Gehälter, Gewinne, Mieteinnahmen

Diese Nebeneinkünfte haben die Abgeordneten im Bundestag

Hunderttausende Euro aus Vermietungen, Firmenbeteiligungen oder Vorträgen: Eine Auswertung von abgeordnetenwatch und dem SPIEGEL zeigt die größten Nebenverdienste im Bundestag, mögliche Interessenkonflikte – und erstmals die Nebeneinkünfte aller 630 Abgeordneten im Überblick.

von Martin Reyher, Tania Röttger, Lisa Wölfl und Andrea Knabe-Schönemann, 22.06.2026
Plenarsaal während einer Bundestagssitzung, ein Teil der Abgeordneten über alle Fraktionen hinweg ist orange hervorgehoben

11.833 Euro monatlich erhalten Bundestagsabgeordnete für ihr Mandat. Mehr als jede:r Dritte erzielt daneben weitere Einkünfte.

Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten: Das Wichtigste in Kürze

  • 232 der 630 Bundestagsabgeordneten haben Nebeneinkünfte oder geldwerte Vorteile gemeldet.
  • Seit Beginn der Wahlperiode meldeten die Abgeordneten Nebeneinkünfte von mehr als 10,6 Millionen Euro.
  • Mit 2,7 Millionen Euro führt Ophelia Nick (Grüne) die Liste der Nebeneinkünfte an.
  • In der CDU/CSU-Fraktion hat jede:r Zweite Nebeneinkünfte.
  • Die Recherche zeigt zudem potenzielle Interessenkonflikte sowie Fälle unvollständiger oder verspäteter Offenlegungen.

Im Juli 2025 gründen die AfD-Abgeordneten Sebastian Münzenmaier und Bernd Schattner eine gemeinsame Immobilienfirma. Beide steigen mit jeweils 20 Prozent in das Unternehmen ein. Beide übernehmen die Geschäftsführung, die sie bis heute innehaben.

Als abgeordnetenwatch am Montag der vergangenen Woche bei Münzenmaier nachfragt, fehlt die Rotbart Immobilien GmbH auf seiner Bundestagsseite. Bei seinem Fraktionskollegen Schattner ist sie aufgeführt.

Wie verlässlich sind die Angaben der Abgeordneten?

Der Fall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Was sind die Angaben der Abgeordneten wert?

Bundestagsabgeordnete müssen Nebentätigkeiten und Unternehmensbeteiligungen ab fünf Prozent offenlegen, dafür haben sie drei Monate Zeit. Die Angaben sollen transparent machen, womit Politiker:innen neben ihrem Mandat Geld verdienen – und ob sie über Regeln entscheiden, von denen sie selbst profitieren können.

Ob tatsächlich alle meldepflichtigen Tätigkeiten und Beteiligungen offengelegt werden, lässt sich von außen jedoch schwer überprüfen.

Gemeinsam mit dem SPIEGEL hat abgeordnetenwatch die Selbstauskünfte aller 630 Bundestagsabgeordneten ausgewertet. Die Analyse zeigt nicht nur, wer neben dem Mandat besonders hohe Einkünfte erzielt und aus welchen Tätigkeiten das Geld stammt. Sie offenbart auch potenzielle Interessenkonflikte und Lücken bei den Offenlegungen. Eine Liste mit den Nebeneinkünften aller Abgeordneten gibt es weiter unten im Artikel.

MdB Sebastian Münzenmaier (AfD) am Rednerpult bei einer Parteiveranstaltung
Selbstauskunft mit Lücken: Seine Beteiligung an einer Immobilienfirma meldete AfD-Fraktionsvize Sebastian Münzenmaier erst viele Monate später. Zudem sind auf seiner Bundestagsseite zwei Geschäftsführerfunktionen nicht aufgeführt.

