Soll das Wahlalter bei der Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026 auf 16 Jahre gesenkt werden? Soll das Lobbyregister verschärft werden? Und soll Bauen in Hochwasserrisikogebieten künftig verboten sein?
Zu diesen und 14 weiteren politischen Kernfragen des Wahlkampfs hat abgeordnetenwatch die 404 Direktkandidierenden aus den 52 Wahlkreisen zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz befragt. 328 Kandidierende haben bereits ihre Positionen zu zentralen Wahlkampfthemen veröffentlicht – mit klaren Antworten: dafür, dagegen oder neutral.
Die Auswertung des kandidierendenchecks zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026 zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Parteien und ihren Wahlprogrammen, aber auch Konfliktlinien innerhalb der aktuellen Regierungskoalition. Ein Blick auf die Spitzenkandidierenden der Parteien zeigt zudem: Sie stimmen besonders häufig mit der offiziellen Parteilinie im Wahlkampf überein – deutlich stärker als zuletzt bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg.
Hier unsere Auswertung:
Beteiligung der Direktkandidierenden nach Parteizugehörigkeit:
- Linke: 94 Prozent
- Volt: 94 Prozent
- Grüne: 92 Prozent
- SPD: 92 Prozent
- BSW: 85 Prozent
- CDU: 81 Prozent
- Freie Wähler: 77 Prozent
- FDP: 71 Prozent
- AfD: 46 Prozent
Thema Bildung, Kinder und Jugendliche
These 1: Schulen in Rheinland-Pfalz sollen angehalten werden, Jugendoffiziere der Bundeswehr einzuladen.
- CDU und AfD: nahezu geschlossene Zustimmung
- Linke: geschlossene Ablehnung (eine neutrale Stimme)
- Grüne: 15 Prozent neutral, 7 Prozent Zustimmung, 78 Prozent Ablehnung
- SPD und Volt: keine einheitliche Linie, überwiegend neutral
Bei dieser Frage zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Grünen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Während sich 70 Prozent der Grünen-Direktkandidierenden in Baden-Württemberg neutral positionieren, sprechen sich 78 Prozent der Grünen-Kandidierenden zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz klar gegen Bundeswehrbesuche an Schulen aus.
Auch innerhalb der aktuellen Regierungskoalition aus SPD, Grünen und FDP gehen die Meinungen auseinander: Die Spitzenkandidierenden der drei Parteien vertreten in dieser Wahlkampffrage unterschiedliche Positionen.
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Neutral
Gordon Schnieder (CDU): Zustimmung
Jan Bollinger (AfD): Zustimmung
Katrin Eder (Grüne): Ablehnung
Rebecca Ruppert (Linke): Ablehnung
Daniela Schmitt (FDP): Zustimmung
These 2: Die private Nutzung von Smartphones soll an Schulen in Rheinland-Pfalz grundsätzlich verboten werden.
- etwas Streuung in allen Parteien, weniger klare Parteilinie
- Grüne mit 80 Prozent dagegen, bei der CDU 83 Prozent dafür, SPD 88 Prozent Ablehnung
- Linke und FDP auch mehrheitlich dagegen
- Freie Wähler jeweils ein Drittel Zustimmung, Ablehnung, neutral
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Ablehnung
Gordon Schnieder (CDU): Zustimmung
Jan Bollinger (AfD): Neutral
Katrin Eder (Grüne): Ablehnung
Rebecca Ruppert (Linke): Ablehnung
Daniela Schmitt (FDP): Ablehnung
These 3: Rheinland-Pfalz soll allen Schüler:innen ein kostenloses Deutschlandticket anbieten.
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Ablehnung
Gordon Schnieder (CDU): Zustimmung
Jan Bollinger (AfD): Ablehnung
Katrin Eder (Grüne): Zustimmung
Rebecca Ruppert (Linke): Zustimmung
Daniela Schmitt (FDP): Ablehnung
Thema Inneres und Sicherheit
These 4: Geflüchtete sollen weiterhin vorwiegend in Sammelunterkünften statt in regulären Wohnungen untergebracht werden.
- BSW unentschieden bei der These
- CDU überwiegend dafür (85 Prozent), die AfD geschlossen
- auch SPD (73 Prozent) und Freie Wähler (52 Prozent) mehrheitlich dafür
- FDP mit 49 Prozent dagegen, Linke und Grüne fast vollständig dagegen
Hinweis: Die Linke Spitzenkandidatin positionierte sich zunächst anders als der Rest ihrer Partei für eine Unterbringung in Sammelunterkünften. Nach dem Hinweis, dass diese Angabe ein Versehen war, haben wir Position im kandidierendencheck korrgiert.
