte man jeden Beitragszahler in diesem neuen System um 1,4 Prozentpunkte entlasten. Dieses Geld könnte ich mir aber auch gut in der Gestaltung einer besseren Personalsituation der Ärzte, der Pflege und der Mitarbeiter im Gesundheitswesen vorstellen.

Durch den demografischen Wandel wird es in den nächsten Jahren mehr Menschen geben die Pflege benötigen. Dies kann in Krankenhäusern, Altenheimen, ambulant oder in der häuslichen Pflege sein. Für diese Aufgabe brauchen wir Antworten und haben sie auch. Über oben schon genannte Gelder können wir die Rahmenbedingungen für mehr Arbeitsplätze im Gesundheitswesen schaffen und somit auch dem realen Pflegebedarf gerecht werden. Weiterhin dürfen auch die Krankenkassen die Augen vor dem tatsächlichen Pflegebedarf nicht verschließen. Unabhängige und unangekündigte Kontrollen der Qualitätstandarts finden nur in der häuslichen und der ambulanten Pflege statt. Krankenhäuser müssen sich in diesem Punkt nicht messen lassen, was ich persönlich sehr bedaure. Durch Qualitätskontrollen kann man Bedarfsstellen offenlegen und qualitative Pflege verbessern.

Dem Personalnotstand und der Unterversorgung von Patienten können wir nur mit ausreichendem und gut geschultem Personal begegnen. Persönlich erachte ich es nicht als Zielführend, die Grundqualifizierung für die Pflegeausbildung herabzusetzen. Wir können Qualität nicht durch Quantität ersetzten.

Die Einrichtung von Pflegekammern kann ich nur begrüßen. Viele der Aufgaben einer Pflegekammer wie z.B. die Beteiligung bei Gesetzgebungsverfahren, Gutachtertätigkeiten oder die Überwachung von Aus, Fort- und Weiterbildung kommen doch der Allgemeinheit und den Patienten im besonderen sehr zu gute.

Ich hoffe Ihre Fragen zu Ihrer Zufriedenheit beantwortet zu haben.

Freundliche Grüße

Andreas Parr