Inzwischen ist Münzenmaiers Beteiligung an der Rotbart Immobilien GmbH auf seiner Bundestagsseite veröffentlicht. Dass sie dort monatelang fehlte, ist für ihn kein Regelverstoß. Im Gegenteil: Die Beteiligung sei überhaupt nicht meldepflichtig gewesen, behauptet Münzenmaier – die Gesellschaft diene lediglich „der privaten Vermögensverwaltung“.

Ein Blick ins Handelsregister zeichnet jedoch ein anderes Bild. Die Rotbart Immobilien GmbH hat fünf Gesellschafter und soll laut Unternehmenszweck Immobilien kaufen, verkaufen und Projekte entwickeln. Ob die Firma bereits Geschäfte macht oder nicht, spielt für die Offenlegung keine Rolle.

Fehlende Angaben und seltene Konsequenzen

Damit ist die Angelegenheit nicht erledigt. Auf Münzenmaiers Bundestagsseite fehlen weiterhin zwei Geschäftsführerposten – einer bei der Immobilienfirma, ein weiterer bei einem Kommunikationsunternehmen. Warum er beide Funktionen nicht angegeben hat, ließ der AfD-Fraktionsvize unbeantwortet.

Für Verstöße gegen die Offenlegungspflichten kann Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) ein Ordnungsgeld von bis zu 70.000 Euro festsetzen. Wirksam wurde eine solche Sanktion bislang nur in einem Fall: gegen die inzwischen verstorbene CDU-Abgeordnete Karin Strenz. Stattdessen bleibt es fast immer bei einer internen Ermahnung.

Solche Fälle sind jedoch die Ausnahme. Die große Mehrheit der Abgeordneten legt ihre Nebentätigkeiten, Funktionen und Unternehmensbeteiligungen offen. 232 der 630 Bundestagsabgeordneten erzielen zusätzliche Einkünfte oder geldwerte Vorteile. 

Manche verdienen neben ihrem Mandat ein Vielfaches der Diäten.

Wer hat die höchsten Nebeneinkünfte im Bundestag?

Die höchsten Nebeneinkünfte im Bundestag meldeten seit Beginn der Wahlperiode folgende Abgeordnete:

  • Ophelia Nick (Grüne): 2,7 Millionen Euro
    Der Großteil der Summe stammt aus Gewinnausschüttungen von Unternehmen, die am Technologiekonzern Voith beteiligt sind. Die Anteile hat Nick geerbt.

  • Alexander Engelhard (CSU): 1,5 Millionen Euro
    Fast die gesamte Summe stammt aus seiner Tätigkeit als Betreiber einer Bio-Getreidemühle.

  • Sebastian Maack (AfD): 439.000 Euro
    Seine Einkünfte stammen aus 72 Vermietungen.

  • Fritz Güntzler (CDU): 425.000 Euro
    Den Großteil seiner Einkünfte erzielt er durch Gewinnausschüttungen zweier Steuerberatungskanzleien, hinzu kommen Gehälter als Wirtschaftsprüfer und Steuerberater.

  • Enrico Komning (AfD): 345.000 Euro
    Die Einkünfte stammen aus seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt. Dem Bundestag meldete er mehr als 80 Mandant:innen seiner Kanzlei in Neubrandenburg.

Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten: Die vollständige Liste

[Liste mit allen Nebeneinkünften: Falls die Liste nicht sichtbar ist, aktiviere bitte den Schieberegler „Externer Inhalt“.]

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Nebeneinkünfte in Millionenhöhe – was steckt dahinter?

Die hohen Nebeneinkünfte haben ganz unterschiedliche Quellen: von Mieteinnahmen über Unternehmensbeteiligungen bis hin zu eigenen Betrieben und freiberuflicher Tätigkeit.

Der CSU-Abgeordnete Alexander Engelhard meldete seit Beginn der Wahlperiode Nebeneinkünfte von rund 1,5 Millionen Euro. Er betreibt eine Biomühle und einen Hofladen im schwäbischen Attenhofen. Auf seiner Bundestagsseite listet er mehr als 30 Kunden auf, darunter Bäckereien und Tierfutterproduzenten.

