Landtagswahl MV: Wo weichen die Spitzenkandidat:innen von ihrer Partei ab und wo legen sie sich nicht fest?

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Schwerin/Hamburg, 09.09.2026 – Smartphone-Verbot, Windkraft-Veto, Kampf gegen Rechtsextremismus: Bei wichtigen Streitthemen der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern lässt sich aus dem Parteibuch eines Kandidierenden wenig über die persönliche Position aussagen. Selbst die Spitzenkandidierenden liegen nicht automatisch auf einer Linie mit ihrem Wahlprogramm oder mit der Mehrheit der Direktkandidierenden ihrer eigenen Partei. Das zeigt der kandidierendencheck, die Wahlhilfe für die Erststimme von abgeordnetenwatch.

Für den kandidierendencheck zur Landtagswahl am 20. September hat abgeordnetenwatch alle Direktkandidierenden um ihre Positionierung zu 19 zentralen Fragen der Landespolitik gebeten. Mit der Erststimme werden 36 der mindestens 71 Sitze im Schweriner Landtag direkt vergeben. 75 Prozent der Kandidierenden haben teilgenommen.

Die sieben Spitzenkandidat:innen aller im Landtag vertretenen Parteien sind dabei: Manuela Schwesig (SPD), Leif-Erik Holm (AfD), Daniel Peters (CDU), Simone Oldenburg (Linke), Claudia Müller (Grüne), Jakob Schirmer (FDP) und Peter Schabbel (BSW). Die Auswertung ihrer Antworten macht sichtbar, wo sie von der Mehrheit ihrer möglichen künftigen Fraktionskolleg:innen oder von ihrem Wahlprogramm abweichen.

Die auffälligsten Befunde:

Schwesig (SPD): Neunmal neutral, aber fast immer auf Parteilinie.

Manuela Schwesig positioniert sich bei neun von 19 Thesen weder dafür noch dagegen. Beim Smartphone-Verbot an Schulen bleibt sie neutral, ebenso wie die meisten SPD-Direktkandidierenden (61 Prozent). Bei der stärkeren Förderung von Programmen gegen Rechtsextremismus enthält sich Schwesig jedoch, anders als 54 Prozent der SPD-Direktkandidierenden, die zustimmen. Im Wahlprogramm der SPD MV wird die aktuelle Förderung klar befürwortet: Es sieht vor, das Landesprogramm ‚Demokratie und Toleranz' weiter zu fördern und sich für eine Verstetigung der Mittel einzusetzen. Bei allen anderen Positionen liegt Schwesig durchgängig auf der Wahlprogrammlinie der SPD Mecklenburg-Vorpommern.

Peters (CDU): Neutraler als Basis, aber auch teilweise deutlicher

CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters enthält sich beim Smartphone-Verbot nicht: Er stimmt zu, im Einklang mit 82 Prozent der CDU-Direktkandidierenden. Auffällig bei Peters ist seine Positionierung in der Fachkräfte-Frage: Während 55 Prozent der CDU-Bewerber:innen für die Erststimme mehr Investitionen in die Anwerbung ausländischer Fachkräfte befürworten und keine:r ablehnt, positioniert sich Peters neutral. Auch das CDU-Wahlprogramm in Mecklenburg-Vorpommern fordert ausdrücklich eine gezielte Anwerbung ausländischer Fach- und Arbeitskräfte samt internationaler Rekrutierungskampagnen. In der Frage eines Vetorechts für Kommunen beim Ausbau der Windenergie positioniert sich Peters neutral. Auch die CDU-Direktkandidierenden sind hier unentschieden und entscheiden sich zu 50 Prozent für neutral. Bei der Frage nach der Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen positioniert sich Peters deutlicher als sein eigenes Wahlprogramm. Während er im kandidierendencheck einer stärkeren Begrenzung in Tourismusregionen zustimmt, setzt das CDU-Wahlprogramm in Tourismusregionen auf Neubau und Mitarbeiterwohnraum statt auf Nutzungsbeschränkungen.

Holm (AfD): Auf Linie

AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm vertritt durchgängig die Mehrheitsposition seiner Kandidierenden. Bei der Frage nach einem Windkraft-Veto sprechen sich 100 Prozent der teilnehmenden AfD-Direktkandidierenden für ein kommunales Vetorecht aus. Bei der Fachkräfteanwerbung lehnt Holm als einziger Spitzenkandidierender ab.

Oldenburg (Linke): Für ein Windkraft-Veto, anders als die eigenen Kandidierenden

Linke-Spitzenkandidatin Simone Oldenburg liegt bis auf zwei Ausnahmen auf der Linie der Direktkandidierenden der Linke. Allerdings spricht sie sich dafür aus, dass betroffene Kommunen beim Ausbau der Windenergie ein Vetorecht erhalten. Damit stellt sie sich gegen die klare Mehrheit der teilnehmenden Linke-Direktkandidierenden, die mehrheitlich ein solches Vetorecht ablehnt. Auch bei der Frage nach einem verpflichtenden Deutschtest vor der Einschulung positioniert sich Oldenburg neutral und damit anders als die möglichen künftigen Fraktionskolleg:innen, die mit 62 Prozent mehrheitlich ablehnen.

Müller (Grüne): Neutral, wo das Programm eine klare Forderung stellt

Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Müller legt sich bei sechs der 19 Thesen nicht fest. Wo sie sich festlegt, deckt sich ihre Antwort durchgängig mit dem Grünen-Wahlprogramm. für Mecklenburg-Vorpommern Bei einer Frage bleibt sie hinter einer ausdrücklichen Forderung zurück: Das Wahlprogramm will sich für eine Obergrenze der Tierbestände einsetzen; bei der These nach einer gesetzlichen Begrenzung der Nutztierzahl enthält sich Müller jedoch. 

Louiza Charalambous, Plattform-Leiterin bei abgeordnetenwatch, kommentiert:

„Wer nur auf die Parteibuch und Wahlprogramm schaut, wählt womöglich an der eigenen Überzeugung vorbei. Selbst eine Spitzenkandidat:in kann bei zentralen Fragen eine andere Meinung vertreten als die Mehrheit der eigenen Partei, oder sich nicht ausdrücklich festlegen wollen. Die Erststimme entscheidet über eine Person, nicht über ein Programm. Deshalb lohnt es sich, zu wissen, wofür die Person, die den eigenen Wahlkreis vertreten soll, tatsächlich steht." 

Aussagekraft hängt von der Beteiligung ab

Wie belastbar der Vergleich innerhalb einer Partei ist, hängt auch davon ab, wie viele Kandidierende am Check teilnehmen. Am höchsten ist die Beteiligung bei den Grünen (94 Prozent), dem BSW (88 Prozent) und der Linken (81 Prozent), gefolgt von SPD (78 Prozent) und AfD (75 Prozent). Am seltensten beteiligen sich die Kandidierenden von CDU (61 Prozent) und FDP (45 Prozent).