Verpflichtender Besuch einer NS-Gedenkstätte

Die Freien Wähler scheiterten mit ihrem Antrag, den Besuch einer NS-Gedenkstätte auch in den Lehrplänen von Real-, Haupt- und Förderschulen zu verankern.

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Dafür gestimmt
60
Dagegen gestimmt
68
Enthalten
2
Nicht beteiligt
50
Abstimmungsverhalten von insgesamt 180 Abgeordneten.

Die Freien Wähler forderten in ihrem Antrag einen verpflichtenden Besuch einer KZ-Gedenkstätte oder eines NS-Dokumentationszentrums auch für Förder-, Mittel- und Realschulen. Bisher ist dieser Besuch lediglich für bayerische Gymnasiasten obligatorisch.
Für ihren Antrag erhielten die Freien Wähler Unterstützung der anderen Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Argumente waren unter anderem der besorgniserregende Anstieg von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, insbesondere in Bayern.
Laut der Studie der Bertelsmann-Stiftung "Deutsche und Juden - Verbindende Vergangenheit, trennende Gegenwart?" wollen 58 % der Befragten einen finalen Schlussstrich unter das Thema der Judenverfolgung ziehen und nicht mehr so oft darüber sprechen. 81 % der Befragten möchten die Geschichte der Shoa hinter sich lassen. Dieses Ergebnis sei alarmierend.
Die vier Säulen Gedenken, Dokumentation, Forschung und Bildung seien essentiell. Besonders durch eine gute Bildung könne Parolen und Ressentiments entgegengewirkt und Hass und Verbrechen vorgebeugt werden. Einen Unterschied bei den einzelnen Schularten sehen die Befürworter des Antrags hierbei nicht.
Gerade in Schulen, die viele Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund besuchen, müsse man eine Erinnerungskultur aufbauen und dafür seien Begegnungen und Besuche geschichtsträchtiger Orte genau richtig. Denn etwas zu verleugnen oder zu ignorieren, das man gelesen hat, sei leicht, anders sei das, wenn man eine KZ-Gedenkstätte besucht hat.
Außerdem sei, um das Grauen der NS-Zeit zu verstehen, kein Bildungsgrad und kein Intelligenzquotient notwendig.
Die CSU-Fraktion argumentierte dagegen, gerade bei Förderschulen sei "ein achtsamer Blick, vor allem auf Schülerinnen und Schüler mit kognitiven und emotionalen Einschränkungen, notwendig." Gerade auf Haupt- und Förderschulen seien viele Flüchtlings- und Migrantenkinder, die meisten davon Muslime. Diese hätten keinen Zugang zu unserer Vergangenheit. Der Besuch von KZ-Gedenkstätten sei außerdem kein Mittel, um Antisemitismus vorzubeugen.
Weiterführende Links:
Pflichtbesuch, was sonst? Lisa Scheremet, Jüdische Allgemeine
Zentralrat der Juden: Jeder Schüler soll KZ-Gedenkstätte besuchen Zeit Online

Kommentare

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"Gerade in Schulen, die viele Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund besuchen, müsse man eine Erinnerungskultur aufbauen und dafür seien Begegnungen und Besuche geschichtsträchtiger Orte genau richtig. Denn etwas zu verleugnen oder zu ignorieren, das man gelesen hat, sei leicht, anders sei das, wenn man eine KZ-Gedenkstätte besucht hat."

Sind denn nur KZs geschichtsträchtige Orte? Besteht unsere Vergangenheit nur aus KZs und der Zeit des Dritten Reiches? Wer glaubt eigentlich, man könne Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus mit dem Zwangsbesuch eines KZs mindern oder gar auslöschen? Schwachsinn!

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Gerade in alternativen Schulformen (zum Gymnasium) kommen viele wichtige Bildungsbereiche zu kurz. Wissen um Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft, IT und Kultur sind Themen die für moderne aufgeklärte und mündige Bürger extrem wichtig sind.
Das man hier einen großen Teil der Bevölkerung von diesen Themen ausschließt, ist ein großer Fehler.

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Wehren hier alle Abgeordneten aus den reihen der SPD.Grünen und Freien Wähler dagewesen hätte der Antrag beschlossen werden können ich glaube es nicht das wäre doch mal ein Triumph gewesen.

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Entweder der Besuch ist für alle Schularten verpflichtend - oder gar nicht. Ich war am Gymnasium und habe eine Gedenkstätte verpflichtend besucht - man erleidet dadurch sicherlich keinen Nachteil.
Dass der Besuch überhaupt verpflichtend im Lehrplan stand, wussten wahrscheinlich die wenigsten Schüler. Es war einfach selbstverständlich, dass an der Schule Exkursionen stattfinden.
Die Argumentation, dass bestimmte Gruppen keinen Zugang zur deutschen Vergangenheit haben und deswegen sozusagen vom verpflichtenden Besuch ausgeschlossen werden, ist meiner Ansicht nach sehr herablassend formuliert.
Ich hatte in meinem Leben auch noch keinen Zugang zur muslimischen Religion - bis wir mit der Schule eine Moschee besucht haben. Es kann nie schaden, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, auch wenn man bis dato noch "keinen Bezug dazu" hatte.
Fazit: entweder für alle verpflichtend oder gar nicht!
In der Zwischenzeit kann man für Real-, Mittel- und Förderschule auf engagierte Lehrer hoffen!

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