antwortranking 2026: Frei und Reichinnek vorn, Klingbeil und Merz Schlusslichter

Veröffentlicht am

Berlin/Hamburg, 16. Juli 2026 – Auf Bürger:innenfragen antworten und die eigenen Entscheidungen erklären: Das gehört zu den Kernaufgaben von Bundestagsabgeordneten. Wie gut die 630 Abgeordneten diese Aufgabe im vergangenen Jahr erfüllt haben, misst das jährliche antwortranking von abgeordnetenwatch.

Seit 20 Jahren können Bürger:innen über abgeordnetenwatch Abgeordneten des Bundestags, der Landtage und des Europaparlaments öffentlich Fragen stellen. Pünktlich zu den Sommerferien wertet die Organisation anhand der Antwortquote – dem Anteil der beantworteten Fragen – aus, wie dialogbereit die Bundestagsabgeordneten im vergangenen Jahr waren. Die Skala reicht von „hervorragend" bis „keine Auszeichnung". Wie überzeugend die Antworten inhaltlich ausfallen, bleibt dem Urteil der Bürger:innen überlassen.

Das sind die Ergebnisse 2026

Antwortquote:

  • Seit Beginn der Legislaturperiode am 25. März 2025 stellten Bürger:innen 14.122 Fragen. 10.576 davon beantworteten die Abgeordneten. Die durchschnittliche Antwortquote liegt bei 75 Prozent – 5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Bewertungen:

  • „Hervorragend" geht an Abgeordnete, die 90 bis 100 Prozent der Fragen beantworteten. Das erreichen 381 von 630 Abgeordneten.
  • „Vorbildlich" gibt es für 28 Abgeordnete: Sie beantworteten 80 bis 89 Prozent.
  • Als „engagiert" gelten 41 Parlamentarier:innen. Sie beantworteten zwischen 50 und 79 Prozent.
  • Keine Auszeichnung erhalten 178 Abgeordnete.
  • Bei 2 Parlamentarier:innen fehlt eine Bewertung: Sie erhielten bislang keine Frage über abgeordnetenwatch.

Platzierungen: 

  • Auf Platz 1 steht erneut Thorsten Frei (CDU). Der Chef des Bundeskanzleramts erhielt mit 861 die mit Abstand meisten Fragen aller 630 Bundestagsabgeordneten und beantwortete jede. Die Antwortquote von 100 Prozent hält Frei seit seinem Einzug in den Bundestag 2013.
  • Anlässlich seines ersten Platzes im antwortranking sagt Frei:
  • „Als direkt gewählter Abgeordneter des Deutschen Bundestages ist mir die Beantwortung von Bürgerfragen ein wichtiges Anliegen. Gerade in Zeiten, in denen Deutschland innen- und außenpolitisch vor enormen Herausforderungen steht, halte ich Transparenz und Offenheit sowie einen engen Austausch zwischen Politik und Gesellschaft für unerlässlich. Darüber hinaus wirkt die Beantwortung der Bürgeranfragen wie ein Seismograf für die Stimmungslage im Land. Für meine politische Arbeit ist das eine große Hilfe."
  • Ebenfalls eine 100-prozentige Antwortquote erreichen die zweitplatzierte Heidi Reichinnek (Die Linke) mit 289 beantworteten Fragen und Stephan Brandner (AfD) auf Platz 3 mit 273 Antworten.
  • Bärbel Bas (SPD) erhielt die zweitmeisten Fragen und gab mit 544 auch die zweitmeisten Antworten. Weil für das Ranking jedoch die Antwortquote zählt, landet sie in diesem Jahr nicht mehr unter den Top 3, sondern mit acht offenen Fragen und einer Quote von 99 Prozent im Mittelfeld.
  • Am Ende des antwortrankings stehen mehrere prominente Bundestagsabgeordnete, die auf keine einzige Frage antworteten:
  • Den letzten Platz belegt Friedrich Merz (CDU): 376 Fragen, keine Antwort. Direkt davor: Lars Klingbeil (SPD) mit 257 unbeantworteten Fragen. Auch Jens Spahn (CDU), Alice Weidel (AfD) und Boris Pistorius (SPD) schwiegen komplett.

Die Parteien im Ranking:

  • Die höchste durchschnittliche Antwortquote erzielten die Grünen mit 97 Prozent. Es folgen Die Linke mit 91 Prozent und die SPD mit 85 Prozent. Dahinter liegen die CDU (65 Prozent), die CSU (63 Prozent) und die AfD (62 Prozent).
  • Der Abgeordnete des SSW beantwortete alle Fragen und erreichte damit eine Antwortquote von 100 Prozent. Die drei parteilosen Abgeordneten kamen zusammen hingegen lediglich auf 30 Prozent.

„Wer gewählt wird, schuldet den Bürger:innen Antworten, kein Schweigen", sagt Louiza Charalambous, Plattformleitung bei abgeordnetenwatch. „Gerade erleben wir wegen des Reformpakets der Bundesregierung einen enormen Frageansturm. Das zeigt: Die Menschen wollen verstehen, warum Politik so entscheidet, wie sie entscheidet. Wer diese Fragen ignoriert, weil sie Arbeit machen oder unbequem sind, verspielt leichtfertig Vertrauen."

Wie der Dialog auf abgeordnetenwatch funktioniert

Seit 2004 ermöglicht abgeordnetenwatch als gemeinnützige Organisation einen kostenlosen, überparteilichen und öffentlichen Austausch zwischen Bürger:innen und Abgeordneten. Ein Moderationsteam prüft jede Frage vor der Veröffentlichung. Freigeschaltet wird nur, was dem Moderationscodex entspricht – nichts Beleidigendes, nichts Diskriminierendes. Private Fragen ohne Bezug zur parlamentarischen Arbeit bleiben außen vor.

Auf der spendenfinanzierten Plattform stellten Bürger:innen bislang mehr als 350.000 Fragen an ihre Vertreter:innen in Bundestag, Landtagen und EU-Parlament. So entstand ein öffentlich zugängliches digitales Wähler:innengedächtnis, das politische Aussagen langfristig nachvollziehbar macht.