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Alexander Riedle
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Frage von Maik M. •

Ihr Programm verspricht eine Mobilitätsgarantie für alle Regionen. Welchen verbindlichen Mindesttakt für Busse und Rufbusse wollen Sie im Wahlkreis 25 gewährleisten?

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Antwort von SPD

Vielen Dank für Ihre Frage. 

  • Auf den Hauptachsen – Annaburg–Jessen–Wittenberg, Gräfenhainichen–Wittenberg/Bitterfeld, Kemberg–Wittenberg und Bad Schmiedeberg–Wittenberg – sollte es durch das Zusammenspiel von Bus und Bahn zwischen 5 und 23 Uhr mindestens jede Stunde eine Verbindung geben. Zu den Hauptverkehrszeiten wünsche ich mir einen Halbstundentakt. Die Anschlüsse müssen zuverlässig aufeinander abgestimmt sein.
  • Jeder Ortsteil muss erreichbar bleiben, unabhängig von seiner Einwohnerzahl: mindestens eine garantierte Fahrtmöglichkeit pro Stunde, an sieben Tagen in der Woche und selbstverständlich auch während der Schulferien. Die Bestellung muss per App und telefonisch möglich sein, mit einer Vorlaufzeit von höchstens 60 Minuten. Einen Zuschlag darf es nicht geben, das Deutschlandticket muss überall gelten.
  • Viel wichtiger als der Takt oder die Fahrzeiten: Mindestens 95 Prozent aller Buchungswünsche sollen innerhalb von 30 Minuten vor oder nach der gewünschten Zeit erfüllt werden. Ein Rufbus, bei dem die Fahrgäste regelmäßig nur die Meldung „ausgebucht“ erhalten, erfüllt keine Mobilitätsgarantie.

Diese Mindeststandards müssen verbindlich im ÖPNV-Gesetz des Landes verankert und vollständig finanziert werden. Für den Busverkehr sind die Landkreise verantwortlich. Ein Landtagsabgeordneter bestellt deshalb nicht selbst den Fahrplan. Das Land kann aber gesetzliche Standards festlegen und muss den Landkreisen das notwendige Geld dafür geben. 

Im SPD-Wahlprogramm ist dieser Grundsatz eindeutig formuliert: „Wer bestellt, bezahlt.“

Ein fester Takt reicht mir nicht.

Der Wahlkreis 25 besteht aus fünf Städten, zahlreichen Ortsteilen und sehr großen Entfernungen. Viele Verbindungen richten sich gefühlt nur nach dem Schülerverkehr. Morgens fährt ein Bus zur Schule, mittags oder nachmittags zurück, in den Ferien wird das Angebot deutlich ausgedünnt. Für Schüler ist das eine Verbindung. Für jemanden, der zum Arzt, zur Spätschicht, zum Sport oder am Abend von der Ausbildung nach Hause muss, hilft das nicht.

Das schränkt ältere Menschen ein, sobald sie nicht mehr selbst Auto fahren können. Und es ist einer der Gründe, warum junge Menschen das Gefühl bekommen, ohne Führerschein auf dem Land nicht selbstständig leben zu können.

Trotzdem wäre es weder sinnvoll noch bezahlbar, durch jeden kleinen Ort stündlich einen leeren Linienbus zu schicken. Ich möchte deshalb feste Linien mit einem flächendeckenden flexiblen Bussystem verbinden. Diese flexiblen Busse sollten nicht nur für abgelegene Dörfer angeboten werden, sondern im gesamten Wahlkreis. Damit sind viele Fragen zu Mindestakten hinfällig. 

Das Prinzip ist denkbar einfach: Der Fahrgast bestellt per App oder Telefon eine Fahrt. Ein Kleinbus holt ihn wohnortnah ab und bringt ihn zum gewünschten Ziel oder zu einer passenden Anschlussverbindung. Ähnliche Fahrtwünsche werden gebündelt. Der Bus fährt damit nicht mehr nur dort entlang, wo irgendwann einmal eine Linie festgelegt wurde, sondern dorthin, wo er tatsächlich gebraucht wird.

Dass dieses Modell funktioniert, kenne ich bereits aus anderen Regionen.

Im Unterallgäu verkehren Flexibusse ohne feste Linie und ohne starren Fahrplan. 2025 nutzten fast 60.000 Menschen dieses Angebot. Mecklenburg-Vorpommern verfolgt seit 2023 mit einer landesweiten Mobilitätsoffensive ein klares Ziel: ein flächendeckendes, stündliches Angebot, das überall zuverlässig buchbar ist.

Der „Ilse-Bus“ in Vorpommern-Greifswald begann Ende 2017 als Pilotprojekt mit drei Fahrzeugen. Inzwischen ist das Angebot erheblich ausgebaut worden und wird besonders von jungen und älteren Menschen genutzt – also genau von denjenigen, die ohne eigenes Auto besonders auf einen funktionierenden Nahverkehr angewiesen sind.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Im Landkreis Ludwigslust-Parchim konnten 2025 rund 19 Prozent der Anfragen nicht bedient werden, meistens weil kein Fahrzeug oder Fahrer verfügbar oder die Kapazität bereits ausgeschöpft war. Daran sieht man, dass ein Rufbussystem nur dann verlässlich funktioniert, wenn dauerhaft genug Fahrzeuge und Fahrpersonal finanziert werden.

Mobilitätsgarantie bedeutet für mich deshalb auch: deutlich mehr und dauerhaft gesicherte Landesmittel für den Busverkehr statt immer neuer, befristeter Modellprojekte. Wir brauchen tariflich bezahltes Fahrpersonal und verlässliche Dienstpläne. Außerdem soll die Schülerbeförderung, wie im SPD-Wahlprogramm vorgesehen, künftig nicht mehr aus den Regionalisierungsmitteln finanziert werden. Dieses Geld muss für ein Grundangebot zur Verfügung stehen, das allen Menschen zugutekommt.

Bei null beginnen wir im Landkreis Wittenberg nicht.

Seit 2023 gibt es den AnrufbusFlex. Er kann montags bis samstags zwischen 4 und 23 Uhr sowie sonn- und feiertags zwischen 9 und 19 Uhr genutzt werden. Die Buchung ist jederzeit digital mit der mo.pla App möglich - ein Angebot, das ich selbst schon mehrfach nutzte. Telefonisch werden Bestellungen allerdings nur werktags von 7 bis 16 Uhr angenommen. Obwohl Sie ein Deutschland-Ticket haben, zahlen Sie jedoch für jede Fahrt drauf. Wer jeweils einmal die Woche zum Arzt, zum Einkaufen, zur Freundin will, überlegt sich das doch zweimal. Für Schulwege darf man es auch nicht bis 15:30 benutzen, weil es getrennt von der Schülerbeförderung finanziert wird... 

Das ist eine Nutzungsbremse, die nichts mit Takt oder dem Netz zu tun hat.

Und das für mich Entscheidende: In MV gibt es ein Landesprogramm mit einem klaren Ziel dahinter. In Sachsen-Anhalt fehlt eine solche Landesinitiative: wo On-Demand Verkehr entsteht, hängt es meistens an befristetet Projektmitteln. Daraus entsteht keine Verlässlichkeit

Mein Ziel: eine Mobilitätsgarantie mit klaren, nachprüfbaren Standards und mit einer ehrlichen Finanzierung.

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