Foto von MdB Alexander Engelhard (CSU) am Rednerpult des Bundestags
Alexander Engelhard (CSU) verdient mit seiner Biomühle rund 1,5 Millionen Euro. Im Agrarausschuss des Bundestags wirkt er an der Landwirtschaftspolitik der Union entscheidend mit.

Engelhard gehört dem Ausschuss für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat an. Als Obmann der Unionsfraktion prägt er dort den agrarpolitischen Kurs seiner Fraktion. Zu einem möglichen Interessenkonflikt äußerte sich Engelhard auch auf wiederholte Nachfrage nicht.

Von 7,9 Millionen auf 0 Euro in kurzer Zeit

Jahrelang gehörte der Landwirt Albert Stegemann (CDU) zu den Spitzenverdienern im Parlament. Für die vergangene Legislaturperiode berechnete abgeordnetenwatch Einkünfte von rund 7,9 Millionen Euro aus seinem Milchviehbetrieb.

Heute meldet Stegemann keine Nebeneinkünfte mehr. Der CDU-Politiker hat sich aus der Geschäftsführung zurückgezogen, die Leitung des Betriebs übernahm seine Cousine. Laut Stegemann erfolgte der Schritt aus steuerlichen Gründen und hatte keinen Bezug zu seinem Bundestagsmandat.

Eigentümer bleibt Stegemann weiterhin. Ob ihm die Beteiligung künftig wieder Einkünfte einbringt, lässt sich derzeit nicht sagen. Aktuelle Jahresabschlüsse liegen noch nicht vor.

Wenn das Geld aus Unternehmensbeteiligungen kommt

MdB Ophelia Nick (Grüne) am Rednerpult im Bundestag
2,7 Millionen Euro aus geerbten Firmenanteilen: Die Grünen-Abgeordnete Ophelia Nick meldete die höchsten Nebeneinkünfte aller Bundestagsabgeordneten.

Anders als bei vielen anderen Spitzenverdiener:innen stammen Ophelia Nicks Nebeneinkünfte nicht aus einer beruflichen Tätigkeit. Die Grünen-Abgeordnete meldete seit Beginn der Wahlperiode mehr als 2,7 Millionen Euro aus Unternehmensbeteiligungen.

Die Zahlungen stammen aus drei Unternehmen, an denen Nick beteiligt ist. Zwei davon halten Anteile am Technologiekonzern Voith, einem Hersteller von Papiermaschinen und Wasserkraftturbinen.

Nick erklärte auf Anfrage, sie sei weder für die Voith Group tätig noch an operativen Entscheidungen des Unternehmens beteiligt. Einen Zusammenhang mit ihrer politischen Arbeit sieht sie nicht.

Wie viel Nebentätigkeit verträgt ein Bundestagsmandat?

Bei Gregor Gysi fällt die Antwort besonders schwer. Der Linken-Politiker gehört zu den Spitzenverdienern im Parlament. Wer seine zahlreichen Tätigkeiten außerhalb des Bundestags betrachtet, fragt sich unweigerlich: Was ist bei ihm eigentlich der Hauptjob?
 

Banner-Grafik zu Nebeneinkünften von Abgeordneten, die zur interaktiven Wahlkreiskarte verlinkt. Im Hintergrund sind links der Bundestagsplenarsaal und rechts eine in unterschiedlichen Farbtönen eingefärbte Wahlkreiskarte Deutschlands zu sehen. Darüber steht in großer weißer Schrift: „Diese Nebeneinkünfte haben die Abgeordneten in deinem Wahlkreis“. Ein Hand-Cursor zeigt auf einen exemplarischen Wahlkreis.


Seit Beginn der Wahlperiode im März 2025 trat Gysi mehr als 70 Mal gegen Honorar auf – für Moderationen, Lesungen und Podcasts. Hinzu kommen Bucherlöse. Insgesamt meldete der Linken-Politiker Nebeneinkünfte von rund 250.000 Euro.