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Zustimmung
Gordon Schnieder (CDU): Zustimmung
Jan Bollinger (AfD): Zustimmung
Katrin Eder (Grüne): Ablehnung
Rebecca Ruppert (Linke): Ablehnung (vorherige Position: Zustimmung)
Daniela Schmitt (FDP): Ablehnung
These 5: Die zukünftige Landesregierung soll sich aktiv für den dauerhaften Erhalt der US-Militärstützpunkte wie Ramstein einsetzen.
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Zustimmung
Gordon Schnieder (CDU): Zustimmung
Jan Bollinger (AfD): Zustimmung
Katrin Eder (Grüne): Neutral
Rebecca Ruppert (Linke): Ablehnung
Daniela Schmitt (FDP): Zustimmung
Demokratie und Transparenz:
These 6: Die zukünftige Landesregierung soll sich im Bundesrat für die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahren einsetzen.
- Neben der AfD auch das BSW fast geschlossen dagegen
- CDU 79 Prozent Ablehnung, FDP 51 Prozent und einige neutral
- Freie Wähler 41 Prozent neutral, ähnlich viele dagegen und ein paar stimmen zu
- bei den restlichen Parteien sehr starke Zustimmung
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Zustimmung
Gordon Schnieder (CDU): Ablehnung
Jan Bollinger (AfD): Ablehnung
Katrin Eder (Grüne): Zustimmung
Rebecca Ruppert (Linke): Zustimmung
Daniela Schmitt (FDP): Neutral
These 7: Treffen von Abgeordneten mit Lobby-Akteuren sollen im Lobbyregister von Rheinland-Pfalz veröffentlicht werden müssen.
- bei den meisten Parteien hundertprozentige Zustimmung!
- CDU: nur 10 Prozent Zustimmung, 64 Prozent Ablehnung und 26 Prozent neutral
- FDP: 38 Prozent Zustimmung, 35 Prozent Ablehnung, 27 Prozent neutral
- AfD und Freie Wähler jeweils eine Person, die nicht zustimmt, bei der SPD sind drei neutral
Knapp 80 Prozent der Direktkandidierenden sind für mehr Lobbytransparenz. Nur Kandidierende der CDU und der FDP sind dagegen.
Spitzenkandidierende:
Alexander Schweitzer (SPD): Zustimmung
Gordon Schnieder (CDU): Ablehnung
Jan Bollinger (AfD): Zustimmung
Katrin Eder (Grüne): Zustimmung
Rebecca Ruppert (Linke): Zustimmung
Daniela Schmitt (FDP): Ablehnung
Vergleich der Spitzenkandidierenden
Häufigkeit neutraler Positionierungen:
- Alexander Schweitzer (SPD): 2
- Gordon Schnieder (CDU): 0
- Jan Bollinger (AfD): 2
- Katrin Eder (Grüne): 1
- Rebecca Ruppert (Linke): 0
- Daniela Schmitt (FDP): 4
Übereinstimmung mit dem jeweiligen Parteidurchschnitt
- Alexander Schweitzer (SPD): 15/15 Thesen
- Gordon Schnieder (CDU): 15/15 Thesen
- Jan Bollinger (AfD): 13/15 Thesen
- Katrin Eder (Grüne): 15/15 Thesen
- Rebecca Ruppert (Linke): 13/15 Thesen
- Daniela Schmitt (FDP): 10/15 Thesen
kandidierendencheck - Wähle weise in Rheinland-Pfalz.
Der kandidierendencheck von abgeordnetenwatch ist eine kostenlose Online-Wahlhilfe zur Landtagswahl Rheinland-Pfalz 2026 – ähnlich einem Erststimmen Wahl-O-Mat für Rheinland-Pfalz. Wähler:innen können zu 17 politischen Thesen ihre Position angeben („stimme zu“, „lehne ab“, „neutral“) und ihre Antworten mit denen der Direktkandidierenden im eigenen Wahlkreis vergleichen.
Nach Eingabe der Postleitzahl zeigt die Auswertung, mit welchen Kandidierenden und Parteien die größte inhaltliche Übereinstimmung besteht. Die Thesen greifen zentrale Themen des Wahlkampfs und der Landespolitik in Rheinland-Pfalz auf und machen Unterschiede zwischen den Wahlprogrammen und politischen Positionen innerhalb der Parteien sichtbar. Alle Angaben der Kandidierenden zur Landtagswahl sind transparent einsehbar und bleiben auch nach der Wahl öffentlich abrufbar.