Gleichzeitig gehört Gysi zu den Abgeordneten mit den meisten Fehlzeiten bei namentlichen Abstimmungen. Bei 26 von 57 Abstimmungen war er nicht anwesend. Allein am 13. November 2025 verpasste Gysi sieben namentliche Abstimmungen. Nur einmal stimmte er mit ab: bei einem Gesetzentwurf zur Bekämpfung von Schwarzarbeit.

MdB Gregor Gysi (Linke) bei einer Podiumsveranstaltung mit Mikrofon in der Hand
Hohe Nebeneinkünfte, viele Fehlzeiten: Gregor Gysi (Linke) will künftig öfter im Bundestag präsent sein.

Weidel, Gysi, Pistorius: Wie viel verdienen bekannte Bundestagsabgeordnete neben dem Mandat?

Gregor Gysi (Linke) verdiente seit Beginn der Wahlperiode rund 250.000 Euro mit Vorträgen, Moderationen und Buchveröffentlichungen. Armin Laschet (CDU) erhält für mehrere Funktionen in Stiftungen jährlich mehr als 115.000 Euro. Ricarda Lang (Grüne) meldete 21.400 Euro aus einer Buchveröffentlichung, Alice Weidel (AfD) 16.600 Euro aus Verlags- und Medientätigkeiten. Carsten Linnemann verdient als CDU-Generalsekretär monatlich 11.200 Euro, Boris Pistorius (SPD) erhielt 3.000 Euro für ein Stiftungsamt.

Eine Obergrenze für Nebeneinkünfte gibt es nicht. Die Regeln verlangen lediglich, dass die parlamentarische Arbeit Vorrang hat.

Nach Recherchen von abgeordnetenwatch trat Gysi an diesem Tag in München bei einer Veranstaltung der Recruitingagentur Synsero auf. Dass er für den Vortrag 7.000 Euro erhielt, lässt sich inzwischen auf seiner Bundestagsseite nachlesen.

Gysi bestreitet, dass seine Nebentätigkeiten seine Arbeit als Abgeordneter beeinträchtigen. Die vielen versäumten Abstimmungen bedauere er. Seine Terminplanung habe er inzwischen geändert. „So werden Sie erleben, dass ich 2026 weitaus weniger fehle.“ 

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Wenn Abgeordnete in eigener Sache entscheiden 

Henri Schmidt (CDU) führt neben seinem Bundestagsmandat weiterhin ein IT-Unternehmen. Als Geschäftsführer der Convotis Köln GmbH erhält er dafür monatlich mehr als 7.100 Euro.

Gleichzeitig sitzt Schmidt im Digitalausschuss des Bundestags. Dort werden die politischen Rahmenbedingungen für die Digitalwirtschaft mitgestaltet.

Ein Problem sieht der CDU-Abgeordnete nicht. Die Convotis Köln arbeite nicht für öffentliche Auftraggeber, sondern erbringe IT-Dienstleistungen für Steuerberater. „Sollte jemals ein Interessenkonflikt auftreten, würde ich dies melden und der Abstimmung fernbleiben“, erklärte er.

MdB Henri Schmidt (CDU) im Bundestagsplenum, greift sich mit der linken Hand an die Stirn
Mehr als 7.100 Euro monatlich erhält Henri Schmidt als Geschäftsführer eines IT-Unternehmens. Im Bundestag gestaltet der CDU-Abgeordnete zugleich die Digitalpolitik mit.

Welche Bundestagsabgeordneten sitzen in Aufsichtsräten?

159 Bundestagsabgeordnete sitzen nach eigenen Angaben in Aufsichtsräten von Unternehmen. Das entspricht jedem vierten Mitglied des Bundestags. Für ihre Mandate bei Eckert & Ziegler SE erhielten Albert Rupprecht (CSU) 40.050 Euro, bei der neoshare AG Tilman Kuban (CDU) 40.000 Euro. Lars Rohwer (CDU) und Maja Wallstein (SPD) meldeten für ihre Tätigkeit bei der LEAG jeweils 11.900 Euro. Die meisten Aufsichtsratsmandate werden allerdings nicht vergütet.

Bezahlte Aufsichtsratsmandate sind besonders problematische Nebentätigkeiten, da Abgeordnete im Bundestag über Gesetze und Rahmenbedingungen entscheiden, die die Geschäfte der Unternehmen direkt beeinflussen können.

Hohe Mieteinnahmen – und gleichzeitig Einfluss auf die Regeln

Besonders häufig überschneiden sich wirtschaftliche Interessen und politische Zuständigkeiten in der Immobilien- und Energiepolitik.

Beispiel Wohnungsmarkt: Über Mietrecht, Wohnungsbau und Regulierung entscheidet der Bundestag regelmäßig. Zugleich erzielen manche Abgeordnete als Vermieter:innen erhebliche Einnahmen.

Der AfD-Abgeordnete Sebastian Maack meldete 439.000 Euro aus 72 Vermietungen. Damit ist er nicht allein: Der Immobilienmakler Carsten Körber (CDU) kommt mit acht Kunden auf 62.000 Euro. Siegfried Walch (CSU) und Micha Fehre (AfD) führen 20 beziehungsweise sieben Mieter:innen auf, beziffern die daraus erzielten Einnahmen jedoch nicht.

Vor der Bundestagswahl sprachen sich alle vier im Kandidierendencheck von abgeordnetenwatch gegen einen Mietendeckel aus. Ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen auf dem Immobilienmarkt sind in diesem Kontext ein relevantes Detail.

Maack ließ über einen Sprecher mitteilen, sich “zu privaten Sachverhalten” nicht äußern zu wollen. Körber, Walch und Fehre reagierten bis zur Veröffentlichung des Artikels nicht auf Anfrage.

MdB Sebastian Maack (AfD) im Plenarsaal
Der AfD-Abgeordnete Sebastian Maack meldete 439.000 Euro Einnahmen aus Vermietungen. Einen Mietendeckel lehnt er ab.

Diese Bundestagsabgeordneten haben Unternehmensbeteiligungen

Hohe Nebeneinkünfte stammen teilweise aus Unternehmensbeteiligungen. Die Grünen-Abgeordnete Ophelia Nick meldete aus mehreren Beteiligungen Gewinnausschüttungen von rund 2,7 Millionen Euro.

Zu den Abgeordneten mit Unternehmensanteilen gehören Andreas Mattfeldt (CDU), Josephine Ortleb (SPD) und Christian von Stetten (CDU). Mattfeldt hält Anteile an der Königlich Preussische Biermanufactur GmbH, Ortleb an dem Saarbrücker Restaurant „Tomate“. Von Stetten meldet sogar 16 direkte und indirekte Beteiligungen an Unternehmen aus der Bau-, Immobilien- und Energiebranche. Derzeit melden sie daraus jedoch keine veröffentlichungspflichtigen Ausschüttungen.

Weitere Abgeordnete halten Beteiligungen an Immobilienunternehmen, Solarparks oder Photovoltaikanlagen.

Kohlekonzern, Solaranlage, Kernkraftwerk

Ähnliches zeigt sich in der Energiepolitik. 

Die Abgeordneten Lars Rohwer (CDU) und Maja Wallstein (SPD) sitzen im Aufsichtsrat des Kohlekonzerns Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). Dafür erhalten sie jeweils 11.900 Euro im Jahr.

Die LEAG wirbt in Berlin aktiv für ihre Interessen. Im Lobbyregister gibt der Konzern an, insbesondere bei laufenden Gesetzgebungs- und Verordnungsverfahren das Gespräch mit Regierung und Parlament zu suchen. In Positionspapieren fordert er unter anderem einen „Fast Track“ für neue Gaskraftwerke und erklärt: „2026 muss das Jahr des diskriminierungsfreien Kraftwerksneubaus werden.“

Im November 2025 ging es im Energieausschuss um Milliarden für den Kohleausstieg. Davon profitiert auch die LEAG: Für die Stilllegung ihrer Braunkohleanlagen kann das Unternehmen bis zu 1,75 Milliarden Euro erhalten. Rohwer erklärte gegenüber abgeordnetenwatch, er habe seine Aufsichtsratstätigkeit in der Sitzung offengelegt. Ein offizielles Bundestagsdokument bestätigt das. Wallstein gehörte dem Ausschuss zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an, daher gebe es keinen Interessenkonflikt, schrieb sie auf Anfrage.
 

Infografik zu Nebeneinkünften von Abgeordneten. Vor einem dunkel überlagerten Foto eines Plenarsaals stehen drei Kennzahlen: 26 Prozent haben monatliche Nebeneinkünfte, 11 Prozent geben Beteiligungen an Unternehmen an und 39 Prozent haben Posten in Unternehmen. Stand: Mai 2026.


Auch Abgeordnete mit Beteiligungen an Photovoltaikanlagen weisen den Vorwurf eines Interessenkonflikts zurück. Helge Limburg (Grüne) erklärte, an entsprechender Gesetzgebung nie mitgewirkt zu haben. Die Ausschüttungen aus seiner Beteiligung lägen meist im niedrigen vierstelligen, zuletzt sogar nur im dreistelligen Bereich. Matthias Gastel (Grüne) erzielt nach eigenen Angaben nur noch 23 Euro monatlich aus seiner Photovoltaikanlage. Früher seien die Einnahmen höher gewesen, solange die Anlage noch EEG-gefördert war.

Der grundsätzliche Interessenkonflikt bleibt: Manche Abgeordnete entscheiden im Parlament über Regeln und Förderungen, die Unternehmen, Branchen oder Märkte betreffen, aus denen sie selbst Einkünfte beziehen.

Welche Nebeneinkünfte nicht angegeben werden müssen

Die Bezüge von Fraktionsvorsitzenden müssen nicht offengelegt werden. Die Gehälter von Kanzler Merz und seinen Minister:innen sind ebenfalls nicht meldepflichtig, aber öffentlich bekannt.

Auch bei Unternehmensbeteiligungen gibt es Ausnahmen. Offenlegungspflichtig sind Anteile erst ab fünf Prozent. Bei börsennotierten Großkonzernen wird diese Schwelle praktisch nie erreicht: Selbst Aktien im Millionenwert entsprechen dort oft nur einem Bruchteil eines Prozents.

Nicht offengelegt werden müssen außerdem Beteiligungen an Personengesellschaften, die Immobilien im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung vermieten oder verpachten. Die daraus erzielten Erträge können den Abgeordneten dennoch zugutekommen.

Für Kernenergie werben – und von einem AKW bezahlt werden

Noch unmittelbarer ist der Fall Paul Schmidt. Der AfD-Abgeordnete arbeitete vor seinem Einzug in den Bundestag als Physiker im Kernkraftwerk Philippsburg, das dem Energiekonzern EnBW gehört. Auch heute führt Schmidt die Tätigkeit noch in seiner Selbstauskunft auf.

Schmidt ist innerhalb der AfD eine der wichtigsten Stimmen für die Kernenergie. Als Leiter der parteiinternen Arbeitsgemeinschaft Kernkraft wirbt er regelmäßig für eine Rückkehr zur Atomkraft in Deutschland.

Trotzdem erhält Schmidt nach eigenen Angaben bis heute monatlich 2.700 Euro für seine Tätigkeit im Kernkraftwerk Philippsburg. Doch das AKW ist seit Jahren stillgelegt und zu großen Teilen zurückgebaut. Welche Tätigkeit übt er dort noch aus?

Auf wiederholte Anfrage reagierte der AfD-Abgeordnete nicht.


Mehr Recherchen von abgeordnetenwatch:


Ein Blick auf die Selbstauskünfte aller Abgeordneten zeigt, wie stark sich Nebentätigkeiten zwischen den Fraktionen unterscheiden.

Wo Abgeordnete besonders häufig nebenbei verdienen

In der CDU/CSU-Fraktion hat die Hälfte der Abgeordneten bezahlte Nebentätigkeiten. Dahinter folgen AfD (37 Prozent) und Grüne (36 Prozent).

Seit Beginn der Wahlperiode haben die Bundestagsabgeordneten Nebeneinkünfte von mehr als 10,6 Millionen Euro gemeldet. Die veröffentlichten Angaben zeigen jedoch nicht nur, wer neben dem Mandat Geld verdient. 67 der 630 Abgeordneten geben Anteile an Unternehmen an. Noch häufiger sind Funktionen in Unternehmen. 39 Prozent der Abgeordneten melden Posten als Geschäftsführer, Aufsichtsräte, Vorstandsmitglieder oder Beiräte.

Die Selbstauskünfte zeigen, wo Abgeordnete neben ihrem Mandat wirtschaftliche Interessen haben. Die Geschichten dahinter erzählen sie nicht.

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FAQ: Die wichtigsten Fragen zu Nebeneinkünften im Bundestag

Was verdienen Bundestagsabgeordnete?

Bundestagsabgeordnete erhalten derzeit monatliche Diäten von 11.833 Euro brutto. Hinzu kommen eine steuerfreie Kostenpauschale von mehr als 5.400 Euro pro Monat sowie mögliche Nebeneinkünfte aus Nebentätigkeiten.

Dürfen Bundestagsabgeordnete Nebeneinkünfte haben?

Ja. Nebentätigkeiten sind nach den Verhaltensregeln des Bundestags ausdrücklich erlaubt. Voraussetzung ist, dass das Abgeordnetenmandat im Mittelpunkt steht. 

Welche Nebentätigkeiten haben Bundestagsabgeordnete?

Bundestagsabgeordnete üben ganz unterschiedliche Nebentätigkeiten aus. Dazu gehören etwa Tätigkeiten als Rechtsanwält:innen, Landwirt:innen oder Unternehmensberater:innen. Andere sitzen in Aufsichtsräten, halten Unternehmensbeteiligungen oder erzielen Einkünfte aus Vorträgen, Büchern und publizistischen Tätigkeiten.

Müssen Bundestagsabgeordnete ihre Nebeneinkünfte offenlegen?

Ja. Bundestagsabgeordnete müssen Einkünfte aus Nebentätigkeiten innerhalb von drei Monaten anzeigen. Veröffentlicht werden sie auf der Internetseite des Bundestags, wenn sie mehr als 1.000 Euro im Monat oder mehr als 3.000 Euro im Jahr betragen.

Wer hat die höchsten Nebeneinkünfte im Bundestag?

Die höchsten Nebeneinkünfte erzielen häufig Abgeordnete mit Unternehmensbeteiligungen, landwirtschaftlichen Betrieben oder freiberuflichen Tätigkeiten. Die aktuelle Rangliste der Bundestagsabgeordneten mit den höchsten gemeldeten Nebeneinkünften findest Du in unserer Auswertung auf dieser Seite.

Dürfen Bundestagsabgeordnete in Aufsichtsräten sitzen?

Ja. Aufsichtsratsmandate sind nach den Verhaltensregeln des Bundestags grundsätzlich zulässig und müssen angezeigt werden. Sie sind jedoch besonders problematische Nebentätigkeiten, weil politische Entscheidungen der Abgeordneten die wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens berühren können.

Methodik der Auswertung:

Die Auswertung basiert auf den vom Bundestag veröffentlichten Angaben zu Nebentätigkeiten und Nebeneinkünften von Abgeordneten. Veröffentlicht werden je nach Art der Tätigkeit entweder Bruttoeinkünfte oder der Gewinn vor Steuern. Berücksichtigt wurden alle Meldungen mit Stand vom 16. Juni 2026. Die Auswertung erfolgte durch abgeordnetenwatch und SPIEGEL.


Grafiken: Andreas Dobrzewski 
 

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